Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

05.07.2022

09:41

Gastkommentar – Homo oeconomicus

Ausländische Direktinvestitionen trotzen dem schwierigen Umfeld

Geopolitische Spannungen, Inflation und steigenden Zinsen belasten die Wirtschaft. Ausländische Direktinvestitionen werden in diesem Jahr trotzdem weiter zunehmen, meint Lena Sellgren.

In den vergangenen fünf Jahren sind die ausländischen Direktinvestitionen insgesamt graduell zurückgegangen.

Produktion

In den vergangenen fünf Jahren sind die ausländischen Direktinvestitionen insgesamt graduell zurückgegangen.

Mit der Pandemie brach die Weltwirtschaft ein. Die ausländischen Direktinvestitionen, also Käufe von ausländischen Unternehmen und maßgeblichen Unternehmensanteilen oder von Produktionsanlagen im Ausland, fielen auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 2000er-Jahre. Doch im vergangenen Jahr erholten sich die Investitionen. Die Zuflüsse nach Europa haben sich mehr als verdoppelt.

Die Geschichte zeigt, dass sich die Bedingungen für internationale Investitionen schnell ändern können. Nach dem Ende des Kalten Krieges herrschte Einigkeit über die Notwendigkeit offener Märkte und eines attraktiven Geschäftsklimas. Der Finanzsektor wurde dereguliert und ausgeweitet, was zu einem raschen Anstieg des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen führte.

Ein erster Höhepunkt der ausländischen Direktinvestitionen wurde im Jahr 2000 erreicht. Der Trend wurde durch den Dotcom-Crash unterbrochen, der den Marktwert vieler Unternehmen sinken ließ und die Wirtschaft in Europa und den USA beeinträchtigte.

Im nächsten Jahrzehnt waren niedrige Kosten der entscheidende Faktor für die Ansiedlung von Produktionsstätten und Zulieferernetzen. Die geografische Fragmentierung der Produktion und eine Welle von Übernahmen trugen 2007 zu einem neuen Höchststand der ausländischen Direktinvestitionen bei.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Kurz darauf zwang die globale Finanzkrise die Unternehmen, ihre Expansionspläne zu überdenken. Ein neuer Höchststand der ausländischen Direktinvestitionen wurde erst 2015 erreicht.

    Warum ausländische Direktinvestitionen wieder zunehmen werden

    In den vergangenen fünf Jahren sind die ausländischen Direktinvestitionen insgesamt graduell zurückgegangen, obwohl die Teilmenge der Unternehmensübernahmen stetig zugenommen hat. Der Abschwung ist zum Teil auf die verstärkte Konzentration auf marktnahe Produktion zurückzuführen. Auch der wirtschaftliche Nationalismus und eine offensive Industriepolitik spielen eine Rolle, ebenso wie die wachsenden geopolitischen Spannungen, nicht zuletzt zwischen den USA und China.

    Lena Sellgren ist Chefvolkswirtin von Business Sweden. Business Sweden

    Lena Sellgren

    Lena Sellgren ist Chefvolkswirtin von Business Sweden.

    Asien hatte im Jahr 2021 laut der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) die größten weltweiten Zuflüsse an Direktinvestitionen. Allerdings entfällt immer noch der größte Anteil an bestehenden Direktinvestitionen – 36 Prozent – auf Europa, dicht gefolgt von Nordamerika mit 34 Prozent und Asien mit 22 Prozent.

    Der Krieg in der Ukraine hat die Preise für Energie, Rohstoffe und Lebensmittel in die Höhe schnellen lassen. Die Inflation schießt in die Höhe, und die Zinssätze steigen. Die sich verschlechternde geopolitische Lage hat schwerwiegende Folgen für Unternehmen, die in Übersee präsent sind.

    Trotzdem zeigen sich die Anleger optimistisch. Die Aktivität bei Unternehmensübernahmen ist hoch, und öffentliche Investitionen in den Klimaschutz und die Infrastruktur sorgen für zusätzlichen Auftrieb. Dies deutet darauf hin, dass die ausländischen Direktinvestitionen auch in diesem Jahr weiter zunehmen werden, wenn auch in geringerem Tempo.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×