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30.05.2019

17:23

Prüfers Kolumne

Was Frauen erfolgreicher am Aktienmarkt macht

Von: Tillmann Prüfer

Laut Experten unterscheidet sich das Anlageverhalten von Männern und Frauen. Doch Risikoverhalten lässt sich nicht immer so einfach einordnen.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich weiß nicht, ob es mir jemand zugetraut hat, aber ich habe tatsächlich ein Aktiendepot bei der Deutschen Bank. Ich habe es schon seit etlichen Jahren. Dass dort umwerfende Umsätze zu verzeichnen wären, kann ich nicht behaupten – aber immerhin habe ich noch nie Verluste gemacht.

Ich habe gelernt, dass dies ein sehr unmännliches Verhalten ist. Der Ökonomieprofessor Martin Weber hatte der Zeitung „Die Welt“ erklärt, dass Männer, soweit sie keine Profis sind, im Schnitt weniger erfolgreich am Aktienmarkt sind als Frauen.

Das liege daran, dass Männer die eigenen Fähigkeiten überschätzten und die falschen Denkmuster bemühten. Den Anleger beschleiche nämlich ein einfacher Gedanke: „Mehr Arbeit führt zu mehr Rendite. Der Bauer, der mehr Felder bestellt, hat ja auch einen größeren Ertrag.“ 

Leider ließen sich Bauernregeln schwer auf den Finanzmarkt übertragen. Der engagierte Kleinanleger würde recherchieren, immer wieder kaufen und verkaufen. Dadurch habe er das Gefühl, aktiv zu sein, schmälere allerdings seine Rendite durch die vielen Gebühren. Hinzu komme, dass er denkt, weil er sich regelmäßig informiere und die Kurse beobachte, habe er auch eine besondere Einsicht und sei klüger als der Markt. Das sei „Overconfidence“ – Selbstüberschätzung.

Meist wisse der Markt eine Menge. Und dann komme noch dazu, dass man eine natürliche Scheu habe, Verluste einzugestehen, aber sehr gerne Gewinne einstreiche. Anleger würden verlustbringende Aktien zu lange im Depot behalten, weil sie lieber hoffen, dass diese durch ein Wunder noch mal steigen werden, anstatt sich einzugestehen, dass sie Geld verloren haben.

Umgekehrt würden erfolgreiche Aktien oft zu schnell verkauft, weil der Anleger lieber Gewinne sofort einstreiche, als zusehen zu müssen, wie sie möglicherweise wieder sinken. Dagegen seien Frauen an den Märkten vor allem wegen einer Eigenschaft erfolgreicher: Sie handelten weniger. Weil sie im Schnitt passiver am Markt sind, zerstören sie ihre Depots nicht durch Hyperaktivismus.

Vielleicht gilt dieses Verhalten nicht nur für den Aktienmarkt. Ich erinnere mich an große Alphamännchen der Wirtschaft wie Edzard Reuter, der Daimler zur Welt-AG ausbauen wollte, und an Klaus Zumwinkel, der vorhatte, mit dem Paketdienst DHL die USA zu erobern. Oder auch an Thomas Middelhoff, der mit Bertelsmann an die Börse wollte. Die Welt-AG musste abgeblasen werden, die USA-Expedition von DHL wurde zum Desaster, und Thomas Middelhoff ist pleite.

All diese Männer hätten wohl besser mal ein bisschen weniger gewollt, gemacht und riskiert. Ich weiß nicht, ob Frauen, weil sie als Kleinanleger erfolgreicher sind, auch bessere Vorstandschefs wären. Es wäre aber einen Versuch wert, finde ich. Alternativ könnte man die Leitung von Großkonzernen gerne auch mir überlassen. Mein Risikoverhalten ist nämlich noch weiblicher als weiblich, und „Overconfidence“ ist mir fremd. Man kann das gerne an meinem persönlichen Aktiendepot ablesen. Mein Handelsvolumen spricht sehr dafür: Ich habe noch nie eine Aktie für mein Depot erworben.

Mehr: Sind Männer die besseren Anleger, weil sie das Risiko nicht scheuen und beherzt handeln? Oder sind es die Frauen, die überlegt und weniger gierig agieren? Klischees gibt es einige. Hier erfahren Sie, was Experten sagen.

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