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13.12.2021

11:00

Russland: Warum Wladimir Putin die EU mehr fürchtet als die Nato Klawe Rzeczy

Globale Trends

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter [email protected].

Kolumne – Globale Trends

Wie digitaler Nationalismus die Globalisierung bremst und die Weltwirtschaft spaltet

Von: Torsten Riecke

Die Pandemie konnte dem internationalen Güter- und Kapitalverkehr bislang wenig anhaben. Die größte Gefahr droht ausgerechnet den globalen Datenströmen – und sie kommt nicht vom Virus.

Selten hat ein Jahrestag so unterschiedliche Reaktionen ausgelöst wie der des Beitritts Chinas zur Welthandelsorganisation WTO vor 20 Jahren. WTO-Generaldirektorin Okonjo-Iweala sprach von einem „entscheidenden Ereignis in der Geschichte des multilateralen Handelssystems“. China sei „ein Musterbeispiel dafür, wie die Integration des Welthandels Wachstum und Entwicklung vorantreiben kann“.

Die wirtschaftliche Realität sieht anders aus: China könnte die digitale Globalisierung bremsen und damit die Weltwirtschaft spalten.

Für viele Industrieländer und insbesondere für die USA war Chinas WTO-Beitritt ohnehin ein „Schock“, dessen negative Auswirkungen auf Handelsbilanzen und Arbeitsmärkte sie bis heute noch nicht verdaut haben. Ein Blick auf den neuen „DHL Global Connectedness Index“ zeigt zudem, dass der WTO-Beitritt Chinas 2001 der Startschuss für die Hyperglobalisierung der Weltwirtschaft war: Innerhalb der ersten sechs Jahre schoss das Globalisierungsbarometer um mehr als 20 Punkte nach oben.

Seitdem hat sich das Tempo der Globalisierung zwar verlangsamt, aber es ging – unterbrochen von Rückschlägen wie der Finanzkrise – meist stetig aufwärts. Die Pandemie ist für die internationale Vernetzung der Weltwirtschaft jedoch der wohl bislang größte Härtetest: Grenzen wurden geschlossen, geopolitische Spannungen flammten auf, globale Lieferketten wurde gekappt oder umgeleitet, das Schreckgespenst von einem „Decoupling“ zwischen China und dem Westen machte die Runde.

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    Umso erstaunlicher ist das Ergebnis der DHL-Studie: „Mehr als eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie widerlegen die Daten eindeutig die anfänglichen Spekulationen, dass Covid-19 das Ende der Globalisierung bedeuten würde“, schreiben die vom Logistikkonzern beauftragten Forscher der New York University (NYU). Der Globalisierungsindex ist 2020 nur sehr geringfügig zurückgegangen und für 2021 sehen die Experten „deutliche Anzeichen für eine Erholung“. Von dem schon von vielen prophezeiten Ende der Globalisierung kann also keine Rede sein.

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    Die Erholung ist allerdings keineswegs eindeutig. Während der Trend im internationalen Güterhandel und Kapitalverkehr nach einem Knick wieder kräftig nach oben zeigt, gab es beim Personenverkehr den größten Einbruch. Und die Omikron-Mutante hat Hoffnungen auf eine nachhaltige Trendwende schon wieder zunichtegemacht.

    Datenverkehr kommt ins Stocken

    Rätsel gibt dagegen der globale Informationsfluss auf. Nach einem starken Anstieg zu Beginn der Pandemie ist das Wachstum der weltweiten Datenströme im Internet in diesem Jahr wieder spürbar zurückgegangen. Dabei hätte man eigentlich erwarten können, dass das Coronavirus wie ein Turbo den internationalen Datenverkehr dauerhaft beschleunigen würde. Ist die Erwartung vieler Ökonomen, dass sich die Globalisierung immer weiter digitalisieren werde, damit schon widerlegt?

    Die DHL-Daten zeigen, dass die globalen Internetplattformen gar nicht so global sind, wie viele glauben. Nur zwölf Prozent der Facebook-Freunde leben in unterschiedlichen Ländern. Und nur ein Viertel der Twitter-Anhänger folgt jemandem außerhalb der nationalen Grenzen. In der Geschäftswelt ist das Bild ähnlich: Zwar ist der Onlinehandel während der Pandemie kräftig gewachsen, der überwiegende Teil des E-Commerce mit Verbrauchern (B2C) findet jedoch innerhalb nationaler Grenzen statt.

    Gut möglich also, dass die Globalisierung ausgerechnet dort ihre Achillesferse hat, wo die wenigsten sie vermuten: bei der Digitalisierung. Im Vergleich zum Waren-, Kapital- und Personenverkehr sind die internationalen Datenflüsse eine weitaus größere Bedrohung für die politische Macht und Stabilität in den Empfängerländern.

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    Das gilt gerade für autoritäre Staaten wie China und Russland, die ihr Internet von politisch unerwünschten Informationen aus dem Ausland abschotten. Aber auch unterschiedliche Regulierungen sorgen dafür, dass aus dem World Wide Web längst ein Splinternet geworden ist, in dem der Datenverkehr immer wieder von nationalen Firewalls gebremst wird.

    Digitale Achillesferse der Globalisierung

    Für die Zukunft der Globalisierung verheißt das nichts Gutes. Die großen Wirtschaftsregionen der Welt bleiben zwar aufeinander angewiesen wie insbesondere die kräftige Erholung im internationalen Güter- und Kapitalverkehr zeigt. Je weiter die Digitalisierung der Weltwirtschaft jedoch voranschreitet, desto größer wird die Bedeutung digitaler Wertschöpfung. Und genau dort zeigen sich die größten Risse in der Globalisierung.

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