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03.09.2019

18:02

Kommentar

Abspaltungen von Unternehmen garantieren keine Gewinne mehr

Von: Robert Landgraf

Neue Welt bei Fusionen, Abspaltungen, Zu- und Verkäufen: Lange machte das alle Beteiligten zu Gewinnern. Doch nun sind die Investoren wählerisch geworden.

Der Hannoveraner Automobilzulieferer kündigte an, seine Antriebstechnik abzuspalten. dpa

Continental

Der Hannoveraner Automobilzulieferer kündigte an, seine Antriebstechnik abzuspalten.

Vorstände in Unternehmen lieben Situationen, in denen es nur Gewinner gibt. Die Angelsachsen nennen das „win-win“. Je stärker sich der wirtschaftliche Druck in zunehmend schwierigen Zeiten erhöht, desto mehr nimmt die Bereitschaft zu, sich anzupassen und hoffentlich stärker aufzustellen – sei es durch Abspaltungen, Zu- oder Verkäufe.

Lange waren die Aktien aller betroffenen Unternehmen Nutznießer des Schritts. Doch während Anleger in den vergangenen Jahren grundsätzlich positiv auf die Ankündigung von Transaktionen reagiert haben, sind sie heute, in Zeiten der Unsicherheit, wählerischer geworden. Nicht jeder ist am Ende ein Gewinner.

Gründe für Deals gibt es viele. Jüngstes Beispiel ist der Autozulieferer Continental. Er kündigte an, die Sparte Antriebstechnik abzuspalten. Die künftigen Aktien des Bereichs, der unter dem Namen Vitesco Technologies firmieren soll, werden voraussichtlich vollständig in die Depots der Conti-Altaktionäre eingebucht.

Die bisher verfolgte Option eines Teilbörsengangs dürfte kaum noch zum Zuge kommen. Damit reagieren die Hannoveraner auf das geänderte Kapitalmarktumfeld mit hohen Kursschwankungen und die stark eingetrübte Automobilkonjunktur, seit erstmals ein Börsengang im Januar vergangenen Jahres angekündigt wurde. Ohnehin wird der Wechsel zum Elektroauto schneller vonstattengehen als lange Zeit gedacht. Der Schritt ist also eine Art Befreiungsschlag, um für den Rest des Konzerns Mehrwert durch klare Aufstellung zu kreieren.

Im Fall Conti verändert sich für die Altaktionäre nur wenig. Ihnen gehören beide Unternehmen. Doch oftmals werden Unternehmensteile gegen Bares verkauft. Dann stellt sich die Frage, was mit den Erlösen passiert. Das Geld auf ein Konto zu legen macht in Zeiten von Niedrigzinsen keinen Sinn.

Ein Aktienrückkauf kann dagegen positiv sein, aber hier stellt sich die Frage nach der Größenordnung, da es aktienrechtliche Begrenzungen gibt. Es kann also dauern, bis der erzielte Erlös aufgebraucht ist. Und die Ausschüttung einer Sonderdividende bringt den Nachteil mit sich, dass diese steuerlich meist nachteilig für den Aktionär ist. Das Beste ist also eine Verstärkung der Firma über Zukäufe.

Dieser Schritt wird ohnehin am stärksten von den Investoren begrüßt. Nach der Ankündigung einer Übernahme folgt als Reaktion meist ein Kursgewinn, wenn der Deal Sinn macht. Eine Garantie für einen Erfolg ist das aber noch lange nicht. Gefragt sind vor allem Manager, die Erfahrung mit Übernahmen haben.

Sie wissen, wo Fallstricke zu suchen sind und wie eine Integration laufen muss, um erfolgreich zu sein und am Ende die Gewinne des neuen Konzerns zu erhöhen. Dann – und nur dann – erfreut der Deal auf Dauer die Aktionäre.

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