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28.03.2019

15:45

Prüfers Kolumne

Warum von 5G nicht viel zu erwarten ist

Von: Tillmann Prüfer

Schon bei 2G, 3G und 4G wurde viel versprochen. In Zeiten des mobilen Superinternets bleiben den Kunden trotzdem meist nur zwei Balken im Handy-Display.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich werde einmal meinen Enkeln erzählen können, dass ich zu einer Zeit aufgewachsen bin, als es im Mobilfunk nur ein G gab. Wir steuern ja gerade auf 5G zu. Das eine G gab es ja nicht einmal namentlich, von Gs sprach man erst ab 2G. Das war das Mobilfunknetz der zweiten Generation. Es beinhaltete einen Service namens GPRS, mit dem man über das normale Handynetz Datenpakete verschicken konnte.

Mit GPRS würden die Handys zu Wundergeräten, wurde uns erzählt. Plötzlich würde man von überall auf der Welt auf das Internet zugreifen können. Wenn hingegen heute im Handydisplay eine GPRS-Verbindung angezeigt wird, dann weiß man, dass man praktisch offline ist.

Ich erinnere mich, dass als Nächstes für Unsummen die Lizenzen für das UMTS-Netz ersteigert wurden. UMTS, so hieß es, sei das Ultimative. Es werde die Welt verändern. Es sei gewissermaßen „Realtime-Internet“. Damit werde alles unglaublich schnell, man werde ohne Probleme Videotelefonie machen können, und Internet-Fernsehen würde wahr.

Das UMTS-Netz war das Mobilfunknetz der dritten Generation. Ich erinnere mich noch, wie man mit Herzklopfen das Signet „UMTS“ in der Ecke des Handydisplays entdeckte – dann aber gar nichts Tolles passierte. Die Revolution war da, aber so richtig in Fahrt kam sie nicht. Nach 3G kam 4G, und ich muss zugeben, ich habe den Unterschied gar nicht bemerkt. Nun stehen wir also vor 5G – und nun soll es wirklich das Realtime-Zeitalter werden.

Ich hörte, dass nun alles wahr wird, was unser Leben nachhaltig verändern soll. Mit 5G werden wird zu wandelnden Rechenzentren, die in Echtzeit Daten emittieren und empfangen. Es wird ohne Probleme möglich sein, auf seinem Handy einen Kinoabend zu veranstalten. Gleichzeitig kann mein Arzt mit von meiner Smartwatch zugesendeten Daten meine Körperfunktionen überwachen und mir mitteilen, wenn ich kurz vor dem Herzinfarkt stehe.

Eigentlich kann ich mir gar nicht vorstellen, dass mein Körper so viele Daten produziert, dass man damit ein Breitband-Internet füllen kann. Die größte Datenproduktion, die ich erlebe, ist, wenn mein Körper an einer Computertastatur sitzt. Diese Datenmenge reicht gerade aus, diese Spalten hier zu füllen.

Und der Rest von mir soll – ohne, dass ich es bemerke – so viele Daten ausspucken, dass man 5G braucht, um alle einzufangen? Das finde ich fast beleidigend. Soll doch der ganze Rest meines Körpers das Geld verdienen, wenn er so viel mehr Output hat als Hand und Hirn!

Was das Komische ist: 5G kommt, und ich habe fast keine Erwartungen daran. Ich weiß, dass wir in Zeiten des mobilen Superinternets leben, aber auf meinem Display sind trotzdem meist nur zwei Balken. Ich schaue ständig auf sich drehende Kreissymbole, wenn ich ein Video angucken möchte, Nachrichtenportale zeigen minutenlang die Texte nicht an.

Ich suche mir Nebenbeschäftigungen, während mein Handy mir anzeigt, dass gerade noch der Download meiner Mail im Gange sei. Alle sagen, jetzt mit dem mobilen Internet der fünften Generation sei die Zukunft da. Aber alles, was ich in den vergangenen zehn Jahren in Sachen Mobilfunk gelernt habe, ist: warten.

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