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13.10.2022

10:48

Kommentar

Auch Frachtfirmen kassieren Übergewinne – doch die Politik scheint machtlos

Von: Christoph Schlautmann

In der Logistik werden derzeit dreistellige Milliardensummen in Übernahmen gesteckt. Über die Quelle der Gelder wollen viele der Firmenaufkäufer lieber nicht reden.

Die Reederei Hapag-Lloyd hat sich an dem Containerhafen beteiligt – nur einer von vielen Deals in der Logistikbranche. imago stock&people

Container-Terminal Wilhelmshaven

Die Reederei Hapag-Lloyd hat sich an dem Containerhafen beteiligt – nur einer von vielen Deals in der Logistikbranche.

Die Welle von Übernahmen in der internationalen Frachtbranche ist auf Rekordniveau. 322 Deals mit einem Gesamtbetrag von 219 Milliarden US-Dollar notierte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC im abgelaufenen Jahr. Im ersten Halbjahr 2022 kamen weitere 129 mit einer Summe von 126 Milliarden Dollar hinzu.

Die Stärkung ihrer Lieferketten liege den Firmenaufkäufern am Herzen, sagen die einen, andere nennen den niedrigen Euro-Kurs als Gelegenheit für ihre Übernahmen. Den wahren Grund verschweigen fast alle, und das wohl aus Furcht vor einer für sie unangenehmen Debatte: Das viele Geld, das in Airline-Beteiligungen, Transportfirmen und Hafenterminals fließt, stammt aus veritablen Krisenprofiten.

Teilweise haben die Logistikkonzerne die Entwicklung gar noch selbst befeuert. Gleich zu Beginn der Coronapandemie stellten die Reedereien Teile ihrer Flotten außer Betrieb. Die daraus folgenden Versorgungsengpässe sorgten dafür, dass der Warenverkehr aus dem Takt geriet. Leere Container landeten an den falschen Orten, Verstopfungen in den Häfen sorgten dafür, dass Überseelieferungen nicht mehr wie gewohnt abfließen konnten.

Hafenbetreiber wie die Hamburger HHLA oder DP World aus Dubai verdienten an den überlangen Standgebühren für nicht ausgelieferte Container, Reedereien kassierten von den verzweifelt auf Transporte wartenden Exporteuren horrende Frachtraten – teils mit fantasievollen Zuschlägen. In der Folge verzehnfachten Transportfirmen wie Maersk, CMA CGM oder Hapag-Lloyd nahezu ihre Nettogewinne – und das, obwohl ihre Leistung gegenüber der Kundschaft einbrach.

Ähnlich wie bei den europäischen Energiekonzernen, die seit Monaten durch die hohen Gaspreise Unsummen verdienen, müsste die EU aus Gerechtigkeitsgründen auch in der Logistik solchen Übergewinnen nachgehen. Ende September hatte sich Kommissionschefin Ursula von der Leyen schließlich mit den Energieministern darauf geeinigt, Gas-, Kohle- und Ölkonzerne, Raffinerien und Anbieter erneuerbarer Energien zur Kasse zu bitten.

Konzerne profitieren doppelt von der Globalisierung

Je nach EU-Staat sollen auf Profite des laufenden Jahres, die 20 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre liegen, Solidaritätsabgaben von 33 Prozent gezahlt werden.

Die schlechte Nachricht für den Fiskus und leidgeprüfte Logistikkunden: Dass es bei Reedereien, Luftfrachtanbietern, Speditionskonzernen oder Hafenbetreibern zu einer ähnlichen Gewinnabschöpfung kommt, darf ausgeschlossen werden. Die Branche ist derart international aufgestellt, dass einseitige Anordnungen aus Brüssel erheblichen Wettbewerbsverzerrungen gleichkämen. Somit profitiert sie gleich doppelt von der Globalisierung.

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