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04.05.2022

11:15

Asia Techonomics

ln Afghanistan zeigt sich der Nutzen von Kryptowährungen

Von: Mathias Peer

Warren Buffetts jüngste Ablehnung der Coins stützt die Kritik, dass Krypto im Grunde nutzlos sei. Doch ein Beispiel zeigt, dass der Bitcoin auch ein sicherer Hafen sein kann.

Bitcoin Reuters

„Use your Bitcoin“

Der Aufruf, seine Kryptowährung einem Nutzen zuzuführen, während einer Veranstaltung in Miami. Realwirtschaftliche Anwendungen außerhalb der Anlagespekulation sind für die Kryptowährungen noch selten.

Bangkok Investmentlegende Warren Buffett kann mit Kryptowährungen nichts anfangen. Selbst wenn man ihm alle Bitcoin der Welt für 25 Dollar verkaufen würde, hätte er daran kein Interesse, sagte der Berkshire-Hathaway-Chef am Wochenende in Omaha bei der Hauptversammlung seines Konzerns: „Was sollte ich damit tun?“ Der einzige Wert der Coins liege in der Hoffnung, einen Käufer zu finden, der mehr für sie biete.

Anders als beim Handel mit Unternehmen, Unternehmensanteilen, Rohstoffen und vielen anderen Assetklassen ist bei Kryptowährungen eine längere Antwort auf die Frage fällig, welchen Gegenwert eine Transaktion denn bietet. Und Buffett, der 91 Jahre alte Multimilliardär, trifft damit bei den meist viele Jahrzehnte jüngeren Krypto-Influencern einen wunden Punkt.

13 Jahre nach dem Schürfen des ersten Bitcoins bleibt der gesellschaftliche Nutzen der Zukunftstechnologie fraglich. Das Einkaufen mit Kryptowährungen setzt sich nicht einmal in einem Land wie El Salvador durch, das Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel führt.

Als Wertaufbewahrungsmittel eignet sich die Digitalwährung angesichts enormer Schwankungen kaum. Im Regelfall bleiben pure Spekulationsgeschäfte – oder die Möglichkeit, dubiose und illegale Transaktionen zu verschleiern.

Buffetts Fundamentalkritik übersieht jedoch einen Krypto-Anwendungsfall, der das Leben der einbezogenen Menschen tatsächlich besser macht. Zu beobachten ist das in Afghanistan. Auslöser der Entwicklung sind die seit einem Jahr erneut herrschenden Taliban.

Seit die Extremisten mit Gewalt die Macht in Kabul übernommen haben, ist das Interesse der afghanischen Bevölkerung an Digitalwährungen stark angestiegen. Die radikalen Islamisten haben das Land politisch und wirtschaftlich in die Isolation getrieben. Kryptotransaktionen wurden zumindest für einen Teil der Bevölkerung zum beinahe unverzichtbaren Hilfsmittel.

Safran gegen Bitcoin

Dahinter steht der weitgehende Zusammenbruch des regulären Finanzsystems. Durch den Ausschluss aus dem internationalen Zahlungssystem Swift sind Überweisungen aus dem Ausland zu afghanischen Banken so gut wie unmöglich. Rund sieben Milliarden Dollar an Zentralbankreserven wurden von den USA eingefroren. Das hat die Zahlungsströme innerhalb des Landes versiegen lassen und macht es den Einwohnern schwer, an das Geld auf ihren Konten zu kommen.

In einer solchen Situation werden Digitalwährungen zu einer volkswirtschaftlichen Stütze: Ein Safranexporteur aus Kabul, der in die USA, Großbritannien, Kanada und Australien liefert, wird nach eigenen Angaben inzwischen zu 90 Prozent in Bitcoin bezahlt. Der lokale Broker Maihan Crypto hilft Geschäftsleuten, die sich vor einer Beschlagnahme durch die Taliban fürchten, ihre Bargeldrücklagen auf Kryptokonten zu transferieren. Und Studentinnen erhalten von ausländischen Hilfsorganisationen Digitalwährungen als regelmäßige Unterstützung zugeschickt. An Krypto-Wechselstuben werden Coins in die Lokalwährung getauscht.

Der Marktforscher Chainalysis listet Afghanistan in seinem „Global Crypto Adoption Index“ unter den Top 20 – unter Berücksichtigung des Transaktionsvolumens im Verhältnis zur Pro-Kopf-Kaufkraft. In der Mehrheitsgesellschaft angekommen ist Krypto aber dennoch nicht, nur ein Bruchteil der Einwohner hat überhaupt Zugang zum Internet.

Wer mit Digitalwährungen handeln kann, muss beim Umtausch in lokale Währungen hohe Gebühren in Kauf nehmen. Attraktiv sind Bitcoin und andere Kryptowährungen vor allem, weil sich angesichts der Finanzsanktionen und des Verlusts des Vertrauens in die Banken so gut wie keine Alternativen bieten.

Eine Extremsituation, in der womöglich auch Warren Buffett die Möglichkeit nutzen würde, einen Teil seines Vermögens per Kryptohilfe in Sicherheit zu bringen. Zu hoffen ist jedoch, dass die Bedingungen, unter denen Digitalwährungen tatsächlich einen großen Nutzen entfalten – internationale Isolation, ein Finanzkollaps und staatliche Willkür –, möglichst vielen Menschen noch lange erspart bleiben. Und den Afghanen kann man nur wünschen, dass sie sich bald auch wieder auf ihr Bankwesen verlassen können.

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