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12.07.2019

13:56

Kommentar

Anleger glauben, Fed-Chef Powell wird es schon richten – sie irren

Von: Robert Landgraf

Dow Jones und S&P 500 erreichen neue Höchststände. Doch die neuen Rekorde an der Wall Street sind beim Blick in die Zukunft nicht gerechtfertigt.

Markus Koch exklusiv

Dow Jones und S&P 500 feiern erneut Rekorde – Hält das Hoch an?

Markus Koch exklusiv: Dow Jones und S&P 500 feiern erneut Rekorde – Hält das Hoch an?

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Die Märkte drehen es so, wie es gerade notwendig ist. Und aktuell ist es so, dass selbst schlechte Nachrichten wie der Anstieg der Kerninflationsrate in den USA die Zuversicht der Börsianer nicht bremsen können. Schon zum zweiten Mal in dieser Woche durchbrach der wichtigste US-Aktienindex, der Standard & Poor’s 500, die Marke von 3000 Punkten – ein neuer Rekord. Inzwischen hat das Aktienbarometer seit Jahresbeginn rund 20 Prozent zugelegt. Auch der Dow Jones erreichte unbekannte Sphären.

Das personifizierte Vertrauen der Anleger: Jerome Powell. Der Chef der US-Notenbank wird es schon richten, meinen sie. Doch dieser Eindruck täuscht: Die neuen Rekorde sind beim Blick in die Zukunft nicht gerechtfertigt.

Klar, in seiner Rede vor dem US-Kongress hat Powell bekräftigt, dass die Fed bereitsteht. Und zwar dafür, angemessen zu handeln, um nachhaltiges Wachstum zu sichern. Der internationale Handelskonflikt und die schwache Weltwirtschaft treiben ihn um.

Was Powell nicht erwähnt hat: Präsident Donald Trump. Er fordert die Fed via Twitter und in Interviews immer wieder dazu auf, endlich die Zinsen zu senken. Gewiss würde Powell das nie als Grund für eine lockere Geldpolitik einräumen. Doch in der Realität spielt das für die Notenbank sicherlich eine Rolle. So steht einer Zinssenkung noch in diesem Monat nichts im Weg. Und es können weitere folgen.

Doch was folgt danach? Amerikanische Aktien sind – etwa im Vergleich zu europäischen Papieren – schlicht teuer, außerdem werden die Indizes von den großen Tech-Firmen getrieben. Und genau hier lauern große Gefahren. Eine Regulierung kann vergleichsweise schnell erfolgen, was die Fantasie dann sicherlich bremst. Gleichzeitig laufen die Effekte der Steuerreform von Trump langsam, aber sicher aus.

Aktienwerte werden nach unten gehen

Entscheidend ist in den USA der Konsum und damit auch die Anzahl an Arbeitsplätzen, da nur diejenigen Geld ausgeben, die einen Job haben. Zwar sind die jüngsten Zahlen hier überraschend gut ausgefallen. Doch auch das wird sich sicherlich ändern. Dann werden sich die Unternehmen auch mit Investitionen zurückhalten. Und die Aktienwerte gehen unweigerlich nach unten.

Eine Entwicklung dieser Art benötigt lediglich einen konkreten Auslöser – und den wird es auch geben. Denn Börse basiert zu einem wesentlichen Teil auf Psychologie. Dreht die Stimmung nach einem kleinen Auslöser, dann werden auch gute Argumente für steigende Kurse beiseitegedrängt.

Deshalb ist die jetzige Quartalssaison der Unternehmen in den USA so wichtig wie selten zuvor. Wenn der steigende Gewinntrend in den Unternehmen abgebremst wird – davon ist auszugehen –, dann ist das ein lauter Warnschuss. Danach dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis die Analysten ihre Gewinnprognosen revidieren und die aktuellen Aktienkurse nicht mehr zu rechtfertigen sind.

Unweigerlich kommen dann europäische Aktien ins Spiel. Sie sind deutlich günstiger und haben viele Negativnachrichten bereits in den Kursen verarbeitet. Spätestens dann bilden europäische Dividendentitel eine attraktive Alternative zu US-Werten.  

Mehr: Der Hauptgrund für die kommende Zinssenkung der Fed ist die Unsicherheit, die der Handelskonflikt schafft. So erzwingt der US-Präsident eine lockere Geldpolitik. 

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

12.07.2019, 16:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Landgraf,

stellen Sie sich doch biite einmal vor, Sie wären Amerikaner und erbten 1 Million Dollar. Was machen Sie dann mit Ihrem Geld?

Nur jammern, dass Aktien teuer sind und die Konkunktur unsicher ist? Ich fürchte, das hilft Ihnen nicht weiter. Die ererbte Million müssen Sie eben anlegen. Also lassen Sie Ihren Blick ruhig schweifen. Sehen Sie sich in Ruhe alle Anlgealternativen und Anlageklassen an. Und wenn Sie attraktivere Anlagemöglichkeiten als Aktien finden, greifen Sie natürlich anderweitig zu. Das ist Ihr gutes Recht. Ich rate somit, "asset allocation" zu betreiben.

Aber das bedeutet eben, verschiedene Möglichkeiten zu vergleichen. Aber "vergleichen" ist etwas völlig anderes, als einseitig gegen einzelne Anlageformen herzuziehen.

Nebenbei gesagt halte ich auch Ihre Aktienargumente für fragwürdig. Es gibt eben nicht nur eine vom Anstieg der Gewinne getriebene Hausse. Die Aktienkurse können auch viele Jahre lang von der überbordenden Liquidität getrieben steigen und weiter steigen. Wir erleben eine solche Liquditätshausse in fast jeder Rezession, wenn die Zentralbanken die Geldschleusen weit öffnen und das viele billige Geld zunächst in die Vermögensmärkte und erst sehr viel später auch in die reale Wirtschaft fließt.




Kurz und gut: Das Stichwort heißt "asset allocation". Es ist das Gegenteil von Tunnelblick und Herziehen über eine weniger geschätzte Anlageklasse.

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