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11.10.2018

17:47 Uhr

Expertenrat – Tijen Onaran

Vier Tipps für gutes Netzwerken

VonTijen Onaran

Netzwerken ist im digitalen Zeitalter wichtiger denn je. Doch es reicht nicht, bloß Visitenkarten zu sammeln und Kontakte in Berufsportalen anzuhäufen.

Die Digitalisierung vereinfacht die Kontaktaufnahme – doch ein persönliches Treffen ist nach wie vor unabdingbar. Imago

Immer verbunden

Die Digitalisierung vereinfacht die Kontaktaufnahme – doch ein persönliches Treffen ist nach wie vor unabdingbar.

Wenn es um Fähigkeiten und Kompetenzen geht, die in der neuen Arbeitswelt relevant sind oder noch sein werden, werden in der Regel Disziplinen wie Programmieren oder die MINT-Fächer genannt. Netzwerken als Kernkompetenz für das digitale Zeitalter bleibt meistens außen vor. Dabei sind Networking-Skills in einer Zeit, in der die Halbwertszeit von Fachwissen sich drastisch verringert und in der Unternehmen und ganze Branchen durch disruptive Technologien massiven Veränderungen unterworfen sind, essenziell.

Dass dem Netzwerken so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, hat unterschiedliche Gründe. Der schlechte Ruf von Treffen in rauchigen Hinterzimmern mag ebenso dazu beigetragen haben wie die Tatsache, dass wir in der Schule nie lernen, wie man gute Beziehungen aufbaut und pflegt.

Dieses Phänomen ist keineswegs ein isoliertes, sondern zieht sich quer durch die ganze Gesellschaft. Herminia Ibarra, Professorin an der London Business School, urteilt sogar, dass die meisten Manager schlechte Netzwerker sind. Mit den folgenden vier Tipps lässt sich das jedoch schnell ändern.

Sichtbarkeit ist das A und O

Die schlechte Nachricht zuerst: Er reicht nicht aus, sich bei allen möglichen digitalen Netzwerken anzumelden und seine Kontaktlisten mit allen möglichen Menschen zu füllen, die man mehr oder weniger gut kennt. Allerdings sind die digitalen Netzwerke ein guter Startpunkt. Das eigentlich Wichtige ist, selbst sichtbar zu werden. Das bedeutet, sich bewusst zu werden, für welche Themen man steht und mit welchen man als Expertin oder Experte wahrgenommen werden möchte.

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Hier bieten die sozialen und beruflichen Netzwerke eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die man auch unbedingt nutzen sollte. Dazu genügt es beispielsweise, einen kurzen Artikel zum eigenen Fachthema zu schreiben, Posts von anderen zu liken oder zu teilen und vor allem mit anderen ins Gespräch zu kommen über das, was einen beschäftigt.

All das gelingt am besten, wenn man sich selbst mit einem bestimmten Thema positioniert hat. Damit bietet man anderen Anknüpfungspunkte, um Kontakt aufzunehmen. Daher lautet der erste Tipp: Werde sichtbar!

Weg vom Hierarchiedenken

Ich halte Hierarchien für eine der größten Hürden beim Netzwerken. Ich erlebe immer wieder, dass die Stellung eines Menschen als wichtiger wahrgenommen wird als das, was er zu sagen hat. Wenn über dem Namen auf der Visitenkarte nicht mindestens eine Senior-Position steht, wird einer Begegnung schon eine geringere Bedeutung beigemessen.

Netzwerken lebt aber vom Austausch und der Kommunikation. Dabei spielt die Position keine große Rolle. Vielmehr sind es gerade die geschlossenen Netzwerke, die exklusiv auf einen bestimmten Personenkreis zugeschnitten sind, die für den eingangs erwähnten schlechten Ruf des Netzwerkens verantwortlich sind.

In Netzwerken, die offen und auf Diversität ausgerichtet sind, entstehen meiner Erfahrung nach die spannenderen Diskussionen und Begegnungen. Darum lautet der zweite Tipp: Inhalte gehen vor Position.

Qualität statt Quantität

Die digitalen Netzwerke sind ohne Zweifel ein wahrer Segen, wenn es ums Netzwerken geht. Allerdings müssen die Prioritäten richtig gesetzt werden. 1.000 neue Kontakte bedeuten nicht 1.000-mal so gutes und nachhaltiges Netzwerken. Quantität zählt am Ende des Tages nichts, nur Qualität.

Das fängt mit der Form von Nachrichten an. „Ihr Profil spricht mich an, ich würde mich gerne mit Ihnen vernetzen“ – Nachrichten wie diese sollten weder verschickt werden, noch sollten sie dazu führen, dass so die Kontaktlisten aufgefüllt werden.

Beim Netzwerken geht es – auch im digitalen Zeitalter – um die Chemie zwischen den Menschen, die sich schließlich gegenseitig unterstützen wollen. Dazu sollte man sein Gegenüber kennen und wissen, was man sich von einem Kontakt erwartet. Alles andere ist entweder Kopf-Kino oder in der Masse nicht auf einem qualitativ hohen Niveau zu machen.

Wenn man also wirklich an einer Person interessiert ist, sollte man sie persönlich anschreiben. Aber: keine Romane. Eine kurze persönliche Nachricht und ein Treffen bringen mehr als 1.000 neue Kontakte, über die man letztlich nichts weiß. Der dritte Tipp lautet darum: Nach den Inhalten selbst muss Qualität einen zentralen Stellenwert bekommen. Content is King – Quality is Queen!

Never lunch alone!

Neben dem digitalen Netzwerken dürfen analoge Formate und Treffen nicht aus den Augen verloren werden. Vielmehr sollte beides Hand in Hand gehen. Wenn sich digital ein Kontakt anbahnt, sollte man sich so schnell wie möglich auch im echten Leben treffen, um zu sehen, ob man auf der gleichen Wellenlänge ist.

Auch bei Netzwerk-Veranstaltungen und -Events sollte das Ziel sein, nicht nur seine Visitenkarten an den Mann und die Frau zu bringen, sondern mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Der vierte Tipp ist eine einfache Faustregel, die für mich selbst zu einer Institution geworden ist: Never lunch alone! Ein Mittagessen bietet eine ideale Gelegenheit, sich auszutauschen und persönlich kennenzulernen.

Netzwerken ist die neue Rente

Netzwerken braucht vor allem eines: Zeit und Aufmerksamkeit. Normalerweise denkt man erst dann an das eigene Netzwerk, wenn man gerade dessen Hilfe braucht. So funktionieren Netzwerke aber nicht. Sie brauchen regelmäßige Pflege und leben vom regelmäßigen Austausch und gegenseitiger Unterstützung.

Im digitalen Zeitalter ist Netzwerken die neue Rente und sollte darum mit der entsprechenden Aufmerksamkeit behandelt werden. Netzwerken sollte nicht der Notnagel für krisenhafte Situationen sein, in der dann alte Kontakte wieder reaktiviert werden. Die beste Nachricht zum Schluss: Netzwerken ist keine nervende Pflichtübung, sondern macht – richtig betrieben – sogar richtig Spaß.

Tijen Onaran ist Unternehmerin, Moderatorin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Unternehmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

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