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04.08.2022

16:33

Kommentar

Fallende Aktienkurse: Die Hoffnungen auf ein Ende des Bärenmarkts trügen

Von: Ulf Sommer

Während die guten Nachrichten an der Börse derzeit ignoriert werden, lösen Hiobsbotschaften starke Kursverluste aus. Das macht wenig Hoffnung für die kommende Zeit.

Der Markt befindet sich in einer nachhaltigen Abwärtsbewegung, und es gibt wenig Hoffnung auf eine Wende an der Börse Kostas Koufogiorgos

Bärenmarkt

Der Markt befindet sich in einer nachhaltigen Abwärtsbewegung, und es gibt wenig Hoffnung auf eine Wende.

Auf eines ist in den turbulenten Börsenzeiten Verlass: Die Kurse fallen, sobald Unternehmen ihre Aktionäre vor geringeren Gewinnen als ursprünglich erwartet warnen. Das war fast immer so, auch in früheren, guten Börsenzeiten.

Überraschender ist, dass Anlegerinnen und Anleger positive Firmennachrichten, die es in den vergangenen Wochen zuhauf gab, etwa von BASF, einer Aktie, die zuletzt kräftig gelitten hatte, so gut wie gar nicht honorierten. Diese Konstellation verheißt für die kommenden Wochen nichts Gutes für die Aktienmärkte.

Konkret ließ sich zuletzt folgendes Muster an den Börsen erkennen: Am Tag der Gewinn- oder Umsatzwarnung ist der Aktienkurs des jeweiligen Unternehmens um durchschnittlich 6,5 Prozent gesunken, wie die Unternehmensberatung EY auf Basis von 160 deutschen börsennotierten Unternehmen berechnet hat. Bei einer heraufgesetzten Prognose hingegen stieg der Aktienkurs am Tag der Meldung lediglich um 1,9 Prozent.

Dieser Unterschied überrascht auf den ersten Blick. Schließlich sind die Voraussetzungen für herabgesetzte Unternehmensprognosen wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, der damit verbundenen Sanktionen und steigenden Energiepreise erwartbar. Die steigenden Leitzinsen kommen erschwerend hinzu, weil höhere Zinsen künftige Investitionen und Kreditkosten verteuern.

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    Umgekehrt sind die Bedingungen für steigende Firmenprognosen angesichts der sich weltweit verdüsternden Konjunkturaussichten schlecht. Dennoch fahren viele Unternehmen Rekordgewinne ein und heben sogar ihre Vorhersagen fürs Gesamtjahr an, darunter Mercedes, Linde, Symrise und RWE im Dax.

    Kurse reagieren kaum auf Positives

    Dass daraufhin die Kurse aber oftmals kaum reagieren, nährt den Verdacht, dass Aktien insgesamt immer noch teuer sind. Das zeigen die heftigen Reaktionen nach eigentlich fast erwartbaren Hiobsbotschaften. Die Börse hat sich offenbar mit der bevorstehenden Negativentwicklung der Realkonjunktur noch nicht abgefunden – die Nachrichten sind noch nicht eingepreist.

    Umgekehrt säen die Prognose-Anhebungen Zweifel daran, dass die Unternehmen tatsächlich bessere Ergebnisse, so wie jetzt vorhergesagt, abliefern werden. Solche Zweifel sind durchaus berechtigt, denn fast immer stehen die höheren Prognosen unter Vorbehalten, wie der Blick ins Detail zeigt.

    Sei es, wie jüngst bei BASF, dass Gas künftig nicht knapp werden darf. Sei es, worauf so gut wie alle Unternehmen hinweisen, dass die Weltkonjunktur nicht in eine Rezession abdriftet und der Krieg nicht eskaliert.

    All diese Voraussetzungen werden mit jedem Tag etwas unwahrscheinlicher angesichts der geopolitischen Entwicklung, der bevorstehenden kalten Jahreszeit und der drohenden Konjunktureintrübung.

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    Die Börsen sind offenbar immer noch dabei, einen tragfähigen Boden auszuloten. Abgeschlossen ist dieser Prozess wohl noch nicht. Deshalb sollten sich Anlegerinnen und Anleger auf noch niedrigere Kurse einstellen.

    Ob oder wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, weiß niemand. Doch es gibt Indizien, auf die Anleger achten sollten: Wenn Hiobsbotschaften keine nennenswerten Kursverluste mehr auslösen, weil offenbar längst jeder damit rechnet, ist der Boden für eine neue Hausse an der Börse bereitet.

    Das kann durchaus inmitten einer schweren Rezession sein. So wie zuletzt in den zwei Frühjahren 2003 und 2009. Beide Male begannen die Aktienkurse, weltweit zu steigen, trotz vieler schlechter Nachrichten von Unternehmen und aus der Gesamtwirtschaft.

    An diesem Punkt sind wir gegenwärtig aber noch nicht angelangt. Insofern spricht einiges für eine Fortsetzung der schwierigen Börsenzeiten.

    Erstpublikation: 03.08.2022, 12:00 Uhr

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