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23.05.2019

11:46

Prüfers Kolumne

Warum Fleischimitate bei Veganern so beliebt sind

Von: Tillmann Prüfer

Selbst bei Lidl sind jetzt pflanzliche Burger zu haben. Die Produkte sind erheblich teurer – aber günstiger ist ein gutes Gewissen nicht zu haben.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich bin Vegetarier, das muss man heute sehr scharf abgrenzen von Veganer. Vegetarier essen etwa Eier und Joghurt, Veganer hingegen konsumieren keinerlei tierische Produkte.

Ich bin schon seit Längerem Vegetarier, ich kann von den Anfängen meines Vegetarismus erzählen wie andere vom Krieg. Von den kleinen Kämpfen, wenn man zum Essen eingeladen war und der Gastgeber versicherte, alles sei auch vegetarisch genießbar, nur mit etwas Speck drin, wegen des Geschmacks.

Ich war in gehobenen Restaurants, wo man mir nur einen Mix aus gekochten Gemüsebeilagen servieren konnte und dabei die Nase rümpfte. Alles in allem galt man als Vegetarier als jemand, der den Leuten wegen ideologischer Spinnereien den ganzen Spaß am Essen versaut.

Seit man meint, dass Fleischessen einer der Hauptgründe für die Klimaerwärmung sei, hat sich die Stimmung gegenüber Vegetariern sehr verbessert. Aber nun werde ich von einer anderen Menschengruppe verachtet, den Veganern.

Für Veganer sind nämlich Vegetarier nicht Schwestern und Brüder im Geiste, sondern vielmehr plumpe Tierausbeuter, die ihr schlechtes Gewissen dadurch zu beruhigen versuchen, dass sie die Tiere nicht auch noch essen. Veganer aber rühmen sich, die wahren Tierfreunde zu sein.

Dabei ist Veganismus gar nicht unbedingt ein Lebensstil des Verzichts, sondern des Konsums. Mittlerweile ist der Markt so voll von Veggi-Produkten, dass man ohne Probleme von einem Lebensstil des Fleischkonsums auf einen veganen Lebensstil umstellen kann. Denn statt dreimal Beef-Burger am Tag kann man nun dreimal am Tag Burger mit Fake-Fleisch essen. Statt Milch gibt es Hafermilch, statt Käse Veggi-Käse und statt Ei Veggi-Ei.

Die Produkte sind erheblich teurer und schmecken nicht ganz genauso – aber günstiger ist ein gutes Gewissen nicht zu haben. Nun hat Lidl angekündigt, als erster Supermarkt in Deutschland die Burgerklopse der Marke Beyond Meat ins Angebot zu nehmen. Das ist ein Burgerimitat auf der Basis von Erbsenprotein. Durch Aromen hat es eine rauchige Note und Rote-Beete-Saft sorgt für das notwendige blutige Rot.

In den USA ist Beyond Meat schon der totale Renner. Neulich habe ich bei Bloomberg gelesen, dass durch den Bedarf an Fake-Burgern die Nachfrage nach Erbsen explodiert ist. Schon müsse man sich Gedanken über etwaige Lieferengpässe machen.

Denn während es genug Rinder gibt, um den Fleischhunger der Amerikaner zu stillen, ist das bei Erbsen nicht unbedingt der Fall. Schließlich braucht man viele Erbsen, damit der Mensch das Gefühl hat, er esse ein totes Tier. Ich bin sehr für die Rettung der Welt und mache High Five mit jedem nicht geschlachteten Schwein.

Ich frage mich aber, warum Menschen die Illusion von Fleisch brauchen, um Hülsenfrüchte zu essen. Ich war neulich auf einer Veganer-Messe. In der ganzen Halle habe ich keinen einzigen Salatkopf angetroffen. Dafür allerdings lange Schlangen an den Ständen für Veggi-Braten, Veggi-Wurst und Veggi-Hack. Wäre ich ein Schwein gewesen, ich hätte Angst gehabt, dass mich einer von diesen Veganern auf dem Messegelände mit einem Schweinimitat verwechselt, in die Pfanne haut und dann meint, es schmecke wie Erbse.

Mehr: Lange haben Start-ups vom Vegan-Trend profitiert. Nun steigen auch Konzerne ein. Ein lukratives Geschäft, das auch Trittbrettfahrer anlockt.

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