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04.08.2022

17:47

Kommentar

Bank of England hat die Wahl zwischen Pest und Cholera

Von: Torsten Riecke

Die Britische Notenbank balanciert auf dem Drahtseil zwischen Inflationsängsten und Rezessionsgefahren. Das bietet auch für die EZB Anschauungsmaterial.

Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England (BOE), bei der Pressekonferenz in London. Bloomberg

BoE-Gouverneur Andrew Bailey: Unter Inflationsdruck

Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England (BOE), bei der Pressekonferenz in London.

Wer zu spät kommt, den bestraft die Inflation. Mit diesem leicht abgewandelten Sprichwort könnte man das Dilemma der Bank of England zusammenfassen. Die britischen Notenbanker haben lange zu zögerlich auf den starken Preisauftrieb reagiert und wollen jetzt das Inflationsgespenst mit der Keule einer massiven Zinssteigerung von 50 Basispunkten vertreiben.

Man kann die Geschichte aber auch anders deuten: Es ist gut möglich, dass Großbritannien als erste große Industrienation die bittere Erfahrung macht, die anderen Ländern noch bevorsteht: dass sich nämlich die Hydra der aktuellen Inflation nur durch eine Rezession besiegen lässt.

Insofern sollten auch die Kontinentaleuropäer aus dem Euro-Raum genau darauf schauen, wie die britische Notenbank es schafft, die Inflation zu bändigen, ohne das Land in einen langen wirtschaftlichen Niedergang zu stürzen.

Die Bank of England musste jetzt ihren Kurs verschärfen, nachdem ihre vorsichtigen Zinsschritte seit Dezember vergangenen Jahres den Preisauftrieb kaum dämpfen konnten. Zwar haben die Notenbanker auf die wichtigsten Inflationsursachen – steigende Energie- und Lebensmittelpreise – kaum Einfluss. Wie im Rest Europas und in den USA gibt es jedoch auch in Großbritannien Anzeichen dafür, dass Verbraucher, Gewerkschaften und Unternehmen ein höheres Preisniveau dauerhaft einplanen.

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    So richtig es ist, jetzt ein Zeichen gegen diesen Inflationstrend zu setzen, so notwendig ist es aber auch, die Risiken der Zinswende weiter im Blick zu behalten. Die Gefahr ist, dass die Notenbanker mit dem schlechten Gewissen des Zuspätkommenden es jetzt übertreiben und der Konjunktur mehr Schaden zufügen als nötig. Mit einer Vollbremsung ist niemandem geholfen. Insbesondere den Verbrauchern und Unternehmen nicht, die nach dem Inflationsschock jetzt auch den Zinsschock wegstecken müssen.

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