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17.06.2022

16:59

Homo Oeconomicus

Konflikt mit China: Nur Freihandel bewahrt den Frieden

Von: Daniel Stelter

Eine wettbewerbsfähige westliche Freihandelszone könnte in der Konkurrenz mit China bestehen – auch bei weiterhin engen Wirtschaftskontakten, analysiert Daniel Stelter.

Die Rivalität zwischen den USA und China bestimmt die Geopolitik im 21. Jahrhundert. dpa

Hafen Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong

Die Rivalität zwischen den USA und China bestimmt die Geopolitik im 21. Jahrhundert.

Der Handelsexperte und Nobelpreisträger Paul Krugman schrieb zu Russlands Krieg gegen die Ukraine: „Unter den westlichen Eliten gibt es seit Langem die Überzeugung, dass Handel gut für den Frieden ist und umgekehrt.“ Das stimme aber nur manchmal.

Denn die wirtschaftliche Integration könne autoritäre Herrscher zum Machtmissbrauch verleiten. Diese könnten annehmen, dass Demokratien mit starken finanziellen Interessen an dieser Integration bei schlechtem Verhalten einfach wegschauten, anstatt entschlossen zu reagieren.

Krugmans Forderung lautet daher: „Wir müssen ihnen das Gegenteil beweisen.“ Die Politik scheint gewillt, dem zu folgen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, dass Freiheit wichtiger sei als Freihandel. Hermesbürgschaften für Unternehmen, die in China agieren, werden nicht mehr genehmigt.

Doch die These vom Handel, der die Kriegswahrscheinlichkeit senkt, ist keineswegs durch den Krieg in der Ukraine widerlegt. Der Handel zwischen der Ukraine und Russland hatte in den Jahren vor Kriegsbeginn für beide Seiten deutlich an Bedeutung verloren. 2020 gingen weniger als zwei Prozent der russischen Exporte in die Ukraine und weniger als sechs Prozent der ukrainischen Exporte nach Russland, aber über 30 Prozent in die EU.

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    Direkte Nachbarstaaten, die wenig miteinander handeln, führen eher Krieg gegeneinander. Nur Weltmächte führen Krieg gegen Länder, mit denen sie keine gemeinsame Grenze haben.

    Carbon Pricing: Mit einer CO2-Grenzabgabe droht Protektionismus Robert Recker/ Berlin

    Der Autor

    Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums beyond the obvious, Unternehmensberater und Autor. Jeden Sonntag geht auf www.think-bto.com sein Podcast online.

    Was uns zum Konflikt des Jahrhunderts führt: der Rivalität zwischen den USA und China. Die USA sehen China als strategische Herausforderung und sind – wie der ganze Westen – enttäuscht, dass der eindrucksvolle Aufschwung des Landes und die Integration Chinas in den Weltmarkt nicht zu politischem Wandel geführt hat.

    Beide Seiten dringen nun auf wechselseitige Entflechtung: Abzug der Produktion, Begrenzung des technologischen Austauschs, Einschränkung des Wettbewerbs. Mit Blick auf den Weltfrieden ist das keine gute Nachricht.

    Doch die Antikriegsstrategie kann ganz im Gegensatz dazu nur darin liegen, den Freihandel zu stärken. Der westliche Block muss zu einer Freihandelszone werden. Die EU, Großbritannien, die USA und Kanada mit ihren über eine Milliarde Einwohnern werden gemeinsam noch auf Jahrzehnte vor China liegen.

    Zudem muss diese westliche Freihandelszone ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern: Qualität von Bildung und Infrastruktur, Sicherung kostengünstiger und sicherer Energieversorgung, Sanierung der Sozialsysteme. Dann kann der Westen im Handel mit China auf Augenhöhe bleiben und durch ökonomische Verflechtung den Preis eines Krieges für beide Seiten hoch halten.

    Je fragmentierter der Westen ist und je mehr er technologisch in Rückstand gerät, desto größer ist das Risiko eines Krieges. Es ist höchste Zeit für die westliche Freihandelszone.

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