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06.08.2020

13:07

Kommentar

Allianz und Munich Re kommen erstaunlich gut durch die Krise

Von: Carsten Herz

Die beiden Konzerne sollten den Digitalisierungsschub nutzen, den die Pandemie auslöst. Dann dürften sie langfristig zu den Gewinnern der Krise zählen.

Wie stark sich Allianz und Munich Re fühlen, macht der Umstand klar, dass beide nicht an eine Senkung ihrer Ausschüttung für das laufende Geschäftsjahr denken. dapd

Fahnen mit Allianz-Logo in München

Wie stark sich Allianz und Munich Re fühlen, macht der Umstand klar, dass beide nicht an eine Senkung ihrer Ausschüttung für das laufende Geschäftsjahr denken.

Große Probleme provozieren mitunter große Worte. Die Folgen der Coronakrise seien „vergleichbar mit der Explosion eines Atomkraftwerkes“, mahnte Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte bereits im Frühjahr dieses Jahres.

Knapp ein halbes Jahr nachdem die Pandemie ihren Weg über die Welt nahm, können sich Investoren nun anhand der Quartalszahlen einen neuen Überblick verschaffen, wie groß die Verwüstungen ausfallen, die Covid-19 in den Büchern hinterlässt – und Allianz und Munich Re als größte deutsche Versicherer schlagen sich dabei bisher überraschend wacker.

Was für Rückschlüsse können Investoren daraus ziehen? Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die beiden großen Versicherer ihre Bücher im Griff haben und in den letzten Jahren sorgsam beim Underwriting, also der Zeichnung neuer Risiken, waren. So kommen viele Wettbewerber bisher deutlich schlechter durch die Krise.

Zum Vergleich: Der große Schweizer Rückversicherer Swiss Re rutschte im ersten Halbjahr mit 1,1 Milliarden Dollar ins Minus. Eine weitere beruhigende Nachricht ist, dass die Konzerne in der konjunktursensiblen Branche robust dastehen.

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    Nagelprobe steht noch bevor

    „Widerstandsfähig“ war ein Wort, das Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol bei der Vorlage der Zahlen mehr als einmal benutzte. Wie stark die Konzerne sich fühlen, macht der Umstand klar, dass sowohl die Allianz als auch die Munich Re nicht an eine Senkung ihrer Ausschüttung für das laufende Geschäftsjahr denken. Ist es also bereits wieder Zeit aufzuatmen, für beide Dax-Konzerne?

    Nicht ganz. Tatsächlich spricht viel dafür, dass das finanziell Schlimmste hinter den Firmen liegt. Doch die eigentliche Nagelprobe dürfte erst das dritte Quartal liefern. Erst dann dürfte sich zeigen, wie sehr eine mögliche Klagewelle und Kreditausfälle die Assekuranzen belasten und wie sehr die Hurrikansaison in den USA, die in der Vergangenheit schon manchen Jahresgewinn der Rückversicherer finanziell ausradierte, ins Kontor schlägt.

    Für eine Entwarnung ist es deshalb zu früh. Das zeigt sich auch darin, dass noch kein großer Versicherer eine neue konkrete Ergebnisprognose für 2020 vorlegte. Tatsächlich ist die Lage noch viel zu ungewiss, um sich allzu weit vorzuwagen.

    Doch das Zwischenzeugnis für Munich Re und Allianz fällt zweifelsfrei positiv aus. Bisher hat nicht einmal die Coronakrise die beiden Finanzgiganten aus der Bahn werfen können. Wenn die beiden Dax-Konzerne nun den Digitalisierungsschub, den die Pandemie in der Branche auslöst, richtig nutzen, dürften sie langfristig zu den Gewinnern zählen. Denn vielen Kunden ist gerade im Schatten der Coronakrise wieder gewahr geworden, wie verwundbar sie sind – und dass Qualität und Solidität ihren Preis haben.

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