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23.10.2021

11:01

Prüfers Kolumne

Schlafen oder nicht schlafen? Das ist hier die Frage

Von: Tillmann Prüfer

Haben Topmanager früher gern noch betont, wie wenig Schlaf sie bräuchten, tendiert man in Managementkreisen heute eher dazu zu betonen, wie wichtig Schlaf sei. Ja, was jetzt?

Handelsblatt: Prüfers Kolumne

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Früher haben Manager immer gern darüber geredet, wie wenig Schlaf sie benötigten, ja dass sie eigentlich nie im Land der Träume, sondern immer voll im Business seien.

Ich habe mal einen Topmanager kennengelernt, der mir erzählt hat, wie er zu seinem Erfolgsrezept gekommen sei. Ein Berater habe ihm den Tipp fürs Leben gegeben: einfach jeden Tag eine Stunde früher aufzustehen. Mit einer Stunde früher im Büro sei er eine Stunde vor der Konkurrenz. Das mache in der Woche fast einen ganzen Arbeitstag vor der Konkurrenz. Im Jahr sei man gut einen ganzen Monat vor der Konkurrenz. Und wenn man das durchhalte, habe man nach zwölf Jahren ein ganzes Jahr Vorsprung vor der Konkurrenz. Denn die Konkurrenz schläft aus, und wenn sie aufwacht, dann kann sie nur noch all den Innovationen hinterhergucken, die man so auf die Beine gestellt hat.

Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn die Konkurrenz zeitig ins Bett geht – und man sich selbst nicht vor der Konkurrenz schlafen legt.

Das bedeutet also, dass man in der Summe eine Stunde länger gearbeitet und eine Stunde weniger geschlafen hat. In heutigen Managementkreisen würde man mit dieser Theorie nicht sehr weit kommen, denn heute betonen Manager gern, dass sie unbedingt ihren Schlaf brauchen. Denn wenn man nicht genügend geschlafen habe, dann könne man auch keine guten Entscheidungen treffen, sei fahrig und falle früher aus, wird betont.

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    Ich habe in der „Wirtschaftswoche“ von der Verhandlungsstrategie Angela Merkels gelesen, die ebenfalls keine Freundin des übermäßigen Schlafes zu sein scheint. Sie pflegte ihre Kontrahenten einfach in die Bewusstlosigkeit zu verhandeln. Sie soll Ende 2020 in Brüssel 21 Stunden am Stück über verschärfte Klimaziele und den Corona-Hilfsfonds verhandelt haben. Während sie noch voll da war, klappten die Verhandlungspartner irgendwann zusammen.

    Wach bleiben mit viel Adrenalin im Blut

    Der Schlafmediziner Ingo Fietze empfahl in dem Artikel, das nicht nachzumachen. Man sei zwar bis zwei oder drei Uhr nachts noch einigermaßen leistungsbereit, danach sei aber „Schicht im Schacht“. Dauerhaft lange wach zu bleiben funktioniere nur mit entsprechend viel Adrenalin im Blut. Demnach braucht man also dauerhaft ein sehr aufregendes Leben, dann schafft man es auch mit wenig Schlaf. Ansonsten braucht man sechs Stunden, mindestens.

    Mediziner raten, öfter mal einen Powernap einzulegen. Wenn einen die Müdigkeit überkommt, schließt man kurz die Augen und legt den Kopf auf die Tischplatte. Wenige Minuten reichen offenbar schon, damit man wieder fit ist.

    Leider ist das Powernapping in Deutschland kulturell nicht besonders gern gesehen. Dass Menschen mitten im Arbeitstag Müdigkeit überkommt, ist nicht vorgesehen. In unserer Großraumbürolandschaft gibt es keine Plätze, um kurz einzunicken.

    Da hilft also nur Adrenalin. Vielleicht von dem Schock, wenn man entdeckt, dass die Konkurrenz schon wieder eine Innovation am Start hat.

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