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17.05.2022

12:00

Gastkommentar – Homo oeconomicus

Homeoffice macht produktiver – und kann trotzdem der Karriere schaden

Studien haben gezeigt, dass Beschäftigte im Homeoffice oft mehr leisten, aber bei Beförderungen benachteiligt werden. Matthias Sutter mahnt Unternehmen gegenzusteuern.

Beschäftigte, die mehr im Homeoffice arbeiteten, wurden mit geringerer Wahrscheinlichkeit befördert. dpa

Homeoffice

Beschäftigte, die mehr im Homeoffice arbeiteten, wurden mit geringerer Wahrscheinlichkeit befördert.

Wenn mehr Menschen vom Homeoffice aus arbeiten, dann senkt das die Infektionszahlen. Das haben Jean-Victor Alipour, Harald Fadinger und Jan Schymik mit einer 2021 im „Journal of Public Economics“ veröffentlichten Studie für Deutschland nachgewiesen, zum Gefallen vieler Gesundheitsminister.

Die drei Ökonomen haben gezeigt, dass dieser Zusammenhang insbesondere zu Beginn der Pandemie zutraf und sich danach allmählich abschwächte. Gleichzeitig – und da wird es für die Wirtschafts- und Sozialminister spannend – reduzierte mehr Homeoffice den Anteil an Kurzarbeit. In Regionen, in denen mehr Arbeitstätigkeiten von zu Hause aus verrichtet werden konnten, meldeten die Unternehmen weniger Kurzarbeit an.

Aus epidemiologischer und makroökonomischer Sicht hatte Homeoffice also erwünschte Effekte. Bleibt die Frage, ob die Unternehmen selbst und vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über das Arbeiten im Homeoffice auch so glücklich waren.

Studien von Natalia Emanuel und Emma Harrington über amerikanische Onlineeinzelhändler während der Pandemie oder von Nick Bloom und Co-Autoren über ein chinesisches Onlinereisebüro vor der Pandemie zeigen, dass die Arbeitsproduktivität beim Übergang zum Homeoffice im Schnitt um fünf bis zehn Prozent steigt.

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    Das liegt vor allem daran, dass zu Hause weniger Pausen gemacht werden. Und es mag auch daran liegen, dass man im Homeoffice nicht den Eindruck hinterlassen möchte, auf der „faulen Haut“ zu liegen.

    Aus den Augen, aus dem Sinn?

    Aus Sicht der Unternehmen scheint also der weitverbreitete Glaube, dass man die Leute ins Büro zwingen muss, damit sie ordentlich arbeiten, eher eine Illusion als die Realität abzubilden. Solche Einsichten werden mit Sicherheit für die Gestaltung der Arbeitswelt nach der Pandemie – Stichwort Recht auf Homeoffice – bedeutsam werden.

    Eine Herausforderung dafür stellt aber ein Effekt dar, der in beiden genannten Studien festgestellt wurde: Beschäftigte, die mehr im Homeoffice arbeiteten, wurden mit geringerer Wahrscheinlichkeit befördert. Ist Homeoffice also ein Karrierekiller?

    Die Daten legen nahe, dass „Aus den Augen, aus dem Sinn“ auch fürs Homeoffice gelten könnte. Aus diesem Grund wollten in der Studie von Nick Bloom fast alle Personen am Ende einer Evaluierungsperiode wieder zurück in ihre Unternehmensbüros.

    Wenn aber in Zukunft Homeoffice einen wesentlichen Bestandteil unserer Arbeitswelt ausmachen wird – und vieles spricht dafür –, dann werden sich Unternehmen Gedanken machen müssen, wie sie das Arbeiten von zu Hause aus so gut evaluieren können, dass Menschen im Homeoffice die gleichen Karrierechancen haben wie diejenigen, die vollständig im Unternehmensbüro arbeiten.

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