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04.04.2019

15:43

Vor allem die konservativen Kritiker versucht die CDU-Chefin von ihrer Person zu überzeugen. imago images / IPON

Annegret Kramp-Karrenbauer

Vor allem die konservativen Kritiker versucht die CDU-Chefin von ihrer Person zu überzeugen.

Kommentar

Bei der Union zeigen sich die gleiche Probleme wie bei der SPD – nur auf höherem Niveau

Von: Jan Hildebrand

Um konservative Kritiker zufriedenzustellen, hat CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer ihre Strategie der Mitte neu justiert. Das geht auf Kosten ihrer Popularität.

Unter ihr, das hat Annegret Kramp-Karrenbauer immer wieder betont, solle die CDU die Volkspartei der „ganz breiten Mitte“ sein. Während ihres Wahlkampfs um den CDU-Vorsitz, als sie gegen Friedrich Merz und Jens Spahn antrat, klang die breite Mitte vor allem für den liberalen Flügel wie eine Verheißung. Der Terminus wurde als Zusage gedeutet, dass die CDU unter „AKK“ nicht zu sehr nach rechts steuert.

Doch seit einigen Wochen gibt es in ebendiesem Unterstützerlager zunehmend Irritationen über Kramp-Karrenbauer und ihren als sehr konservativ empfundenen Kurs. Wobei dieser eigentlich niemanden überraschen kann.

Denn mit dem Tag ihrer Wahl zur Parteichefin hat AKK ihre Strategie der breiten Mitte neu justiert: Seitdem gilt es, den konservativen und wirtschaftsfreundlichen Flügel, der so große Hoffnungen auf Friedrich Merz setzte, zu bedienen.

Das Wahlergebnis auf dem Hamburger Parteitag war zu knapp, als dass die neue Chefin sich nur auf das Lager stützen könnte, das sie ins Amt wählte. Also arbeitete AKK nicht nur mit einem „Werkstattgespräch“ die Flüchtlingspolitik auf, sondern setzte sich auch ansonsten von Kanzlerin Angela Merkel ab. Etwa, als sie deutlich kritischer auf die Klimastreiks reagierte als ihre Vorgängerin.

Doch dieser Kurs birgt Risiken. Wer vor allem für die eigene Parteibasis spricht, der eckt in der breiten Bevölkerung leicht an. Das gilt nicht nur für Witzchen über das dritte Geschlecht. So sind Kramp-Karrenbauers Zustimmungswerte zuletzt gesunken. Und die Umfragewerte der Union verharren nun schon länger bei 30 Prozent.

Kommentar: Kramp-Karrenbauer sollte von Merkel lernen

Kommentar

Kramp-Karrenbauer sollte von Merkel lernen

Der Stil der Kanzlerin brachte der CDU und Deutschland Erfolg. Es wäre klug von der neuen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, sich an Merkel zu orientieren.

Letztlich zeigen sich bei der Union die gleichen Probleme wie bei der SPD – nur auf höherem Niveau: Die Genossen versuchen, mit einem Linkskurs zu punkten. Das hat zwar zu einer Bodenbildung bei den Umfragewerten geführt – doch für einen nachhaltigen Aufwärtstrend wird es kaum reichen.

So viel gibt es für Union und SPD bei der Stammklientel links beziehungsweise rechts nicht hinzuzugewinnen. Oder genauer: nicht mehr. Denn es ist ja durchaus richtig, dass die Union unter Merkel an die AfD verloren hat. Doch offensichtlich kommen diese Wähler nicht so einfach zurück, während sich die Menschen in der Mitte leichter abschrecken lassen. Das hat die CSU schmerzhaft erfahren.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma kann nur ein echter Kurs der breiten Mitte sein. Also eine Partei mit starken Flügeln und Führungspersonen, die jeweils ihre Lager ansprechen und binden. Und eine Parteivorsitzende, die ausgleicht und diese Lager integriert.

Denn auch für die Konservativen in der CDU gilt: Wichtiger noch als eine Parteichefin, die ihnen rhetorisch entgegenkommt, sind letztlich Wahlsiege. Und die gibt es weiterhin in der Mitte.

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