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16.05.2019

15:57

Prüfers Kolumne

Was Sauerstoffmangel in Meetings mit Menschen macht

Von: Tillmann Prüfer

Früher wurde in Büros geraucht, heute wird CO2 durch bessere Dämmung im Raum gehalten. Das beeinflusst die Leistungsfähigkeit.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Wichtige Entscheidungen werden oft in kleinem Kreis getroffen. Man trifft sich im Büro des Chefs, ringt um wichtige Argumente, wägt Risiken ab und stormt das Brain. Nach langem Ringen gibt es einen Beschluss, den alle gut finden. Manchmal ist es eine Idee, die ganz zu Anfang des Meetings schon genannt wurde, da jedoch durchgefallen ist. Jetzt aber, nach drei Stunden in dem kleinen Büro – finden alle den Vorschlag ziemlich gut.

Wissenschaftler vermuten, dass dies nicht daran liegen muss, wie gut die Idee ist. Es könnte auch sein, dass alle Beteiligten nicht mehr klar denken können, da ihnen das Gehirn schwirrt – weil zu wenig Sauerstoff in der Luft ist, dafür aber reichlich CO2. Das Gas kann offensichtlich auch aus Bürogebäuden Treibhäuser machen.

Das ist nun nicht unerheblich, denn meist bewegen wir uns ja in der Innenluft. Wir regen uns mächtig auf, wenn die Luft in den Innenstädten schlechter wird, und fordern die Politik auf zu handeln. Dabei ist die Luft, in der wir uns meistens aufhalten, die im Zimmer. Und die ist oft noch dicker, weil wir selbst viel Staub aufwirbeln. Wenn wir dazu noch rauchen, eine Kerze oder gar ein esoterisches Räucherstäbchen anzünden, wird es ganz schlimm.

In Büros wird kaum noch geraucht, und es werden ganz selten Räucherstäbchen entzündet. Dafür gibt es einen allgegenwärtigen Luftverschmutzer: den atmenden Menschen. Da die Gebäude heute alle wesentlich besser gedämmt sind als früher, können sich kleinere Räume schneller mit Gasen füllen. Ich habe in der „New York Times“ von einem Experiment gelesen, das der Wissenschaftler William Fisk am Lawrence Berkeley National Laboratory gemacht hat.

Er hat Menschen in Räume mit verschiedenen CO2-Konzentrationen gesetzt, wobei die höchste Konzentration noch unter den Luftverhältnissen in einem gut gefüllten Klassenraum war. Die Teilnehmer mussten einen Leistungstest machen. Die Leute, die weniger CO2 einatmeten, schnitten im Durchschnitt deutlich besser ab.

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Es steht zu befürchten, dass viele der schlechten Business-Entscheidungen, die in den vergangenen Jahren getroffen wurden, zustande kamen, weil zu viele Menschen in zu kleinen Räumen zu lange geatmet haben. Nun könnte man, um das zu verhindern, wichtige Sitzungen nur noch unter freiem Himmel veranstalten. Was insbesondere in den Wintermonaten auch unnötig lange Meetings verhindern könnte. Alternativ könnte man die Meeting-Teilnehmer anhalten, nur noch flach zu atmen.

Allerdings muss das Problem auch auf einer höheren politischen Ebene angepackt werden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man einen internationalen Innenraum-Klimagipfel abhält und verschiedene Großkonzerne verbindliche Ziele aussprechen müssen, wie sich der CO2-Gehalt in der Büroluft in den nächsten Jahren entwickeln möge.

Bis es so weit ist, ist nur jedem Angestellten zu raten, die eigenen Ideen, vor allem die schlechten, immer gegen Ende eines Meetings anzubringen und unbedingt dagegen zu protestieren, wenn jemand zwischendurch mal ein Fenster öffnen möchte. Man kann etwa anführen, dann käme der ganze gefährliche Feinstaub rein.

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