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29.06.2022

17:00

Kommentar

Abhängig von Amerika: Der deutschen Industrie fehlt auch bei den Chips der Mumm

Von: Joachim Hofer

Der Siegeszug der Chipkonzerne Nvidia und Qualcomm ist ein Armutszeugnis für deutsche Unternehmen. Sie brauchen mehr Weitblick und einen langen Atem.

Bundeskanzler Scholz besucht Siemens auf der Hannovermesse. Bei Kernkomponenten wie Prozessoren ist der Konzern aber auf den US-Spezialisten Nvidia angewiesen. Reuters

Siemens

Bundeskanzler Scholz besucht Siemens auf der Hannovermesse. Bei Kernkomponenten wie Prozessoren ist der Konzern aber auf den US-Spezialisten Nvidia angewiesen.

Erst Mercedes, jetzt Siemens: Erneut hat der amerikanische Chipspezialist Nvidia einen der bekanntesten deutschen Konzerne als Großkunden gewonnen. Auch Nvidias kalifornischer Konkurrent Qualcomm wird künftig in großem Stil VW und BMW beliefern.

Die US-Halbleiteranbieter statten die schillerndsten Namen der deutschen Industrie mit Prozessoren aus, den „Gehirnen“ der vernetzten Welt. Sie liefern die Kernstücke für Autos und Industrieanwendungen. Damit sind die Konzerne aus München, Stuttgart und Wolfsburg auf Jahre hinaus von den Tech-Giganten der amerikanischen Westküste abhängig.

So weit hätte es nicht kommen dürfen – und nicht kommen müssen. Siemens hat sich schon mit Chips beschäftigt, als Jensen Huang, Gründer und Chef von Nvidia und Jahrgang 1963, noch nicht einmal geboren war. Doch dem Münchener Traditionsunternehmen fehlte der Mumm für den großen Erfolg in der Chipindustrie. Genau wie auch dem Rest der deutschen Industrie – selbst Daimler-Benz war einst im Chipgeschäft.

Stattdessen spaltete Siemens die Halbleitersparte vor der Jahrtausendwende ab und brachte sie unter dem Namen Infineon an die Börse.

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    Infineon hat sich respektabel entwickelt, doch beschränkt sich die Firma auf Nischen. So sind die Münchener zwar der größte Autochip-Anbieter weltweit, liefern aber nicht die Prozessoren, also die wichtigsten Bauelemente für die neuen Zentralrechner in Fahrzeugen.

    Nvidia und Qualcomm denken langfristig

    Nun droht eine Entwicklung wie einst bei PCs, Notebooks und später den Smartphones. Da war die deutsche Industrie zunächst mit dabei, zog sich aber zurück, als das große Geschäft begann. Deutsche Firmen werden bei den Chips wieder nur eine Nebenrolle spielen. Weil der unternehmerische Mut fehlte, die Weitsicht – und ein langer Atem.

    Börsennotierten US-Firmen wird gerne vorgeworfen, nur von Quartal zu Quartal zu denken. Nvidia und Qualcomm beweisen das Gegenteil. Die Konzerne haben jahrelang geduldig darauf hingearbeitet, mit der Industrie ins Geschäft zu kommen. Jetzt beginnt sich das auszuzahlen.

    Die Lehre daraus: Für eine Industrienation wie Deutschland reicht es nicht, sich auf Nischen zu konzentrieren. Nichts gegen die vielen „Hidden Champions“. Aber es braucht auch hierzulande Leute wie Nvidia-Gründer Huang, die groß denken und Ziele beharrlich über Jahre verfolgen. Investoren sind durchaus bereit, das zu finanzieren. Auch das zeigen die Halbleiterkonzerne aus Übersee.

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