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28.02.2022

20:18

Kommentar

Allen muss klar werden: Die Verteidigung der Freiheit hat ihren Preis

Von: Frank Specht

Deutschland hat sich in der Sicherheitspolitik zu lange auf andere verlassen. Das Bewusstsein für die auch nach außen wehrhafte Demokratie muss wieder stärker in den Köpfen verankert werden.

Bundeswehr: Die Verteidigung der Freiheit hat ihren Preis imago images/Eibner

Die deutsche Flagge auf einer Bundeswehr-Uniform

Die Bundesrepublik hat sich in der Sicherheitspolitik zu lange auf andere verlassen.

Berlin Meinen Wehrdienst leistete ich zu einer Zeit, als man schon fast schief dafür angeschaut wurde. Es war das Jahr des Mauerfalls und der beginnenden Implosion der Sowjetunion. Vom Ende der Geschichte war die Rede, von einer Friedensdividende.

Gut 30 Jahre später ist die Geschichte mit Macht zurück – und aus der Friedensdividende eine schwere Hypothek geworden.

Putins Großmachtfantasien aus Sowjetzeiten erzwingen eine Rückbesinnung der Bundeswehr auf ihre Kernaufgabe, die Landes- und Bündnisverteidigung. Dafür aber steht sie ziemlich „blank“ da, wie Heeresinspekteur Alfons Mais gerade in bemerkenswerter Offenheit eingestand.

Das liegt auch an einer Entkernung und Neuorientierung, die in den zurückliegenden Jahrzehnten stattgefunden hat. Die Bundeswehr sollte helfen, Deutschlands Freiheit auch am Hindukusch zu verteidigen – Tausende Kilometer entfernt. Dass es wieder Krieg vor der eigenen Haustür geben könnte, keine zwei Flugstunden von Berlin, das konnte sich lange niemand vorstellen.

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    Eine schlagkräftige Armee zur Sicherung der deutschen Interessen in der Welt – so wie sie der damalige Bundespräsident Horst Köhler 2010 angeregt hatte – wollte aber auch niemand. Der Verweis auf die Geschichte und Hitlers Vernichtungskrieg diente als willkommene Entschuldigung, um die militärische Rolle Deutschlands kleinzuhalten. Ohne die Fähigkeiten von Alliierten wie den USA oder Frankreich wären deutsche Einsätze wie in Afghanistan oder Mali unmöglich.

    Die Abkehr von der Wehrpflicht und die Tatsache, dass die Bundeswehr meist Tausende Kilometer von der Heimat entfernt in Erscheinung tritt, hat aber auch zu einer schleichenden Entfremdung der Bürger von ihrer Armee geführt. Freundliches Desinteresse war noch das Positivste, das den Soldatinnen und Soldaten zuletzt entgegenschlug, die im Auftrag des Bundestags in der Ferne ihr Leben riskierten. Die endlose Debatte über die Anschaffung bewaffneter Drohnen dürfte in ihren Ohren wie Hohn geklungen haben.

    Wenn die Bundeswehr als Reaktion auf Putins Angriffskrieg jetzt Milliarden für die Ausrüstung bekommen soll, die sie braucht, ist das ein richtiges Signal. Mit Geld allein ist es aber nicht getan. Auch in den Köpfen der Menschen muss wieder stärker verankert werden, dass man unberechenbaren Aggressoren wie Putin allein mit moralischer Haltung nicht entgegentreten kann.

    Eine Rückkehr zur Wehrpflicht könnte das Bewusstsein stärken, dass die Verteidigung der Freiheit ihren Preis hat. Die Demokratie muss wehrhaft sein, nach innen wie nach außen. Deutschland hat sich dabei lange genug auf andere verlassen.

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