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20.02.2019

20:33

Expertenrat – Klaus Hansen

Warum Dax-Konzerne so häufig auf ehemalige Berater setzen

Von: Klaus Hansen

Ob Oliver Bäte, Theodor Weimer oder Markus Braun: Jeder fünfte Vorstandschef eines Dax-Konzerns arbeitete früher als Berater. Was sie als Manager auszeichnet.

Der Manager arbeitete von 14 Jahre für McKinsey, bevor er 2008 in den Vorstand des Versicherungskonzerns wechselte. AP

Allianz-Chef Oliver Bäte

Der Manager arbeitete von 14 Jahre für McKinsey, bevor er 2008 in den Vorstand des Versicherungskonzerns wechselte.

Oliver Bäte, Theodor Weimer, Frank Appel und Markus Braun haben eines gemeinsam: Die Chefs von Allianz, Deutsche Börse, Deutsche Post und Wirecard haben den Grundstein für ihre Karriere in einer namhaften Managementberatung gelegt.

Sie sind damit nicht allein: Aktuell hat jeder fünfte Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns früher bei McKinsey, Boston Consulting, KPMG oder einem anderen großen Beratungsunternehmen gearbeitet, zeigt unser aktueller Dax-Vorstands-Report.

Die Arbeit in einer renommierten Managementberatung qualifiziert also im überproportionalen Maße für Spitzenjobs in der Wirtschaft. Das liegt zum einen an der überaus strengen Selektion, die die Top-Berater bei der Mitarbeiterauswahl vornehmen. Überdurchschnittliche Noten im Studium sind hier weiterhin das entscheidende Kriterium, um überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Im intensiven Einstellungsprozess wird dann weniger das Allgemeinwissen geprüft als vielmehr die Fähigkeit, mit komplexen Aufgabenstellungen umgehen zu können.

Zielsichere Urteile unter Zeitdruck

Denn in der obersten Führungsetage kommt es nicht mehr auf Detailwissen an, sondern darauf, sehr schnell Entscheidungen zu teilweise hochkomplizierten Fragestellungen treffen zu können. Vorherige Trainings – ob nur in der Theorie oder im Praxisalltag von Unternehmen – sorgen für das nötige Erfahrungswissen und verhelfen später zu zielsicheren Urteilen.

Neben dieser Schlüsselkompetenz qualifiziert für die weitere Karriere der praktizierte Anspruch von Managementberatungen, unter hohem Zeitdruck erstklassige Ergebnisse zu liefern. Das gelingt nur denjenigen, die Prioritäten setzen können, sinnvoll delegieren und die sogenannte „Extrameile gehen“, also auch bereit sind, Überstunden zu machen.

Ein weiterer Vorteil der Managementberater: Sie verfügen in der Regel über ein enorm hohes Branchenwissen, das sich aus der Mitarbeit in diversen Industrieprojekten weltweit speist. Statt nur detailliert ein Unternehmen zu kennen, können sie in der Zeit ihrer Vorstandstätigkeit aus einem großen Reservoir von Best-Practice-Beispielen schöpfen.

Allerdings scheint so manchem Berater ein ausreichendes Maß an sozialer Kompetenz für die operative Arbeit in den vielschichtigen und komplexen Strukturen der Konzerne zu fehlen. Zumindest beklagen Führungskräfte und Mitarbeiter immer wieder einen kühlen Umgang des neuen Vorstandsmitglieds mit seinem Umfeld.

Zu oft konzentrieren sich die ehemaligen Berater in ihrem neuen Job offenbar auf das nüchterne Zahlenwerk und begreifen den Mitarbeiter nur als Mittel zum Zweck. Eine verheerende Ansicht, zumal heutzutage Wertschätzung und Motivation Standardrüstzeug eines jeden Managers sein sollten.

Wer als Managementberater also mit einem Einstieg in einen Konzern liebäugelt, sollte das nötige Fingerspitzengefühl mitbringen. In jedem Fall ist eine vorsichtige Annäherung ratsam, schließlich hat jedes Unternehmen eine andere Kultur.

Statt, wie häufig praktiziert, von einem auf den anderen Tag aus dem Beraterjob in den Vorstand eines Konzerns zu wechseln, sollten Interessierte zwei Ebenen unterhalb des Vorstands einsteigen. So können sie sich zum einen durch anspruchsvolle Aufgaben für höhere Weihen beweisen. Zum anderen haben sie Zeit, sich an die völlig neue Unternehmenskultur zu gewöhnen – ohne Gefahr zu laufen, im Fall von Fehltritten gleich aus dem Rennen für den Chefposten zu sein.

Dabei eignen sich sowohl operative Leitungsstellen als auch Strategiejobs für den Einstieg. Führungspositionen mit klarer Umsatzverantwortung, größerem Mitarbeiterstamm, hohem Gestaltungsspielraum und inhaltlichen Herausforderungen bieten hier die Chance, sein Managementtalent in einem zunächst noch überschaubaren Rahmen unter Beweis stellen zu können. Wer sich dort bewährt, kann sich der notwendigen Aufmerksamkeit des Vorstands sicher sein.

Viele heutige Dax-Konzernchefs, die ursprünglich aus einer Beratung kommen, haben genau in einer solchen Art von Restrukturierungs- oder Übernahmeaufgabe reüssiert.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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