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16.11.2018

11:00

Analyse

Mit diesen vier Schritten gelingt die Digitalisierung Deutschlands

Von: Dana Heide

Die milliardenschwere KI-Strategie der Regierung ist ein erster Schritt. Wenn Deutschland ganz vorn dabei sein will, müssen weitere folgen.

Die Mittel der Politik beim Aufbau einer schlagkräftigen Digitalwirtschaft sind begrenzt. Deshalb müssen die Investoren mutiger sein. dpa

Roboter Pepper in einer Ausstellung zu Künstlicher Intelligenz

Die Mittel der Politik beim Aufbau einer schlagkräftigen Digitalwirtschaft sind begrenzt. Deshalb müssen die Investoren mutiger sein.

Bei einem Gespräch mit Journalisten ließen der auch für Digitales zuständige Bundeskanzleramtschef Helge Braun und Digitalstaatsministerin Dorothee Bär kürzlich ein dreiseitiges Papier verteilen. Das Kanzleramt wollte das Chaos lichten: Aufgelistet war, wer eigentlich was bei der Digitalisierung in der Bundeshauptstadt macht.

Dass die Regierung in den vergangenen Monaten ein Digitalgremium nach dem anderen ins Leben gerufen hat, ist im Berliner Politikbetrieb inzwischen Running Gag. Neben dem Duo Braun/Bär gibt es den Digitalrat, das Digitalkabinett, die Datenethik-Kommission, eine Enquetekommission zur Künstlichen Intelligenz, den IT-Planungsrat und den IT-Rat.

Die Bundesregierung meint es diesmal ernst mit der Digitalisierung. Das zeigt sich nicht nur bei den vielen Gremien, sondern auch darin, dass sie sich in dieser Woche zwei Tage Zeit für das Thema genommen hat und beschlossen hat, drei Milliarden Euro bis 2025 für die Förderung der Künstlichen Intelligenz auszugeben.

Auf den ersten Blick erscheint das im Vergleich zu den 128 Milliarden, die China bis 2020 in die KI investieren will, wie Peanuts. Man darf bei der Bewertung allerdings nicht vergessen: China mag zwar ein paar beeindruckende Firmen hervorgebracht haben, die mit ihrer schieren Größe neue Maßstäbe setzen.

In der Fläche fehlen dem Land aber die vielen Hundert kleinen und mittelständischen Hidden Champions, die Deutschland wirtschaftlich stark machen. Unternehmen, die es auf ihrem Gebiet zu einer Perfektion gebracht haben und wo Konkurrenten Jahre bräuchten, sie einzuholen. Unternehmen, die durch langjährige Geschäftsbeziehungen großes Vertrauen genießen.

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Die Große Koalition will mit einer neuen KI-Strategie der deutschen Wirtschaft zur Weltmarktführerschaft verhelfen. Das hat nicht nur wirtschaftliche Gründe.

Wenn sich diese Expertise nun mit Unterstützung der Politik noch stärker digital hochrüsten lässt, dann hat Deutschland gute Chancen, beim globalen Technologie-Wettrennen ganz weit vorn dabei zu sein. Denn es hat gerade erst begonnen.

Der Vergleich offenbart aber, dass ein Alleingang Deutschlands nicht zu empfehlen ist. China wird 2018 ein Bruttoinlandsprodukt von mehr als zehn Billionen Euro erwirtschaftet haben, die USA etwa das Doppelte. Deutschland ist da nur ein kleiner Spieler. Entscheidend ist der Blick auf Europa.

Welche Schritte jetzt nötig sind

Die Digitalstrategie und der darin enthaltene Plan zur Förderung von KI können daher nur der erste Schritt sein. Damit die Digitalisierung Deutschlands gelingt, sind jetzt weitere nötig:

  • Erstens: Europa muss beim Digitalen näher zusammenrücken. Neue Ideen umzusetzen gelingt immer am einfachsten auf dem Heimatmarkt. Deutsche Unternehmen haben einen Nachteil gegenüber chinesischen und amerikanischen Firmen – aber nur, solange weiterhin jedes Land seine eigenen Regeln aufstellt. Europa muss ein Markt werden – mit gemeinsamen Standards.
  • Zweitens: Europäische Unternehmen müssen leichter an Daten kommen können. Das heißt unter anderem, dass die Staaten endlich auch ihre eigenen Daten zur Verfügung stellen müssen, zum Beispiel Verkehrsdaten – selbstverständlich anonymisiert. Viele Geschäftsmodelle brauchen keine personalisierten Details, sondern ziehen sich einfach Metadaten. Hier sind aber auch wieder die Unternehmen gefragt. Wer in Zukunft über qualitativ hochwertige Datensätze verfügt, der wird einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben. Wer minderwertiges Benzin in seinen Tank füllt, wird nicht das Maximale aus seinem Auto rausholen. Ähnlich ist es mit Künstlicher Intelligenz.
    Es wird Zeit, dass Unternehmen dabei mutiger werden und ihre Daten teilen. Nicht mit jedem, aber mit denen, denen sie vertrauen können.
  • Drittens: Die Kunden müssen mitziehen – sowohl in der Wirtschaft als auch im Privaten. Dienste, die Künstliche Intelligenz nutzen wie der Übersetzungsservice DeepL, werden besser, indem man sie benutzt. Jeder Klick trainiert den lernenden Algorithmus. Fahrdienstleister werden größer, je mehr Menschen sie nutzen.
  • Viertens: Die Mittel der Politik beim Aufbau einer schlagkräftigen Digitalwirtschaft sind begrenzt. Deshalb müssen die Investoren mutiger sein. Es ist alarmierend, dass unter den Firmen mit den meisten Übernahmen im Bereich KI kein einziges deutsches Unternehmen ist. Die hiesige Technikszene schmerzt es immer noch, dass der Roboterhersteller Kuka nun in der Hand chinesischer Eigentümer ist.

Bei der Digitalisierung und erst recht bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz muss jetzt Fahrt aufgenommen werden. Die Erfahrung lehrt, dass es extrem schwer ist, Versäumnisse später aufzuholen.

Selbst große Firmen wie Google haben erfahren müssen, was es heißt, Anfangsfehler in Algorithmen zu machen. Bei seiner Bildersuche wurden einst dunkelhäutige Menschen angezeigt, wenn man in die Suchmaske „Gorilla“ eingab. Der Fehler war durch eine falsche Bezeichnung entstanden und konnte nur sehr aufwendig und erst nach Jahren behoben werden.

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