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27.03.2020

04:00

Debatte unter Handelsblatt-Lesern

Wie viel Stillstand erträgt die Wirtschaft?

Von: Thomas Tuma, Andreas Dörnfelder

Der aktuelle Shutdown ruft Kritiker auf den Plan. Debattiert wird, ob die Corona-Maßnahmen noch verhältnismäßig sind. Das Urteil der Handelsblatt-Leser ist geteilt.

Die Straßen in New York sind weitgehend leer. US-Präsident Donald Trump hat eine Debatte um die Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen angestoßen. dpa

Coronavirus - Börsen

Die Straßen in New York sind weitgehend leer. US-Präsident Donald Trump hat eine Debatte um die Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen angestoßen.

Düsseldorf Diese Woche geschah etwas Besonderes in den bisherigen Monaten jenes Ausnahmezustandes, der weltweit vom Kampf gegen die Corona-Pandemie dominiert wird. Nicht, dass ein Impfstoff entwickelt worden wäre, aber die Debatte um die richtige Strategie gegen das Virus begann sich zu verändern. Während bislang unisono befürwortet wurde, dass für die zu rettenden Menschenleben alle Opfer gebracht werden müssten, regte sich plötzlich erster Widerstand.

Steht die ökonomische Vollbremsung noch im richtigen Verhältnis zum Nutzen der Schutzmaßnahmen? Immerhin werden Grenzen geschlossen, Ausgangssperren verhängt und selbst Grundrechte eingeschränkt. Das Münchener Ifo-Institut hat errechnet, dass allein eine dreimonatige Teilschließung der deutschen Wirtschaft über 700 Milliarden Euro kosten könnte.

Damit stieß der Ex-Goldman-Sachs-Deutschland-Chef eine breite Debatte unter unseren Leserinnen und Lesern an, die von der „FAZ“ auf die ebenso griffige wie irreführende Formel gebracht wurde: „Geld oder Leben – die Corona-Moral“.

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    Dibelius war nicht der Einzige, der sich zu Wort meldete: Sein früherer Chef, Ex-Goldman-CEO Lloyd Blankfein, forderte, die weniger Gefährdeten bald wieder an die Arbeit gehen zu lassen. Auch Wirtschaft und Jobs seien nun mal wichtige Faktoren. US-Präsident Donald Trump twitterte, ein Medikament dürfe nicht gefährlicher als die Krankheit selbst werden. Seither wird hitzig debattiert.

    Der Investor Alexander Dibelius befand im Handelsblatt-Interview Anfang der Woche, dass der akute Absturz der Weltwirtschaft der weit größere Stresstest als das Virus sei. dpa

    Alexander Dibelius

    Der Investor Alexander Dibelius befand im Handelsblatt-Interview Anfang der Woche, dass der akute Absturz der Weltwirtschaft der weit größere Stresstest als das Virus sei.

    Wäre es nicht doch praktikabler, man würde die Risikogruppen isolieren und die anderen normal weiterarbeiten lassen, bis sogenannte „Herdenimmunität“ erreicht ist? Oder würde das bedeuten, Millionen von Senioren und Vorerkrankten mutwillig dem Virus auszusetzen? Wir haben hier einige der Stimmen aus dem Kreis der Handelsblatt-Leserinnen und -Leser zusammengestellt.

    Lesen Sie hier die Leserbriefe:

    Für Kleinunternehmer wird es zu spät sein
    Jeder Tote mehr ist schlimm, keine Frage. Allerdings dürfen wir auch nicht vergessen, dass es auch in den Jahren zuvor viele Tote durch andere Krankheiten gegeben hat und auch weiterhin geben wird. (…) Man kann nur hoffen, dass nach Beruhigung der Lage richtig analysiert wird und Konsequenzen gezogen werden. Für die meisten Kleinunternehmen wird das allerdings zu spät sein.
    Hanne D., via Facebook

    Die moralische Seite hat Vorrang
    Es ist in unserem demokratischen Staat unbenommen, eine konträre Meinung zu äußern. Meines Erachtens hat allerdings die moralische Seite in einem christlichen Land Vorrang, da muss auch die Stellung der BRD als Exportweltmeister vorübergehend zweitrangig sein. Deutschland hat sich auch nach den allergrößten Krisen (Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Lehman-Pleite) wie ein Phönix aus der Asche erhoben, also ist das Glas halb voll!
    Lothar P., via E-Mail

