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17.06.2022

10:57

Asia Techonomics

Satelliten für das selbstfahrende Auto: Asiatische Autohersteller drängen ins All

Von: Dana Heide

Der chinesische Autoriese Geely macht es wie Elon Musk und schickt eigene Satelliten ins All. Sie sollen beim autonomen Fahren helfen.

Halbleiter, Chip Klawe Rzeczy

Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Peking Als mir vor ein paar Jahren ein Mitarbeiter des chinesischen Autobauers Geely davon erzählte, dass das Unternehmen eigene Satelliten ins All schießen will, musste ich zugegebenermaßen noch einmal nachfragen. Ein Autohersteller, der in die Raumfahrt geht? Das kannte man sonst nur von Tesla-Chef Elon Musk. Ein paar Jahre später war es in diesem Monat dann so weit: Geelys Tochterunternehmen Geespace schoss erfolgreich neun Satelliten in die niedrige Erdumlaufbahn.

Die Flugkörper mit dem Namen GeeSAT-1 hat der chinesische Autobauer selbst entwickelt und gebaut. Bis 2025 will das Unternehmen, zu dem auch die Marke Volvo gehört, weitere 63 Satelliten in den Orbit schießen.

Geely hat große Pläne: Am Ende soll ein Netzwerk von insgesamt 240 Satelliten entstehen und Geelys autonomen Fahrzeugen bei der Navigation helfen. Die Satelliten würden eine „zentimetergenaue, präzise Positionierung und Konnektivitätsunterstützung für die Nutzung durch die Automobilmarken im Portfolio der Geely Holding“ bieten, heißt es von dem Unternehmen. So solle ein „echtes, sicheres autonomes Fahren“ ermöglicht werden.

Der chinesische Autobauer ist nicht der erste, der sein eigenes Raumfahrtprogramm aufgelegt hat. Tesla-Chef Musk startete bereits vor mehreren Jahren die Unternehmen SpaceX und Starlink.

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    SpaceX baut Raumfahrzeuge, mit denen Satelliten ins All geschossen werden, Starlink verbindet die Satelliten zu einem Netzwerk. Am Ende soll ein Netz aus Tausenden Satelliten entstehen, mit dem auch autonom operierende Fahrzeuge gekoppelt werden.

    Auch der japanische Autohersteller Honda hat im vergangenen Jahr angekündigt, in das Geschäft mit dem Launch kleiner Satelliten einzusteigen. Bis zum Jahr 2030 soll die erste Testrakete starten.

    Auf der einen Seite hilft die Entwicklung eigener Raketen den Unternehmen dabei, ihre autonom fahrenden Autos zu verbessern. Auf der anderen Seite versprechen sie sich davon auch ein eigenes Geschäftsfeld.

    Ein traditioneller Autobauer wie Honda kann beim Bau und der Entwicklung von Raketenantrieben auf seine Erfahrung mit Verbrennungsmotoren zurückgreifen. „Technologien für Raketenverbrennung und -steuerung sowie niedrigere Kosten sind bereits in den Händen der Automobilhersteller“, sagt Honda-Chef Toshihiro Mibe. „Wir werden nur den Bereich ändern, in dem die Technologien angewendet werden.“

    Im Vergleich zu anderen Ländern hat sich die private Raumfahrt in China erst relativ spät entwickelt. Den Startschuss gab das Dokument Nummer 60 des chinesischen Staatsrats, mit dem die chinesische Staatsführung erstmals Unternehmen aufforderte, privates Kapital zur Beteiligung am Aufbau der nationalen zivilen Raumfahrtinfrastruktur zu investieren.

    Ab 2015 entwickelte sich in der Folge ein regelrechter Boom um die private Raumfahrt. Inzwischen gibt es mehrere Hundert chinesische Unternehmen, die sich in der Branche rund um die kommerzielle Raumfahrt tummeln, darunter OK Space, das im Jahr 2014 gegründet wurde und als einer der ersten chinesischen Firmen in dem Bereich gilt. Weitere sind iSpace, Galactic Energy und Landspace.

    Die chinesische Analysefirma iiMedia Research schätzt, dass der heimische Markt für kommerzielle Luft- und Raumfahrt im Jahr 2022 voraussichtlich 1,5 Billionen Yuan (rund 210 Milliarden Euro) übersteigen wird – Tendenz: stark steigend.

    In der Kolumne Asia Techonomics schreiben Nicole Bastian, Dana Heide, Sabine Gusbeth, Martin Kölling und Mathias Peer im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in der dynamischsten Region der Welt.

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