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18.04.2019

10:55

Expertenrat – Klaus Hansen

Warum Gründer „bad guys“ sein sollten

Von: Klaus Hansen

Egoistisch, dünnhäutig, herrisch: Firmengründer fallen oft durch negatives Verhalten auf. Wer aber zum Unternehmer reifen will, braucht andere Fähigkeiten.

Schlechte Umgangsformen, aber bessere Quartalszahlen. E+/Getty Images

Bad Guy?

Schlechte Umgangsformen, aber bessere Quartalszahlen.

Ob Drogerieunternehmer Dirk Roßmann, Optiker Günther Fielmann oder die Start-up-Liebhaber Marc, Oliver und Alexander Samwer: Firmengründer verbindet ein hohes Maß an Hartnäckigkeit, mit dem sie ihre Ziele verfolgen. Geradezu besessen sind Unternehmer von ihrer Idee, die im Idealfall bahnbrechend ist, zumindest aber gute Gewinne in einem Nischensegment verspricht.
Wem es an der notwendigen Passion mangelt, fliegt schon bei der ersten Hürde aus der Kurve. Und diese Hürden wachsen scheinbar urplötzlich aus dem Nichts – zum Beispiel in Form von widerspenstigen Kreditgebern, pingeligen Behörden oder abrupt ausscheidenden Gründungsmitgliedern.

Und das nicht nur hierzulande, wo das Gründertum als Wurzel des Wirtschaftswunders in den vergangenen 40 Jahren immer mehr verloren gegangen ist und erst mit der Digitalisierung wieder aufblüht wie ein Stiefmütterchen im April. Erschwert wird die Situation für einen Gründer dadurch, dass er permanent 100.000 Dinge im Kopf behalten muss, die ihn eigentlich gar nicht interessieren, weil sie von der Sache ablenken.

Weil sich aber ein Gründer, möchte er erfolgreich sein, auf das Wesentliche, also seine Firma konzentriert, schwindet folgerichtig die Aufmerksamkeit für Familie, Freunde und Bekannte. Die vertraute Umgebung muss deshalb viel Geduld aufbringen, um hier noch ihren Anteil am Leben des Gründers zu erhalten.

Damit aber nicht genug. Regelmäßig zu beobachten ist, dass Gründern im Zuge ihrer Karriere eine Fähigkeit abgeht: fair, freundlich und mit guten Manieren am Geschäftsverkehr teilzunehmen.

Expertenrat – Tijen Onaran : Gründen muss in Deutschland zum Normalfall werden

Expertenrat – Tijen Onaran

Gründen muss in Deutschland zum Normalfall werden

Immer wieder werden Start-up-Hauptstädte ausgerufen. So ein Titel mag zwar schön sein, zielt aber am Problem vorbei: Unternehmertum muss zum Normalfall werden.

Dieser quasi unbewusst ablaufende Persönlichkeitswandel macht sich in einem wachsenden Maß an Egoismus, Herrschsüchtigkeit, Aggressivität und Dünnhäutigkeit bemerkbar. Die Grundlage dafür ist, dass sich der Gründer oft als Mittelpunkt der Erde empfindet.

Weil die Umgebung ihm aber scheinbar unbotmäßig Empfehlungen gibt, die dieser als Hineinreden abqualifiziert, überdies zunehmend genervt ist, etwa von der Streiterei mit Behörden, entwickeln sich negative Charaktereigenschaften. Was aus zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Sicht so inakzeptabel ist wie eine Rotlichtfahrt im Straßenverkehr, gehört für den Gründer zwingend dazu, um in der Startphase erfolgreich zu sein. Will der Gründer auf halbem Wege nicht verzagen, braucht es diese Wandlung in einen „bad guy“.

Wer nun aber mit dem gleichen Maß an Egozentrik auch die Konsolidierungsphase seiner Firma bestreiten will, dem droht ein schnelles Scheitern. Unabdingbar ist es jetzt, sich mit Personen zu umgeben, die Verantwortung übernehmen und die eigenen Defizite umfangreich wettmachen.

Den wenigsten großen Unternehmern sagt man nach, einfache Persönlichkeiten gewesen zu sein. Aber sie haben es im richtigen Moment verstanden, sich auf das zu fokussieren, was sie am besten können: das Erfinden, Vorantreiben und Entwickeln von Strategien – also Dinge, bei denen die menschlichen Defizite zunächst einmal nicht so im Vordergrund stehen.

Faktisch finden sich aber viele Gründer in Deutschland, die noch im hohen Alter vom Beirat aus den eigentlichen Chefs ins Tagesgeschäft hineinfunken, weil sie sich für unersetzlich halten. Die wichtigste Eigenschaft eines Gründers nach seiner Kreativität, ein Unternehmen wegen seiner eigenen Idee zu schaffen, ist die Fähigkeit, im richtigen Moment loszulassen.

Darin unterscheiden sich Langzeit-Gründer von veritablen Unternehmern. Ob das auf die eingangs genannten Unternehmer zutrifft, möge jeder selbst entscheiden.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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