    Die Krise kann nicht weiter so gemanagt werden
    Wenn der wirtschaftliche Shutdown bis nach Juni gehen sollte, dann kann kein Land es verantworten, diese Krise weiter so zu managen. Es wird eher darauf hinauslaufen, dass man die paar Toten akzeptiert, um das Gemeinwohl zu retten. Somit wird die weitere Vorgehensweise davon abhängen, ob man den Ausbruch mit diesen harten Maßnahmen zeitnah in den Griff kriegt oder nicht. Wenn nicht, dann muss man zum Normalbetrieb zurückkehren, um die Wirtschaft, somit auch die Gesellschaft, vor weiteren Schäden zu retten.
    Min Z., via LinkedIn

    Eine noch größere Katastrophe ist möglich
    Eine Katastrophe bekämpfen ist wichtig, wird aber fragwürdig, wenn eine andere Katastrophe heraufbeschworen wird, die in der Dimension vielleicht noch größer wird.
    Winfried B., via E-Mail

    Rettungen und Milliarden nützen nichts
    Es ist doch wohl klar, dass gerettete Firmen und Milliarden nichts nützen, wenn die halbe Welt im Krankenhaus, ein Viertel in Quarantäne und ein Viertel in der Kiste liegt.
    Michael E., via LinkedIn

    Wie viel Verständnis hätten wir?
    Wie viel Verständnis hätten wir als Passagiere in einem Flugzeug mit zwei brennenden Triebwerken und der Pilot würde eine Diskussion mit den Passagieren, der Fluglinie, den Aktionären der Fluglinie und dem Kabinenpersonal darüber beginnen, was jetzt ein angemessener nächster Schritt wäre?
    Ralf N., via Facebook

    Die Politik betreibt planlosen Aktionismus
    Warum verordnet man für die Risikogruppe nicht Hausarrest und lässt alle anderen normal leben und arbeiten? Nachdem die Politik erst gar nicht und dann sehr zögerlich auf Corona reagiert hat, versucht sie jetzt mit großem, aber leider planlosem Aktionismus, den Anschein von Handlungsfähigkeit zu erwecken. Im Ergebnis rettet sie einige Ältere (zu denen ich auch gehöre) auf Kosten der Zukunft der Jüngeren.
    Ralph H., via E-Mail

    Die Prioritäten verschieben sich schnell
    Der Shutdown der Wirtschaft macht mir mehr Angst als das Virus? Ja, aber nur, solange man nicht mit Atemnot im Krankenhaus liegt. Da verschieben sich nämlich die Prioritäten ganz schnell.
    Klaus W., via Facebook

    Nicht nur Virologen dürfen zu Wort kommen
    Leider werden wir erst in einigen Jahren wissen, welcher Umgang mit dem Corona-Thema der richtige war. (…) Die weitere Diskussion um den sinnvollsten Weg muss von verschiedenen Seiten aus beleuchtet werden. Neben den Virologen müssen auch andere Fachrichtungen zu Wort kommen.
    Joachim H., via Facebook

    Arbeitgeber müssen ihre Hausaufgaben machen
    Deutschland lernt in dieser ersten Krise, und ich erhoffe mir ein weitaus professionelleres, konzertiertes Vorgehen bei der nächsten Krise. Bis dahin muss noch mancher Arbeitgeber seine Hausaufgaben machen, um ordentliches Arbeiten von daheim zu ermöglichen.
    Nele H., via E-Mail

    Entscheidungen werden zu wenig diskutiert
    Grundsätzlich haben wir ja schon seit Jahren keine Diskussionen mehr zu von Frau Merkel als „alternativlos“ deklarierten Themen wie Abschaltung der Kernenergie, Flüchtlinge etc. Ein grundsätzlicher Einwand, dass solche weitreichenden Entscheidungen zu wenig diskutiert werden, erscheint richtig.
    Harald P., via LinkedIn

