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17.06.2019

10:51

Kolumne

Der Aufsichtsrat vergreist – und wird für Vorstände zur Gefahr

Von: Manuel René Theisen

Zwischen Vorständen und Aufsichtsräten muss rechtzeitig ein Clash der Generationen vermieden werden. Denn ansonsten droht die Handlungsunfähigkeit.

Setzt sich der Trend fort, droht ein eklatantes Kompetenz-Gap. dpa

Männer mit Anzug und Aktenkoffer

Setzt sich der Trend fort, droht ein eklatantes Kompetenz-Gap.

Ein Trend bei der „Generation Golf“ sowie der ihr folgenden „Generation Y“ ist so eindeutig, dass selbst führende Wirtschaftsmagazine die Entwicklung zu erkennen glauben: Immer mehr Manager wollen immer früher einen neuen Lebensplan verwirklichen, sich neu orientieren – oder schlichter: „das Hamsterrad verlassen“. Die dazu erforderlichen ökonomischen Voraussetzungen scheinen dank üppiger Vergütungen erfüllt. Nun aber sieht sich eine wachsende Zahl von Unternehmensführern auch mental in der Lage, auf dem Höhepunkt ihrer operativen Macht loszulassen.

Dagegen dominiert bei vielen Aufsichtsratsmitgliedern immer noch eine deutlich andere Verhaltensweise: Zahlreiche große Unternehmen haben vielfach Mitglieder oder gar Vorsitzende aus der Generation 70 plus. Zahlreiche Namen präsentieren sich immer wieder lebensfroh als ewige Amtsinhaber. Sie verwechseln allerdings die erfreuliche, weil medizinisch ermöglichte kontinuierlich steigende Lebenserwartung mit einer unbegrenzten Eignung zur Unternehmensüberwachung.

Selbsttäuschung ist das eine, ein sich stark beschleunigender Kompetenzverlust aber das Gefährlichere: Denn wenn man diese beiden – vermutlich nachhaltigen – Trends zusammenbetrachtet, bedeutet das: Immer Jüngere werden von immer Älteren überwacht. Im familiären Umfeld würde das vergleichbar bedeuten, dass immer mehr Großeltern sich zu qualifizierter Aufsicht ihrer Enkelkinder berufen fühlen.

Sieht man von einigen sehr spät aktiven, aber ausnahmslos selbst verschuldeten Eltern im Rentenalter einmal ab, kann man sich eigentlich in der Nachkriegsliteratur über die sehr gemischten Ausbildungserfolge (zwangsläufig) elternloser Groß„elternschaften“ informieren.

Und dieses Kompetenz-Gap erlauben sich Gesellschaften in einer sich immer schneller ändernden Welt? Die zunehmende, generationsbedingte Kommunikationslücke kann dabei nur als Indikator verstanden werden: als schrillender Alarm dafür, dass sich neben Sprachlosigkeit auch noch eine zunehmende Handlungsunfähigkeit zwischen Überwachten und Überwachern breitmachen könnte.

Effiziente Unternehmensführung und -überwachung verlangen nicht nur eine Partnerschaft „auf Augenhöhe“, sondern in gewissem Maße zunehmend auch eine Anpassung „auf Altershöhe“. Denn die Rezepte von gestern und vorgestern taugen samt ihren Promotoren und Gralshütern in einer dynamischen Wirtschaft nur sehr bedingt für morgen.

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