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07.05.2022

13:30

Prüfers Kolumne

Ohne Langschläfer würde die US-Vizepräsidentin sich den Knöchel brechen

Von: Tillmann Prüfer

Viele Top-Führungskräfte stehen schon um fünf Uhr auf. Damit sie genug erreichen können, bis normale Angestellte erwachen, müssen die natürlich mitspielen.

Handelsblatt: Prüfers Kolumne

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe gelesen, dass Kamala Harris, die Vizepräsidentin der USA, jeden Morgen vor dem Frühstück eine halbe Stunde joggen geht. Das soll die ideale Zeit sein, um das Adrenalin im Körper anzuregen und die Fettverbrennung und etliches mehr. Wer morgens joggen geht, ist den Tag über leistungsfähiger und überhaupt besser drauf.

Ich habe das Gefühl, wenn man wissen will, wie viele Topführungskräfte, Toppolitiker und Topmanager in einer Stadt wohnen, muss man nur um fünf Uhr morgens auf die Straße gehen. Da sind sie alle beim Joggen.

Es gibt da dieses Buch „The 5 AM Club“ von Robin Sharma. Es besagt in Kürze: Die großen Leader in Politik und Wirtschaft haben gemeinsam, dass sie um fünf Uhr morgens schon auf den Beinen sind und die ersten 60 Minuten ihres Tages nur einer Person widmen, der allerwichtigsten: sich selbst. Um fünf Uhr morgens kann man sich am besten über persönliche Ziele, Gefühlslagen und nächste Schritte klar werden, der Geist ist frisch und fokussiert, bevor der Tag losgeht – mit all seinen Mails und Messages, Calls und Meetings.

Ich habe einmal mit einem Topmanager gesprochen, für den der Fünf-Uhr-Klub eher eine Loser-Veranstaltung ist. Er steht nämlich schon um vier Uhr auf. Er sagte, bevor er um acht Uhr ins Büro gehe, habe er schon alle Pflichtaufgaben, E-Mails und Strategiepapiere erledigt. Den Rest des Tages gebe es dann gar nichts anderes mehr zu tun, als mit seinen Mitarbeitern zu reden und neue Ideen zu haben.

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    Wenn man vier Stunden früher mit der Arbeit beginne als die Konkurrenz, habe man pro Arbeitstag einen halben Tag Vorsprung, pro Monat zwei Wochen, pro Jahr ein halbes Jahr. Irgendwann lebt man in einer ganz anderen Zeitrechnung als die Konkurrenz – in einer fernen Zukunft, in der die schläfrigen Wettbewerber vielleicht niemals ankommen.

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    Es gibt für den „4 AM Club“ prominente Vorbilder, etwa den großen Johann Wolfgang von Goethe, der sich mit seinen Schreibkräften morgens um vier in der Schreibstube traf, um ihnen seine Eingebungen zu deklamieren, während er im Kreis lief. Es scheint also sehr rundzulaufen für jene, die schon rotieren, während all die anderen noch in ihre Decken eingerollt sind.

    Während andere noch träumen, macht der Frühaufsteher schon seine Träume wahr.

    Die ganze Sache hat nur einen Haken: Wenn wir alle nun um vier oder fünf Uhr aufstünden, wäre der Vorsprung wieder dahin. Dann würde der Alltag einfach schon ein paar Stunden früher losgehen. Dann müssten die Frühaufsteher im tiefsten Dunkel zum Joggen aufbrechen und könnten sich dabei den Knöchel brechen.

    Mehr als alles andere brauchen die Frühaufsteher jene Menschen, die ausschlafen, damit es überhaupt einen Unterschied gibt.

    Leute wie mich. Hoffentlich sagen sie mal Danke schön dafür.

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