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20.03.2019

17:47

Expertenrat – Klaus Hansen

Wie Interimsmanager Firmen bei schwierigen Problemen helfen

Von: Klaus Hansen

Immer häufiger werden kurzfristig externe Manager gerufen, wenn Veränderungen in Unternehmen anstehen. Für die anspruchsvollen Jobs ist nicht nur Erfahrung vonnöten.

Interim-Manager können Unternehmen objektiv einschätzen und entsprechend handeln. Imago

Blick von außen

Interim-Manager können Unternehmen objektiv einschätzen und entsprechend handeln.

Zuhören, sich einen Überblick verschaffen, Vertrauen aufbauen – und dann erste Entscheidungen treffen: Wenn Interimsmanager in einem Unternehmen ihren Job antreten, dann ist die Erwartungshaltung groß, die Unruhe in der Belegschaft zumeist auch. Denn die externen Manager kommen oft zu einem Zeitpunkt ins Unternehmen, an dem große Veränderungen anstehen, etwa die Implementierung eines Programmes zur Ergebnisverbesserung oder die Digitalisierung bestimmter Prozesse.

Weil sich die Komplexität von Unternehmensprozessen immer weiter erhöht und die Rahmenbedingungen der jeweiligen Branchen sich mitunter rapide ändern, steigt auch die Nachfrage nach ganz spezifischer Managementkompetenz stetig. Die notwendige Expertise können die Unternehmen oft gar nicht so schnell intern aufbauen, wie die Herausforderungen entstehen.

Zusätzlich wird die Nachfrage nach Interimsmanagern durch die steigende Wechselhäufigkeit von Führungskräften befeuert: Stellen werden heute schneller und kurzfristiger vakant als etwa vor zehn Jahren. Doch Unternehmen können sich angesichts des harten Wettbewerbsdrucks nicht erlauben, diese Stellen lange unbesetzt zu lassen.

Eigenständiges Berufsbild

Aufgrund dieser Gemengelage hat sich im vergangenen Jahrzehnt mit dem Interimsmanager ein eigenständiges Berufsbild entwickelt, das eine ernsthafte Karriereoption für Spitzenmanager darstellt. Die Experten sind zumeist über 50 Jahre und bringen daher profunde Erfahrung in der operativen Führung von Unternehmen verschiedenster Branchen mit.

Um die herausfordernden Aufgaben zu bewältigen, braucht dieser Managertyp aber nicht nur eine hohe fachliche Expertise und Branchenkenntnisse, sondern auch ein gerüttelt Maß an Kommunikationsstärke sowie ein tragfähiges Netzwerk, das ihn bei Bedarf unterstützen kann.

Nach kurzer Einarbeitungszeit greift der externe Manager mit ersten Maßnahmen ins operative Tagesgeschäft ein, übernimmt Verantwortung, setzt erste Zeichen. Gewohnt, sich flugs in eine neue Umgebung einzuarbeiten, führt er die einzelnen Schritte, die zur Lösung der Aufgabe notwendig sind, konsequent aus.

Von außen kommend hat der Interimsmanager eine neutrale Sicht auf die Dinge, kann ohne entstandene Beziehungen die mitunter schmerzhaften Transformationsprozesse durchführen. Dennoch muss er bestehende Interessengemeinschaften verstehen und potenzielle Zielkonflikte lösen.

Wer nun denkt, dass jede Führungskraft diese spezielle Aufgabe übernehmen kann, irrt gewaltig. Auch ist es zumeist keine sinnvolle Option, die Zeit für einen nächsten festen Job mit Interimsmanagement zu überbrücken. Tatsache ist, dass die wesentlichen Elemente eines erfolgreichen Interimsmanagements und eines regulären Managerjobs in Festanstellung keine große Schnittmenge aufweisen.

Manager, die auf längere Sicht in einem Unternehmen etwas bewegen wollen und dies als wichtige Etappe in ihrer Karriere ansehen, agieren anderes als ein Interimsmanager. Zumindest am Anfang zeigen sie sich von ihrer „Schokoladenseite“, versuchen sich im Weiteren unentbehrlich zu machen, agieren diplomatisch, um bei keiner wichtigen Interessensgruppe im Unternehmen anzuecken.

Das ist eine Vorgehensweise, die der eines Interimsmanagers zuwiderläuft. Er wird dafür bezahlt, Ergebnisse zu erzielen und eingefahrene Routinen zu hinterfragen.

Interimsmandat als Chance

Trotzdem kann es für manche Manager, die eine Festanstellung suchen, sinnvoll sein, Interimsmandate anzunehmen. Bekommt der Manager ein Angebot, das nahezu deckungsgleich mit seiner fachlichen und persönlichen Kompetenz ist, sollte er dies auf jeden Fall in Betracht ziehen – trägt der Kurzzeitjob doch auch zur Horizonterweiterung bei.

Vor Augen führen sollte sich der Kandidat jedoch nur: Ein Interimsmandat ist nur dann erfolgreich zu lösen, wenn jegliche Befindlichkeiten keine Rolle spielen und nur objektive Kriterien relevant sind. Das macht es auch sehr schwierig, aus einer bestehenden Beziehung zu einem Unternehmer heraus ein solches Mandat anzunehmen. Die Gefahr, dass dieses Projekt scheitert, ist hoch.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.


 

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Schenk

21.03.2019, 18:51 Uhr

Hallo.

Ich finde Ihren Artikel im Grundsatz hervorragend.
Leider nur im Grundsatz, den das Ende mit "Arbeitsplatz suchende sollten auch Mandate annehmen um den Horizont zu erweitern", implizierte genau das Gegenteil von "Manager, die auf längere Sicht in einem Unternehmen etwas bewegen wollen und dies als wichtige Etappe in ihrer Karriere ansehen, agieren anderes als ein Interimsmanager".
Ich bin seit 14 Jahren Interim Manager und habe mit einer grösseren Anzahl "bezahlten Arbeitsplatz suchenden" zu tun gehabt.
Meine Meinung dazu: Sie Schaden dem Image des Interim Management da sie vom ersten Tag an nicht die Professionalität bringen welche von uns erwartet und von "ECHTEN" Interim Managern auch erbracht wird.
"Ich komme um gehen" ist mein Ansatz und nicht "Ich komme um zu bleiben"
Grüße
Wolfgang

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