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21.01.2023

11:00

Prüfers Kolumne

Wir sind nur einen Bildschirmhintergrund vom Ende der Inneneinrichtung entfernt

Von: Tillmann Prüfer

Die Pandemie geht, Angestellte kommen trotzdem nicht ins Büro. Das spricht dafür, dass sich die Arbeit in Wohnungen verlagert – und Menschen treffen sich in Büros. Technologische Designlösungen helfen.

Handelsblatt: Prüfers Kolumne

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe gelesen, dass Corona nun vorbei ist, aber dennoch niemand ins Büro zurückkehrt. Angeblich stehen die Büros der Dax-Unternehmen zu einem Viertel leer. Fast alle großen Unternehmen haben mittlerweile Regelungen zu mobilem Arbeiten in Kraft. Teilweise werden 20 Prozent der Büroflächen eingespart, vermietet, stillgelegt. Ein Fünftel der Arbeitswelt wird also eingesargt.

Die restliche Bürofläche soll sich grundlegend wandeln. Sie soll nicht mehr Arbeitsfläche, sondern eher Kommunikationsraum werden. Wer arbeiten will, der bleibt zu Hause, wer quatschen möchte, geht dafür ins Büro. Das war früher umgekehrt. Die Unternehmen wollten die Leute vor Ort haben, damit man sie beim Arbeiten kontrollieren konnte. Die Orte zum Reden waren eher Nicht-Orte. Etwa der Quadratmeter vor der Kaffeemaschine oder der Austritt, wo man zum Rauchen hingegangen ist. Vielleicht noch der Korridor.

Ansonsten sollten die Leute diszipliniert in ihren Büros bleiben und dort auf Tastaturen hacken und in Telefonapparate sprechen. Nun also soll die ganze Bürofläche eine Art Korridor mit Kaffeemaschine sein. Wer Arbeitsstress haben möchte, mit Kunden telefonieren und seine Tastatur bearbeiten, soll dies gefälligst am Küchentisch tun.

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Das ist ja eigentlich nicht neu. Die Heimarbeit ist historisch gesehen sogar älter als die Fabrikarbeit. Als das Manufakturwesen anfing, dachten die Arbeitgeber gar nicht daran, eigene Fläche bereitzustellen, damit die Leute dort etwa Knöpfe annähen konnten. Stattdessen sollten sie die Sachen mit in ihre kleinen, stickigen Wohnungen nehmen, um dort zu arbeiten, sich selbst zu versorgen und so weiter.

Ich glaube, es spricht sehr dafür, dass deutsche Wohnungen heute sehr gastlich sind, wenn immer mehr Menschen lieber dort die Zeit mit der Arbeit verbringen möchten, anstatt dafür in ein Büro zu gehen. Wahrscheinlich wäre diese alles auch nicht möglich gewesen, gäbe es keine entsprechende Software. Damit meine ich nicht nur die Kommunikationsmittel, sondern auch die Möglichkeiten, sich digitale Bildhintergründe für die Videokonferenzen zu schaffen.

Ich kenne Kollegen, die haben Fantasielandschaften als digitale Tapete. Etwa einen schönen Sonnenuntergang. Aber viele haben dort durchaus geordnete virtuelle Verhältnisse in ihren virtuellen Rücken. Etwa eine weiße Wand mit einem abstrakten Bild im Rahmen. Oder eine farbige Wand mit einem Stuhl davor. Oder eine elefantengraue Wand mit einer Pflanze. Etwa exakt so, wie es in einem langweiligen Büro aussähe, in dem man diszipliniert arbeiten würde.

Es ist also ganz egal, wie man zu Hause eingerichtet ist. Es wird nicht lange dauern, da werden wir uns die Einrichtung insgesamt sparen. Dann werden wir für unsere privaten Videochats nur den Hintergrund auf Kaminzimmer umschalten. Es macht ja keinen Unterschied, wir hängen doch eh den ganzen Tag vor dem Bildschirm.

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