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21.07.2021

10:21

Kolumne – Asia Techonomics

So wurde Shenzhen zur Stadt der Elektrotaxis

Von: Dana Heide

In der südchinesischen Metropole fahren 22.000 Stromtaxis und 16.000 E-Busse. Und auch andere Städte Chinas setzen auf E-Mobilität. Doch die Sache hat einen Haken.

Halbleiter, Chip Klawe Rzeczy

Asia Techonomics

In der wöchentlichen Kolumne schreiben wir im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Herr Fu ist zufrieden. Seit rund 15 Jahren arbeitet er schon als Taxifahrer in Shenzhen, seit ein paar Jahren fährt er statt eines Verbrenners ein Elektroauto. So wie Hunderte seiner Kollegen in der Stadt mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern im Süden Chinas.

„Es ist bequemer, mit einem Elektroauto zu fahren“, erklärt er, während er das Auto durch den dichten Verkehr lenkt. Das Wichtigste für ihn ist aber, dass es billiger ist. „Für 300 Kilometer muss ich nur Strom im Wert von 30 Yuan laden“, sagt Fu, „Aber wenn ich Benzin tanke, sind es 180 Yuan.“

Shenzhen hat bereits vor mehr als zehn Jahren in einer großen Initiative begonnen, die Elektromobilität zu fördern – als eine der ersten Städte Chinas. Inzwischen fahren fast alle Taxis mit Strom. Man erkennt sie an der blauen Farbe, im Stadtverkehr sind sie nicht zu übersehen.

Zudem hat Shenzhen mithilfe üppiger Subventionen auch die öffentlichen Busse seit dem Jahr 2017 komplett auf Elektroantrieb umgestellt und war damit laut Experten die erste Stadt der Welt. Insgesamt fahren rund 16.000 E-Busse und 22.000 E-Taxis in der Stadt. China gilt inzwischen als größter Markt für elektrisch angetriebene Busse.

Die Initiative in Shenzhen diente gleichzeitig als Förderprogramm für den chinesischen Hersteller BYD („Build Your Dreams“), der in der südchinesischen Stadt seinen Hauptsitz hat und von dem riesigen Auftrag nebenbei einen ordentlichen Schub für sein Geschäft bekommen hat.

Die Metropole hatte als eine der ersten Städte Chinas in einer großen Initiative begonnen, die Elektromobilität zu fördern. LightRocket/Getty Images

Elektrotaxis in Shenzhen

Die Metropole hatte als eine der ersten Städte Chinas in einer großen Initiative begonnen, die Elektromobilität zu fördern.

Inzwischen ist das Unternehmen Weltmarktführer auf dem Gebiet der Elektromobilität und hat laut eigenen Angaben allein mehr als 65.000 rein elektrisch angetriebene Busse weltweit exportiert. Auch die Deutsche Bahn hat Anfang des Jahres Busse bei dem Hersteller bestellt.

Schnellerer Zugang zum Nummernschild bei E-Autos

Shenzhen hebt sich durch den Fokus auf die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs sehr von anderen Metropolen in der Volksrepublik ab. Wer am Bahnhof in der Metropole auf ein Taxi wartet, steht nicht wie in Peking im Abgasmuff in einem Parkhaus in der Schlange. In Shenzhen warten ausschließlich Fahrer von Elektroautos auf Gäste. Und während in Peking noch Dieselbusse die Luft verpesten und so laut sind, dass man sein eigenes Wort nicht versteht, wenn man neben ihnen steht, können die Shenzhener deutlich bessere Luft atmen als die Bewohner von Chinas Hauptstadt.

Auch in anderen Städten Chinas werden Elektroautos gefördert, insbesondere im privaten Bereich. Zum einen gibt es Subventionen für den Kauf von strombetriebenen Fahrzeugen. Wer sich zudem etwa in Schanghai für ein elektrisch angetriebenes Auto entscheidet, kommt deutlich schneller an ein begehrtes Nummernschild. Bei benzinbetriebenen Pkw muss man hingegen zuweilen mehrere Jahre auf ein Nummernschild warten. Hinzu kommt der Kostenfaktor: Strom ist in China sehr billig, was nicht nur für Taxifahrer ein schlagkräftiges Argument dafür ist, sich für einen elektrischen Antrieb zu entscheiden.

Die Sache hat allerdings einen entscheiden Haken: Die Luft in den Städten mag zwar dank der Elektroautos besser sein. Doch für den Betrieb der Batterien wird ganz normaler Strom verwendet – und der stammt in China zum allergrößten Teil aus Kohlekraftwerken, genauer gesagt um die 60 Prozent. Der Anteil von erneuerbaren Energien am Strommix ist verschwindend gering.

Wie fatal diese Art der Energieerzeugung die Luft verschmutzt, kann man regelmäßig beobachten, wenn man mit dem Zug in China unterwegs ist. Über Hunderte Kilometer legt sich dann stunden- und tagelang ein grauer Nebelschleier über die Landschaft und die Städte. Das Atmen fällt schwer, man muss husten, die Augen brennen. Dann helfen nur starke Luftfilter und Atemschutzmasken – doch die Millionen Menschen, die draußen körperlich schwer arbeiten müssen, etwa auf dem Feld oder Baustellen, tragen meistens keine Maske. Und viele können sich auch für ihre Wohnung keine Luftfilter leisten.

Dass sich an dem Strommix in der Volksrepublik schnell etwas ändert, ist trotz des Klimaschutz-Versprechens von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zumindest kurzfristig unwahrscheinlich. Im Jahr 2020 wurden so viele neue Kohlekraftwerke in China genehmigt wie zuletzt 2015.

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