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20.05.2022

10:38

Gastkommentar – Homo oeconomicus

Bei der Inflation haben wir das Schlimmste hinter uns

Seit Jahresanfang wächst die Geldmenge deutlich langsamer. Das spricht dafür, dass die Inflationsraten schon bald ihren Höhepunkt erreichen, meint Daniel Stelter.

Der massive Preisanstieg könnte bald vorbei sein. dpa

Kassiererin im Supermarkt

Der massive Preisanstieg könnte bald vorbei sein.

Es gibt viele Theorien zur Inflation, die mehr oder weniger aussagekräftig sind. Manche Ökonomen sehen Inflation als Folge von Kostendruck. Steigen in der Lieferkette die Kosten, geben Unternehmen das weiter, bis sich der Effekt in der allgemeinen Preissteigerung niederschlägt.

Andere wiederum, vor allem die Keynesianer (Ökonomen, die die gesamtwirtschaftliche Nachfrage als die entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung ansehen) betonen Schwankungen in der Nachfrage und setzen auf deren Steuerung.

Wieder andere Ökonomen heben hervor, dass die Inflationsrate nicht richtig gemessen wird und vor allem die steigenden Preise bei Vermögenswerten – insbesondere Immobilien – in die Inflationsmessung einbezogen werden müssten. Und dann gibt es noch diejenigen, die der Globalisierung und Deglobalisierung und der Demografie eine wichtige Rolle zumessen.

Jede dieser Inflationstheorien hat in der Vergangenheit funktioniert, aber eben nicht immer. Das gilt auch für eine Theorie, die in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Einfluss verloren hat: den Monetarismus. Nach Vorstellungen des wirtschaftlichen Konzepts sorgt schon eine Ausweitung der Geldmenge durch eine expansive Finanzpolitik allein für Inflation. In modernen Theorien spielen die Erwartungen eine entscheidende Rolle.

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    Kritiker der Geldmengenlehre der Inflation betonen zu Recht, dass die Korrelation zwischen dem Wachstum der Geldmenge und der Inflationsrate in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen hat.

    Inflation: Renaissance des Monetarismus

    Dahinter stehen neben einem deutlichen Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes die Faktoren Globalisierung und Demografie und der Aspekt der deutlich gestiegenen Kreditvergabe zum Erwerb von Vermögenswerten. Die anderen Theorien waren einfach besser.

    Carbon Pricing: Mit einer CO2-Grenzabgabe droht Protektionismus Robert Recker/ Berlin

    Der Autor

    Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums beyond the obvious, Unternehmensberater und Autor. Jeden Sonntag geht auf www.think-bto.com sein Podcast online.

    2020 dürfte das Jahr gewesen sein, in dem der Monetarismus zu einer Renaissance ansetzte. Wer auf die Entwicklung der breiten Geldmengen achtete, konnte sehen, dass die Inflation kräftiger und nachhaltiger zurückkehren würde.

    In der Spitze wuchs die Geldmenge M2 in den USA mit einer Jahresrate von 27,5 Prozent. M2 beinhaltet das umlaufende Bargeld und die täglich fälligen Einlagen bei den Geschäftsbanken (M1) sowie Termineinlagen und Spareinlagen.

    In der Euro-Zone war das M2-Wachstum mit 11,5 Prozent deutlich niedriger, aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie in den Jahren davor. Dieses Geld fachte die Nachfrage an, was in Kombination mit den Problemen auf der Angebotsseite zwangsläufig zu höherer Inflation führen musste.

    Wie geht es nun weiter? Seit Jahresanfang 2022 sind die Raten des Geldmengenwachstums deutlich gesunken. Das spricht dafür, dass die Inflationsraten schon bald ihren Höhepunkt erreichen und wir zu normalen Werten zurückkehren werden.

    Natürlich gibt es wie bei jeder Prognose Risiken. Es kann länger dauern, bis der Geldüberhang abgebaut ist, es drohen weitere Angebotsschocks. Letztere dürften aber eher die Konjunktur gefährden, als dass sie der Inflation einen weiteren Schub geben.

    Die Notenbanken, die die Grundlage für die Inflation gelegt haben, laufen Gefahr, eine Wirtschaft weiter zu bremsen, die sich ohnehin bereits im Abschwung befindet.

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