Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

03.08.2022

17:21

Asia Techonomics

Korruptionsaffäre gefährdet Chinas Chip-Hoffnungen

Von: Sabine Gusbeth

Die chinesische Staatsführung will mit Milliardeninvestitionen die Abhängigkeit von taiwanesischen Hightech-Halbleitern verringern. Nun erschüttert eine Korruptionsaffäre das Prestigeprojekt.

Halbleiter, Chip Klawe Rzeczy

Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Die Eskalation um den Taiwanbesuch von Nancy Pelosi verdeutlicht die strategische Bedeutung Taiwans für die rivalisierenden Großmächte USA und China einmal mehr. Ein wichtiger Grund dafür: Die ganze Welt hängt von Hightech-Halbleitern made in Taiwan ab. Dieser Schutzschild aus Silizium ist die wichtigste Überlebensgarantie für die Insel, die von China als abtrünnige Provinz gesehen wird.

Denn auch die Volksrepublik ist auf die Chips des Technologie- und Weltmarktführers TSMC aus Taiwan angewiesen, um ihre technologische Aufholjagd fortzusetzen. Ohne die Hightech-Halbleiter funktioniert kein Smartphone und kein selbstfahrendes Auto. 

Mit aller Macht und sehr viel Geld versucht China seit Langem, diese Abhängigkeit zu reduzieren und eine heimische Chipindustrie auf Weltniveau aufzubauen. Schon 2015 hat die Staatsführung das Ziel ausgegeben, bis 2025 – mithilfe staatlicher Subventionen von umgerechnet rund 1,4 Billionen Dollar – 70 Prozent der benötigten Halbleiter lokal herzustellen. 

Infolge der US-Sanktionen, die chinesische Tech-Konzerne wie Huawei, Hikvision, Semiconductor Manufacturing International (SMIC) oder ZTE von Halbleitern mit US-Know-how abschneiden, hat China die Anstrengungen noch einmal verstärkt. So soll eine weitere Billion Dollar in den kommenden fünf Jahren für Forschung, Entwicklung und Herstellung von heimischen Halbleitern bereitgestellt werden. Das sieht der 14. Fünfjahresplan vor, den der Volkskongress im März 2021 verabschiedet hatte.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Staatsführung will den technologischen Rückstand aufholen und die Abhängigkeit von westlicher Chiptechnologie überwinden – koste es, was es wolle. Finanziert wird die Aufholjagd maßgeblich durch den nationalen Chipfonds, den China Integrated Circuit Industry Investment Fund. Der Fonds förderte unter anderem den führenden chinesischen Chiphersteller SMIC.

    Korruptionsverdacht gegen Manager und Minister

    Doch nun erschüttert ein Korruptionsskandal die wichtige Finanzierungsquelle der chinesischen Chipindustrie. Am Wochenende bestätigte die oberste Antikorruptionsbehörde CCDI Ermittlungen gegen Ding Wenwu, den ehemaligen Vorsitzenden des Fonds, wegen des Verdachts auf „schwerwiegende Verstöße gegen Disziplin und Gesetze“ – eine Formulierung, die normalerweise als Synonym für Korruption verwendet wird. Zwei Wochen zuvor war bereits der ehemalige Geschäftsführer des Fonds, Lu Jun, ins Visier der Ermittler geraten.

    Ebenfalls unter Korruptionsverdacht steht Zhao Weiguo, bis vor Kurzem Vorsitzender der Tsinghua Unigroup. Auch der einstige Hoffnungsträger der chinesischen Halbleiterindustrie wurde vom Chipfonds finanziell unterstützt.

    Zhao, ein früherer Immobilienmagnat, versuchte sogar, den amerikanischen Memorychip-Hersteller Micron zu kaufen. Doch Missmanagement und verfehlte Firmenstrategie führten das Unternehmen in den Bankrott. Mithilfe staatlicher Investoren wurde das Unternehmen inzwischen restrukturiert. Doch von der Hoffnung, einen nationalen Chip-Champion zu schaffen, blieb nur wenig.

    Damit nicht genug: Auch gegen den Minister für Industrie und Informationstechnologie (MIIT), Xiao Yaqing, hat die Korruptionsbehörde in der vergangenen Woche eine Untersuchung angeordnet. Dem Ministerium kam von staatlicher Seite eine Schlüsselrolle zur Umsetzung des Masterplans für den Aufbau einer Chipindustrie von Weltrang zu.

    Auch wenn es keine Beweise oder offiziellen Verlautbarungen über eine Verbindung zwischen den Fällen gibt, ist die Gleichzeitigkeit der Ermittlungen doch auffällig. Sie deuten darauf hin, dass die Staatsführung Zweifel daran hat, dass die Milliarden, die sie zur Aufholjagd in der Chipindustrie zur Verfügung gestellt hat, sinnvoll eingesetzt wurden.

    Das Ziel einer größeren Autarkie in der Halbleiterproduktion ist jedenfalls – aller Anstrengungen zum Trotz – in weiter Ferne. Die aktuellen Ermittlungen könnten deshalb erst der Anfang einer Neuordnung der chinesischen Chipindustrie sein. 

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×