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19.03.2022

12:30

Prüfers Kolumne

Smalltalk ist der wahre Karrieretreiber

Von: Tillmann Prüfer

Die wirtschaftlichen Schäden durch Smalltalk am Arbeitsplatz sind hoch, aber lohnen sich. Denn der tägliche Plausch schweißt Mitarbeiter zusammen.

Handelsblatt: Prüfers Kolumne

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Den US-amerikanischen Unternehmen entgehen jährlich 1,5 Milliarden Dollar durch Smalltalk. Diese Nachricht habe ich in der „Süddeutschen Zeitung“ gelesen. Demnach würden US-Arbeitnehmer pro Tag 118 Minuten einfach so verquatschen: mit Konversationen über das Wetter, Krankheiten und Fernsehsendungen. Dies würde zu massiven Einbußen führen. 118 Minuten am Tag!

Wenn man diesen Zahlen trauen kann, dann scheint das eigentliche Talent der Amerikaner im scheinbar ziellosen Reden zu liegen. Wie kann man über eine Serie, die man am vergangenen Abend gesehen hat, länger reden, als die Serie selbst dauert? Diese Statistik straft damit auch all jene Lügen, die über die angebliche Sprachlosigkeit der Gesellschaft klagen. Denn dass wir uns den ganzen Tag über Bildschirme beugen, führt offenbar nicht dazu, dass wir einander weniger zu sagen haben.

Ich habe gelesen, dass der sogenannte Smalltalk sehr wichtig sei für die Karriere. Er schaffe nämlich ein angenehmes Betriebsklima. Menschen, die den Smalltalk nicht beherrschen und stattdessen schnell zum Deep Talk oder zum verstockten Schweigen neigen, wird empfohlen, den täglichen Smalltalk regelrecht vorzubereiten.

Also die Tagesnachrichten nach leichtem Gesprächsstoff zu durchpflügen, etwa auch Fußballergebnisse oder TV-Ereignisse. Sodass man vorbereitet ist, egal, wem man begegnen könnte. Es wird auch empfohlen, den Smalltalk zu üben, am besten mit Leuten, die einen nicht entlassen können, etwa in der Bahn oder im Café.

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    Wichtig soll auch sein, alles zu vermeiden, was schwierig ist: Themen, die sich um den Körper drehen, etwa Krankheiten, private Probleme, Negatives etwa über Kollegen und ganz besonders über Vorgesetzte. Dabei soll man dem anderen zuhören und hin und wieder lächeln und Blickkontakt halten. Der Mensch tratscht viel mehr, als dass er irgendetwas anderes tut, nämlich etwa 60 Prozent der menschlichen Kommunikation entfallen darauf, es ist der soziale Kitt der Gesellschaft.

    Wenn Mitarbeiter also einfach nur arbeiten würden und nicht mehr miteinander über andere Dinge als die Arbeit sprechen würden, fühlten sie sich nicht sicher und hätten kein Zutrauen mehr in die Kollegen. Und die Identifikation mit dem Arbeitsplatz, wissen wir ja, ist heute so gut wie unbezahlbar. Jedenfalls sind 1,5 Milliarden Dollar darin gut investiert.

    Und vielleicht reden die US-Angestellten über jene fast zwei Stunden Smalltalk hinaus auch noch über anderes. Zum Beispiel über die aktuellen Projekte der Firma und darüber, welchen Fortschritt diese machen. Obwohl – dafür bleibt wahrscheinlich gar keine Zeit mehr.

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