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20.07.2022

19:00

Halbleiter, Chip Klawe Rzeczy

Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Asia Techonomics

China und Indien werden zu den wichtigsten Regionen für Datenzentren

Von: Nicole Bastian

Asien wird zum Kernmarkt für neu gebaute Rechenzentren. Die nötige Energie dafür bereitzustellen, wird aber zur Herausforderung für den Kontinent.

In der Covid-Pandemie haben Investitionen in neue Rechenzentren weltweit geboomt. Die wachsenden Datenmengen für Streaming, E-Commerce und Computerspiele mussten irgendwo verarbeitet und gespeichert werden.

Bisher sind die USA die mit Abstand wichtigste Region für diese Datenzentren, aber das dürfte sich nun ändern. Asien rückt in den Fokus. China und Indien werden in den kommenden zwei Jahren weltweit die beiden wichtigsten Zielländer für den Bau neuer, gigantischer Serverfarmen sein. Das zumindest legt eine Umfrage der Kanzlei DLA Piper unter den großen Investoren weltweit nahe. Unter anderem steigt die Nachfrage nach Datendiensten in Asien rasch.

Es geht um Milliarden an Investitionen. Allein im vergangenen Jahr gaben Firmen für den Bau von Rechenzentren fast 54 Milliarden US-Dollar aus. Und die Investitionssummen, die unter anderem die internationalen Cloudanbieter Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google sowie Alibaba und Tencent stemmen, steigen weiter.

Aber sind die Zentren, die immens viel Energie benötigen, wirklich so attraktiv für die Region? Ja, die Investitionsstandorte profitieren vom Grundstücksverkauf und von der Schaffung von Arbeitsplätzen, auch wenn Datenzentren weniger arbeitsintensiv sind als andere Investitionen. Gleichzeitig fließt aber der Internationalen Energieagentur zufolge rund ein Prozent des weltweiten Energieverbrauchs in die Datenverarbeitung – die Hochleistungsserver müssen betrieben und vor allem gekühlt werden.

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    In Singapur, dem bisher wichtigsten Standort in Asien für solche Zentren, fließen bereits mehr als fünf Prozent des Energiekonsums in die Rechenzentren. Der Stadtstaat hatte 2019 deshalb den Bau neuer Standorte verboten.

    Singapur zieht Moratorium zurück

    Singapur hat schon einiges ausprobiert, um die Energie für die Serverparks bereitzustellen: So wird getestet, ob nicht genutztes Kühlwasser eines Flüssiggasterminals nicht auch gleich ein dort angesiedeltes Rechenzentrum versorgen kann. Auch Datenzentren auf See und schwimmende Solarfarmen werden ausprobiert.

    Die Rechenzentren in der Stadt sollen effizienter werden. imago images/NurPhoto

    Singapur

    Die Rechenzentren in der Stadt sollen effizienter werden.

    Anfang des Jahres hob die Regierung das Verbot neuer Zentren wieder auf. Mit der Bedingung, dass die Zentren energieeffizient genug sind. Tokio, Sydney und Seoul hatten dem Stadtstaat zuvor den Rang als Investitionsziel für Rechenzentren abgelaufen.

    Für Investoren in Rechenzentren werden Energiesicherheit und vertretbare Energiekosten künftig für deren Ansiedlung entscheidend sein. Die Stromausfälle in China und Indien im vergangenen Jahr haben ihnen gezeigt, dass eine stabile Energieverfügbarkeit wichtig und eben nicht immer selbstverständlich ist. Und mit den Verwerfungen auf dem Energiemarkt nach dem russischen Krieg in der Ukraine ist es kaum verwunderlich, dass Europa als Standort global an Attraktivität verliert.

    Auch innerhalb Asiens dürften sich die Zentren vor allem dort ansiedeln, wo Energie günstig zu haben ist. In China etwa sollen die erneuerbaren Energien im Westen des Landes dazu genutzt werden, dort in Rechenzentren die Datenmenge zu verarbeiten, die die in den östlichen Küstenstädten angesiedelte Internetbranche braucht. So sieht es der Dreijahresplan des Industrieministeriums vor.

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    Dabei hat China ebenso wie Singapur ein Mindestmaß an Energieeffizienz für künftige Rechenzentren formuliert. Denn das Ziel, dass China von 2030 an seine Kohlendioxidemissionen stetig senken will, sollen die Ansiedlungen nicht konterkarieren.

    Als künftige Standorte der Datenverarbeitung preisen sich derzeit Indien und Indonesien an und werben damit, genügend grüne Energie günstig für den Betrieb der Rechenzentren bereitstellen zu können. In Indonesien hat unter anderem die chinesische Datenmanagementfirma GDS 10.000 Quadratmeter Land erworben, um nahe der Grenze zu Singapur zwei Rechenzentren zu bauen. Das Unternehmen folgt damit seinen chinesischen Kunden, die nach Südostasien expandieren.

    In Indien hat die Regierung die Rechenzentren offiziell als „kritische Infrastruktur“ eingestuft, was für die langfristige Kreditaufnahme bei einer solchen Investition Vorteile bringt. Auch sollen Sonderwirtschaftszonen speziell für die Zentren deren Ansiedlung erleichtern. Den Investoren werden Energiesubventionen geboten. Jetzt muss nur noch die Energieinfrastruktur mithalten.

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