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25.07.2019

17:20

Prüfers Kolumne

Sleeponomics – Die Vermessung des Schlafs

Von: Tillmann Prüfer

Viele Menschen leiden an schlecht geplantem Schlaf. Jetzt versuchen wir, mit Sensoren unsere Nachtruhe zu verbessern – das kann nur schiefgehen.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Die letzte Zeit des Tages, die noch nicht komplett durchorganisiert ist, ist die Nacht. Aber damit soll jetzt Schluss sein. Viele Menschen leiden an schlecht geplantem Schlaf, die Schätzungen gehen von 15 Prozent aus. Dem soll mit immer mehr Technik zu Leibe gerückt werden.

Der Markt wächst und ist riesig: Einem McKinsey-Bericht zufolge werden im Wirtschaftssektor „Sleeponomics“ mittlerweile jährlich weltweit über 30 Milliarden Euro umgesetzt.

Es gibt allerlei Schlaftracker, die uns Klarheit darüber verschaffen sollen, was wir nachts genau machen: wie tief wir schlafen, ob wir genügend entspannt haben, ausreichend Tiefschlaf genossen haben und so weiter.

Meistens sind es Fitnessarmbänder, die man sich ums Handgelenk schnallt, es gibt auch Sensoren, mit denen man die Matratze verkabeln kann. Diese Geräte liefern ein umfangreiches Datenmaterial, anhand dessen man anschließend versuchen kann, das Beste aus der Nacht zu machen.

Es gibt auch Geräte, die versprechen, direkt den Schlaf zu verbessern. Ein amerikanischer Hersteller bietet etwa kleine Kopfhörer an. Damit werden einem beruhigende Geräusche auf die Ohren gespielt, etwa Meeresrauschen am Strand. An diese Geräusche sollen sich die Ohren gewöhnen – und dann andere Geräusche, etwa das Schnarchen des Ehepartners, geflissentlich überhören. Mein Vater hat sich ein solches Gerät gekauft, denn er hat einen sehr leichten Schlaf.

Es gibt allerlei Empfehlungen, was man gegen schlechten Schlaf machen kann. Zum Beispiel soll man in der Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr auf Mobilgeräte schauen. Man soll mäßig gegessen haben, keinen Alkohol konsumiert haben und für gute Belüftung sorgen. Alles Dinge, für die man keine App braucht. Aber wir haben uns offenbar daran gewöhnt, dass ein Problem erst dann richtig gelöst ist, wenn es eine App dagegen gibt.

In der „New York Times“ habe ich nun gelesen, dass Schlafforscher all die Apps zur Schlafbeobachtung eher problematisch finden. Denn sie erzeugten mit ihren Daten den Eindruck, dass sie den Schlaf genau durchmessen hätten, seien aber viel zu ungenau. Der Schlaf bestehe nämlich aus mehreren Phasen. Diese voneinander abzugrenzen sei nicht leicht. Im Schlaflabor werde man dafür aufwendig verkabelt und mit Sensoren beklebt.

Das Fitnessarmband am Handgelenk könne dagegen nicht viel erfassen. Es könne sein, dass man morgens ohne Beschwerden erwache und erst mit einem Blick auf die App feststelle, dass man offenbar die ganze Nacht wach gelegen habe. Und je mehr man versuche, der angeblichen Insomnie Herr zu werden, desto mehr verunsicherten einen die angeblich genau ermittelten Ergebnisse.

Mein Vater hat mit seiner elektronischen Schlafhilfe ganz anderen Probleme. Die Akkus seiner kabellosen Schlafkopfhörer laden nicht richtig auf. Er sagt, einer von beiden lade korrekt, der andere nicht. Der linke Kopfhörer lade immer nur genau bis 58 Prozent Ladezustand. Immer 58 Prozent!

Er habe das Gerät schon mal austauschen lassen. Bei dem neuen Gerät das gleiche Problem. Es sei zum Verzweifeln. Manchmal liegt mein Vater lange wach. Dann denkt er über seine Schlafhilfe nach.

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