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08.01.2021

13:42

Homo oeconomicus

Die EU-Anleihen sind ein Zukunftsmodell für Europa

Von: Philipp Heimberger

Die EU begibt Anleihen und gibt das Geld an die Staaten weiter. Das sollte Modell für die Bewältigung gemeinsamer Probleme wie Klimawandel und Digitalisierung sein.

Philipp Heimberger ist Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

Der Autor

Philipp Heimberger ist Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

In den letzten Monaten des Jahres 2020 begab die EU ihre ersten Covid-bezogenen Anleihen. Das von der EU-Kommission auf den Finanzmärkten aufgenommene Geld dient der Finanzierung des Sure-Programms, das im April als Teil eines europäischen Maßnahmenpakets beschlossen worden war.

Die Mittel aus den EU-Anleihen werden an die Mitgliedstaaten weitergegeben; sie dienen dazu, die Regierungen zu unterstützen, um Arbeitnehmer während der Pandemie in Arbeit zu halten. Dass die EU angesichts gewaltiger Arbeitsmarktprobleme Kurzarbeitsprogramme unterstützt, ist ein wichtiger Beitrag zur Krisenbewältigung.

Bei der Erstemission im Oktober platzierte die EU-Kommission Anleihen mit einem Volumen von 17 Milliarden Euro zu einer Verzinsung von -0,26 Prozent. Die Anleger bezahlen der EU also Geld dafür, ihr Kredit geben zu dürfen. Die Nachfrage nach den EU-Anleihen überstieg das Angebot um mehr als das 13-Fache.

Gut so! Denn das war erst der Auftakt: Das Wiederaufbauinstrument „Next Generation EU“ kommt in den Jahren 2021 bis 2023 zum Einsatz und dient der Finanzierung von Investitions- und Reformprojekten. Es wird dazu beitragen, dass die EU-Mitgliedstaaten nach Corona ökonomisch nicht noch weiter auseinanderdriften.

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    Investoren suchen nach „sicheren Häfen“

    Zur Finanzierung wird die Europäische Kommission im Namen der EU bis zu 750 Milliarden Euro auf den Finanzmärkten aufnehmen – und damit zu einem der wichtigsten Spieler auf Europas Anleihemärkten aufsteigen.

    Next Generation EU“ soll den Mitgliedstaaten 390 Milliarden Euro über Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen, und 360 Milliarden Euro über Kredite zur Verfügung stellen. Zum ersten Mal borgt sich die EU Geld in einem solch großen Volumen von den Finanzmärkten. Die massive Nachfrage nach den ersten Covid-bezogenen EU-Anleihen zeigt: Investoren suchen nach „sicheren Häfen“. Mit der EU als Schuldnerin sind sie bereit, negative Zinsen in Kauf zu nehmen.

    Dies demonstriert das immense Potenzial von Anleihen, welche die EU im Namen aller Mitgliedstaaten begibt. Das sollte auch für zukünftige EU-Investitionsprogramme zur Bewältigung von Zukunftsproblemen wie Klimawandel und Digitalisierung genutzt werden.

    Wie viel Geld die EU für das Aufbauinstrument an den Finanzmärkten exakt aufnehmen wird, bleibt offen: Es ist nicht klar, ob alle Länder vollständig die verfügbaren „Next Generation EU“-Kredite, die sie zurückzahlen müssen, nutzen werden.

    Die Regierungen in Madrid und Rom würden gern die an die EU-Kredite geknüpften Bedingungen vermeiden. Das liegt an den negativen Erfahrungen des Südens mit den Sparbedingungen der Troika aus Zeiten der Euro-Krise.

    In der EZB gab es Ende des vergangenen Jahres Diskussionen, ob die Anleihekäufe der Zentralbank für jene Länder reduziert werden sollten, welche die verfügbaren EU-Kredite aus „Next Generation EU“ nicht ausschöpfen. Das wäre jedoch ein gefährliches Spiel, das die EZB unterlassen sollte: Es würde zu Spekulation und Turbulenzen an den Finanzmärkten führen, die Europa jetzt gar nicht brauchen kann.

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