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09.11.2022

16:48

Halbleiter, Chip Klawe Rzeczy

Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Asia Techonomics

China will in Deutschland Chipfirmen kaufen – das steckt dahinter

Von: Dana Heide

Seit Jahren investiert Peking Milliarden in eine eigene Halbleiterindustrie, was zu Fortschritten der Branche geführt hat. Doch der Bedarf ist längst nicht gedeckt – und der Gegenwind stark.

In Deutschland ist eine Debatte um Übernahmen deutscher Unternehmen in der Halbleiterbranche durch chinesische Investoren entbrannt. Am Mittwoch untersagte das Bundeswirtschaftsministerium zwei beantragte Verkäufe nach China.

Die Fälle zeigen: Die Volksrepublik will ihre Kapazitäten in dem wichtigen Sektor unbedingt ausbauen – und geht dafür weltweit auf Einkaufstour.

Die Versuche der Übernahme europäischer Chipproduktionen durch chinesische Unternehmen beschäftigen nicht nur die Bundesregierung, sondern auch Großbritannien. Dort wird derzeit über den Verkauf der größten britischen Chipfabrik Newport Wafer Fab nach China diskutiert.

Bereits vor rund einem Jahr hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es von der chinesischen Nexperia übernommen wurde. Seitdem wird der Deal auf Grundlage des neuen britischen Gesetzes über nationale Sicherheit und Investitionen geprüft. Im Oktober verzögerte sich die Entscheidung bereits zum dritten Mal.

Der Bedarf Chinas an Halbleitern ist riesig – kein anderes Land der Welt kauft so viele Chips. Die Volksrepublik belegt diesen ersten Platz seit 2005. Dementsprechend priorisiert die chinesische Staatsführung schon seit Jahren ein Vorankommen der heimischen Branche.

Chinas Ziel ist trotz starken Wachstums weit entfernt

Bereits in seiner im Jahr 2015 veröffentlichten „Made in China 2025“-Strategie hatte Peking das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2025 bei „Schlüsselmaterialien“ autark zu sein. Darunter fällt auch die Chipindustrie. 70 Prozent des Halbleiterbedarfs wollte China bis dahin durch heimische Hersteller decken – dabei ließ das Land offen, ob damit auch ausländische Hersteller mit einer Produktion innerhalb Chinas gemeint sind.

Chinas Chipindustrie hat in den vergangenen Jahren stark aufgeholt, an das ausgewiesene Ziel wird sie jedoch nicht herankommen. Laut Analysefirma Daxue Consulting verzeichnete die chinesische Halbleiterindustrie im Jahr 2021 einen rasanten Anstieg ihrer Umsätze, je nach Bereich zwischen 20 und mehr als 30 Prozent Wachstum.

In der Volksrepublik produzierte Chips machten laut dem Marktforscher IC Insights im Jahr 2021 16,7 Prozent des chinesischen Gesamtmarkts für Halbleiter aus – zehn Jahre zuvor waren es noch 12,7 Prozent. Die Analysten prognostizieren, dass dieser Teil von 2021 bis 2026 um 4,5 Prozentpunkte auf 21,2 Prozent steigen wird. Das ist viel, aber noch keine Autarkie.

Grund für den rasanten Ausbau der Fertigungskapazitäten im Land ist, dass der chinesische Staat in den vergangenen Jahren massiv in den Sektor investiert hat, hinzu kamen enorme Summen privaten Kapitals. Allein der „Große Fund“, wie das größte staatliche Investmentprogramm genannt wird, bescherte der Branche bis Mitte 2021 39 Milliarden US-Dollar.

Sanktionen könnten weiter lähmen

Die massive finanzielle Unterstützung führte zu Fortschritten, aber auch zu großen Fehlallokationen. So entstanden Scheinfirmen, die zwar mit großen Summen unterstützt wurden, sich aber schnell als leere Hüllen herausstellten.

Besonders im Bereich der Fertigung und der Entwicklung liegt Chinas Halbleiterbranche im internationalen Vergleich teilweise noch weit hinten. Die chinesische Industrie sei im Segment Montage, Prüfung und Verpackung der Halbleiter-Wertschöpfungskette dagegen stärker als in den anderen Bereichen, schreibt das Analysehaus Gavekal.

Massiven Gegenwind bekommt Chinas Halbleiterindustrie aus den USA. Im Oktober hatte das US-Handelsministerium neue Exportsanktionen veröffentlicht, die auf den Sektor abzielen. Diese Sanktionen stellten „eine ernsthafte Bedrohung“ dar, heißt es in einer aktuellen Analyse des Analysehauses Gavekal.

Treten sie vollständig in Kraft, so heißt es darin, werden sie Chinas Fähigkeit zur Entwicklung und Herstellung von Chips lähmen, die es für fortschrittliche Rechenzentren und Supercomputer benötigt.

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