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12.06.2018

16:00 Uhr

Kommentar

Auch die Blockchain bietet keine absolute Sicherheit

VonIna Karabasz

Die Blockchain-Technologie löst viele Probleme der digitalen Welt. Die Euphorie darüber darf die nüchterne Analyse aber nicht ersetzen.

Die Blockchain hat das Potenzial, ganze Branchen zu verändern. X90033

Bitcoin-Kurs

Die Blockchain hat das Potenzial, ganze Branchen zu verändern.

DüsseldorfWenn Manager heute über Blockchain reden, spricht aus ihren Worten oftmals Neugier und Sorge zugleich. Diese neue Technologie – die digitale Prozesse nicht nur deutlich vereinfachen, sondern auch sicherer machen wird –, hat das Potenzial, ganze Geschäftsmodelle zu ersetzen.

Weil elektronische Informationen, sprich Daten, damit gleichzeitig dezentral auf mehreren Geräten gespeichert und mit einer Art Siegel versehen werden, sind sie nicht manipulierbar, sobald sie in der Blockchain stehen. Eine ernsthafte Bedrohung für traditionelle Umschlagstellen wie Banken im Geldtransfer. Sie könnten wegfallen.

Wegen dieses Potenzials ist die Technologie nicht nur auf der Digitalmesse Cebit, die noch bis Freitag in Hannover stattfindet, eines der größten Trendthemen in nahezu allen Branchen. Allerorten besprechen Berater und Manager auf Konferenzen und Workshops, was sie alles mit Blockchains anfangen – oder wie sie davon bedroht sein könnten.

Kurz & knapp erklärt: Blockchain

Was ist die Blockchain?

Der Begriff Blockchain beschreibt eine dezentrale Datenbank, bei der jeder User, der Teil dieses Blockchain-Netzwerkes ist, die gesamte Datenbank mit sämtlichen Informationsketten oder Ausschnitte davon besitzt. Die Blockchain funktioniert wie eine Art öffentliches Grundbuch oder ein digitaler Kontoauszug für Transaktionen zwischen Computern. Sie ist die technologische Basis für Kryptowährungen wie zum Beispiel Bitcoins.

Wie funktioniert die Blockchain?

Dadurch, dass alle Teilnehmer des Netzwerks eine vollständige Kopie bzw. einen Ausschnitt der kompletten Blockchain besitzen, können sie selbst prüfen, ob alle an einer Transaktion beteiligten Parteien mit derselben Version der Blockchain arbeiten. Eine externe und zentrale Aufsichtsinstanz, die Transaktionen prüft, wird dadurch überflüssig. Daraus ergibt sich allerdings die Herausforderung für alle Beteiligten, stets eine gemeinsame Datengrundlage zu schaffen. Dazu wird ein Konsensalgorithmus verwendet. In der Blockchain einigen sich die Netzwerkteilnehmer immer auf die längste verfügbare Block-Kette.

Welche Branchen profitieren von der Blockchain?

Die Bankenbranche beispielsweise nutzt Blockchains intensiv – und kann durch die neue Technik Finanztransaktionen schneller, billiger und sicherer durchführen. Vermittler wie Swift-Plattformen und Clearinghäuser, die für ihre Dienste eine Gebühr berechnen, könnten durch Blockchains perspektivisch ersetzt werden. Auch Wirtschaftsprüfer setzen auf die Blockchain, wenn es um die Automatisierung von Buchprüfungen geht.

Wo kommen Blockchains noch zum Einsatz?

Blockchains sind vielfältig nutzbar – und kommen vor allem dort zum Einsatz, wo es um Nachverfolgbarkeit und Konformität geht. Beispielsweise können sie als Beweis dienen, dass ein Paket vollständig geliefert wurde. Weitere Initiativen sind geplant: So soll die Blockchain künftig bei der Beglaubigung von Diplomen oder dem Optimieren von Lebensläufen eingesetzt werden. Und die Kreditkartengesellschaft Visa will 2017 einen Blockchain-Zahlungsservice einführen.

Was sind die Stärken der Blockchain?

Bei der Blockchain stehen Transparenz und Dezentralität im Vordergrund: User müssen Identität und Besitz sichtbar hinterlegen, so dass anonymisiert erkennbar ist, wer beispielweise welche Bitcoins an wen sendet. Die Identität hinter einer Adresse bleibt jedoch unklar. Im übertragenden Sinne könnte man sagen: Das Internet ist ein „Netzwerk von Informationen“, die Blockchain ein „Netzwerk des Vertrauens“.
Die Technologie gilt deshalb als vielversprechend, weil die Informationen einer Blockchain transparent und auf viele Computer verteilt gespeichert sind. Dadurch können sie nur mit enormem technischen Aufwand manipuliert werden.

Dabei bleibt jedoch häufig ein wichtiges Thema außen vor: Auch die Blockchain macht digitale Geschäftsabläufe nicht völlig sicher.

Zwar sind die Informationen in der Datenkette vor Manipulation geschützt: Sobald jemand versucht, sie nachträglich zu ändern, fällt das auf, weil alle Datensätze wie Kettenglieder – daher der Name – aufeinander aufbauen. Ändert sich etwas in dieser Kette, hält diese, vereinfacht gesagt, nicht mehr zusammen, weil die Bindung nicht mehr passt.

Das bedeutet aber nicht, dass die Informationen, die in eine Blockchain eingebracht werden, richtig sind. Diese können genauso falsch oder richtig sein, wie sie es bisher auch bei jeglicher Transaktion sein können. Blockchain mag einige Geschäftsbereiche revolutionieren, aber sie ist nicht der heilige Gral der Digitalisierung.

Damit bleibt auch das grundsätzliche Problem der Informationsasymmetrie bei Vertragsabschluss, die Volkswirte seit Jahrzehnten als Prinzipal-Agent-Theorie beschäftigt, bestehen: Wenn zwei Parteien sich dazu entscheiden, zusammenzuarbeiten, weiß die eine nicht, welche Intention die andere hat.

Um das Risiko, dass der Vertragspartner wissentlich oder unwissentlich falsche Informationen in die Blockchain einspeist, zu minimieren, braucht es also auch dabei Parteien, die die Daten bestmöglich verifizieren – wobei auch wieder etablierte Unternehmen wie Banken eine wichtige Rolle spielen können.

Die Blockchain-Technologie bringt zweifellos große Veränderungen für viele Geschäftsmodelle. Allerdings sollte – wie bei allen technologischen Entwicklungen – gelten: Euphorie über das revolutionäre Neue darf die nüchterne Analyse nicht ersetzen.

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