    Es darf keine Bewertung der Meinungen stattfinden
    Wichtig ist, dass ein möglichst offener Diskurs geführt werden darf und nicht von vornherein eine Bewertung der Meinungen stattfindet in vermeintlich ethisch korrekte Aussagen auf der einen Seite und auf der anderen Seite vermeintlich utilitaristische Aussagen. Im Bereich dazwischen gibt es zahlreiche Grautöne.
    Thaddäus K., via E-Mail

    Die größere Angst erzeugt das Virus
    Mir als Ärztin macht das Virus mehr Angst als der Shutdown der Wirtschaft.
    Sanna B., via Facebook

    Die Politik hat zu spät auf die Krise reagiert
    Je später man auf eine sich exponentiell verbreitende Seuche reagiert, desto schwerere Eingriffe muss man in Kauf nehmen, um ihrer noch Herr zu werden. Unsere Regierung hatte bereits drei Monate Kenntnisse und Erfahrungen aus China, dem Iran, später Italien, Spanien etc. verschleppt und verzögert und vermeidet nun jedes Krisen(-präventions)-Management.
    Götz M., via LinkedIn

    Es kann nur eine richtige Entscheidung geben
    Im Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichem Schaden und Erhalt von Menschenleben (selbstverständlich unabhängig vom Alter der Betroffenen) darf es in einem demokratischen, humanen Staat nur eine Entscheidung geben. Dass diese Entscheidung unter Unsicherheit gefällt werden muss, liegt hier auf der Hand.
    Norbert M., via LinkedIn

    Man kann sich für Jüngere zurückhalten
    Sobald die Abflachung bei den Neuinfektionen erreicht wurde, muss die Wirtschaft einfach wieder anlaufen. Ich bin selbst 63 Jahre und habe überhaupt kein Problem damit, mich weiter zurückzuhalten, damit jüngere Arbeitnehmer nicht ihre Zukunft verlieren. Wem nützt es, wenn so viel Arbeitslosigkeit entsteht, weil Unternehmen wirtschaftlich nicht überleben?
    Thomas S., via E-Mail

    Nächstenliebe ist jetzt wichtiger als Geld
    Die meisten Menschen machen sich gerade Sorgen um die Menschen, die sie lieben. Geld liebt niemand.
    Sven H., via LinkedIn

    Was werden die EU-Staaten machen?
    Ich befürchte, dass das Krisenjahr 2008 und die Finanzkrise klein sind im Vergleich zu diesem Shutdown. China und die USA werden sicherlich die entsprechenden Maßnahmen treffen, um ihre Wirtschaft so weit wie möglich zu unterstützen. Was werden die Mitgliedstaaten der EU machen?
    Konstantin Z., via LinkedIn

    Es finden notwendige Diskurse noch statt
    Ich habe nicht den Eindruck, dass keine notwendigen Diskurse mehr stattfinden, nur derzeit eben mit anderen Gruppen (nun mit Fachleuten, die von Virologie und Infektiologie was verstehen), als das in Normalzeiten der Fall ist. Das erscheint mir unter den Umständen dieser pandemischen Situation sehr angemessen zu sein.
    Maik M., via E-Mail

    Die Zumutungen reichen bereits jetzt
    Das Auswerten von Mobilfunkdaten kann unter keinen Umständen infrage kommen. Die Zumutungen reichen bereits jetzt. Auch hierzulande sollten politische Entscheider bedenken: Die Zustimmung der Bürger kann schnell umschlagen, und ein temporärer Held der Stunde kann Wochen oder Monate später schon der politische Paria sein. Das wäre bekanntlich nicht das erste Mal.
    Fred S., via E-Mail

    Wenn alle Älteren zu Hause blieben ...
    Die Frage, ob es andere Möglichkeiten gibt, gefährdete Personen zu schützen, muss gestellt werden können. Wenn alle Älteren (bin selber 62) und Vorerkrankten zu Hause blieben, mit staatlicher Unterstützung, und die anderen weiter zur Arbeit gingen: Wie würde es sich auswirken? Solche Fragen müssen sensibel von verschiedenen Forschern beantwortet werden, wenn man Akzeptanz für die Antworten erzeugen möchte.
    Bettina B., via E-Mail

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