Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2022

07:14

Prüfers Kolumne

Was hinter der Krise der Fitnessstudios steckt

Von: Tillmann Prüfer

Nachdem die Pandemie ihren Schrecken weitgehend verloren hat, sind die Deutschen wieder von ihren Heimtrainern abgestiegen. In den Studios sind sie aber offenbar dennoch nicht wieder angekommen.

Handelsblatt: Prüfers Kolumne

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe gelesen, dass die Fitnessstudios in Deutschland in der Krise sind. Laut „Spiegel“ sollen nur noch 9,3 Millionen Menschen in Deutschland Mitglied sein, etwa 20 Prozent weniger als vor der Coronapandemie.

Ich muss sagen, vermutlich hat niemand zu dieser Krise mehr beigetragen als ich. Ich war noch keine Sekunde meines Lebens Mitglied in einem richtigen Fitnessstudio, im Gegensatz zu meinen Eltern und meinen Kindern. Ich glaube, es liegt an meiner Sozialisation. In den 1990er-Jahren, als die Studios in Deutschland größere Verbreitung fanden, waren sie der Ort, an den vor allem Männer, die ihren Oberkörper gern zeigten, gingen, um ordentlich zu pumpen.

Ich für meinen Teil fand es nicht einmal im Freibad eine gute Sache, meinen Körper zu zeigen. Also waren all jene Fitnessstudios für mich verbotene Zonen. Ich hätte Befürchtungen gehabt, einfach von einer Hantelbank erschlagen zu werden.

Mittlerweile ist also mehr als jeder zehnte Deutsche in einem Fitnessstudio. Das können nicht alles Muskelfetischisten sein. Aber ich konnte mich trotzdem nicht dazu motivieren, auch mal ein solches Studio zu besuchen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Als meine Eltern von ihrem Arzt empfohlen bekamen, Mitglied in einem Fitnessklub zu werden, um etwas für den Rücken zu tun, haben sie es sofort getan. Nun haben sie eine Studiomitgliedschaft, und ich müsste jetzt auch noch das Risiko eingehen, dass ich ihnen bei den Bauchpressen über den Weg laufe. Auch das wäre mir sehr unangenehm.

    Weitere Kolumnen von Tillmann Prüfer:

    Aber nun leiden die Fitnessstudios an Schwund, weil die Leute in der Pandemie nicht mehr aus dem Haus gegangen sind. Ich habe gehört, dass Anbieter von Heimtrainern wie Peloton damals zunächst boomten. Bei solchen Geräten strampelt man zu Hause und ist über das Internet mit einer ganzen Community verbunden, die auch daheim Sport macht.

    Nun aber hat Peloton Wachstumsprobleme und muss die Preise senken. Es heißt, dies liege daran, dass die Leute nun nicht mehr zu Hause trainierten, sondern wieder ins Fitnessstudio gingen. Dort scheinen sie aber nie angekommen zu sein.

    Interessant ist, dass die Fitnessbranche klagt, dass vor allem die Pandemiemonate Anfang des Jahres problematisch gewesen seien. Denn die meisten Menschen melden sich in einem Studio an, wenn sie sich gute Vorsätze für das neue Jahr setzen – an welche sie sich dann letztlich doch nicht halten.

    So nutzten die Deutschen die Pandemie dazu, erst gar keine Verträge zu unterschreiben, die sie später wieder gekündigt hätten, weil sie doch nicht hingegangen wären. In diesem Sinne habe ich offenbar die ganze Zeit alles richtig gemacht. Ich fühle mich allein schon durch diese Vorstellung fitter.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×