Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

18.10.2022

16:21

Kommentar

Adidas zahlt Hunderte Millionen an einen Mann, der das Image zerstört – das muss aufhören

Von: Thomas Jahn

Mit seinem Design soll der Sportkonzern Milliarden machen. Doch der Rapper Kanye West sorgt für einen Skandal nach dem anderen – dahinter steckt offenbar Kalkül.

Der Rapper kauft das rechte Netzwerk Parler. imago/MediaPunch

Kanye West

Der Rapper kauft das rechte Netzwerk Parler.

Provokationen sind das Tagesgeschäft eines Rappers. Wahrheiten aussprechen, überspitzen und damit Gehör finden – alles okay. Aber Kanye West, der sich im vergangenen Jahr in Ye umbenannt hat, geht weiter. Mit antisemitischen Kommentaren und anderen Beleidigungen überschreitet der 45-Jährige Grenzen und richtet moralischen, menschlichen und bald wohl auch finanziellen Schaden an.

Der Kauf des rechten sozialen Netzwerks Parler am Montag ist der neuste Affront und birgt für seinen Geschäftspartner Adidas einige Gefahren. Der Sportkonzern hat sich anders als etwa die Modekette Gap nicht komplett von dem Musiker getrennt. Erst Anfang des Monats kündigte Adidas an, die Zusammenarbeit zu überprüfen.

Eine bislang verständliche Entscheidung. Mit Wests Modelabel „Yeezy“ setzte Adidas laut Analysten zeitweise mehr als eine Milliarde Dollar im Jahr um. Viel Geld, auch für den US-Rapper, der Hunderte Millionen aus dem Deal erhält.

Da kann sich der Milliardär die Übernahme des Netzwerks Parler locker leisten. Ein Kaufpreis wurde zwar nicht genannt, aber mit seinen bescheidenen knapp 40.000 aktiven Nutzern dürfte das Start-up im Vergleich zu anderen Tech-Unternehmen nicht allzu teuer gewesen sein.

Das Netzwerk setzt sich für völlig freie Meinungsäußerung ein, sei sie auch noch so extrem. Bekannt wurde Parler im Januar 2021 beim Sturm auf das US-Kapitol. Anhänger des damaligen Präsidenten Donald Trump koordinierten sich auf der Plattform. Google und Apple warfen daraufhin die App für einige Zeit aus ihren App-Stores.

West legt es auf einen Rausschmiss an

Adidas hat viel Geduld gezeigt. Als bekannt wurde, dass Konzernchef Kasper Rorsted im kommenden Jahr abtritt, verkündete West auf Instagram: „Kasper Rorsted ist tot.“ Auch wenn er den Eintrag kurze Zeit später löschte, die Geschmacklosigkeit war in der Welt.

West legt es ganz offensichtlich darauf an, von Adidas herausgeworfen zu werden. Schon oft beschwerte er sich über die Konditionen des Deals, der bis 2026 läuft. Er wolle sich gern selbstständig machen, verkündete er vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem Finanzdienst Bloomberg.

Eine nüchterne Abwägung zeigt: Adidas sollte ihn ziehen lassen. West ist eine zu große Belastung geworden. Die Eskalation wird zunehmen. Es droht ein Boykott von wichtigen Käuferschichten, die mit T-Shirt-Aufschriften wie „White Lives Matters“ oder antisemitischen Verschwörungstheorien nichts zu tun haben wollen. Die Marke von Adidas ist in Gefahr. Mögen die Aktionäre auch noch so enttäuscht sein: West muss weg.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×