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27.10.2021

18:35

Kommentar

Beim neuen Warenhaus-Projekt Galeria 2.0 ist die Enttäuschung der Kunden programmiert

Von: Florian Kolf

Alles soll besser werden ohne die angestaubten Marken Kaufhof und Karstadt. Doch das Konzept ist verwirrend, und dem Unternehmen läuft die Zeit davon.

Unter der Marke Galeria will das Unternehmen drei ganz verschiedene Warenhauskonzepte anbieten. dpa

Galeria-Logo an der Frankfurter Filiale

Unter der Marke Galeria will das Unternehmen drei ganz verschiedene Warenhauskonzepte anbieten.

Das Versprechen ist groß: Unter der neuen Marke Galeria sollen die Kunden künftig nicht weniger als die Zukunft des Warenhauses entdecken können. Alles soll besser werden: Büßten die Häuser von Karstadt und Kaufhof in den vergangenen Jahren immer mehr an Attraktivität ein, sollen sie künftig wieder die Gäste begeistern.

Doch ob das Unternehmen diese selbst geweckten Erwartungen wirklich erfüllen kann, ist mehr als fraglich. Dabei ist das Konzept mit mehr Service, neuen Partnern und hochwertiger Ausstattung durchaus stimmig. Aber der Umbau ist ein Wettlauf mit der Zeit, den Galeria kaum gewinnen kann.

131 Häuser hat das Unternehmen, von denen rund 60 komplett umgebaut werden sollen, der Rest zumindest teilweise. Das ist eine riesige Herausforderung, die Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Änderungen werden deshalb für die meisten Kunden noch lange nicht in der Praxis zu sehen sein.

Das Letzte, was die Kunden aber heute haben, ist Geduld und Verständnis für einen stationären Händler im Transformationsprozess. Verwöhnt vom häufig perfekten Service im Onlinehandel erwarten sie auch im Geschäft, dass alles sofort funktioniert. Wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden, stimmen sie mit den Füßen ab – und kommen nicht wieder.

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    Dazu kommt: Unter der Marke Galeria will das Unternehmen drei ganz verschiedene Warenhauskonzepte anbieten. Für Kunden wird das Geschäft so ungewollt zur Wundertüte: Finden sie ein sogenanntes Weltstadthaus vor, mit Premiummarken und viel Glamour? Oder doch einen bodenständigen regionalen Nahversorger mit E-Bike-Reparaturstation und einem Ableger des städtischen Bürgerbüros?

    Der letzte Versuch für das Warenhaus in Deutschland

    Gerade bei einem Neustart unter einer neuen Marke braucht es aber klare Signale an die Kunden und ein eindeutiges Angebot. Wer unter dem gleichen Markendach Neues und Altes, Großes und Kleines, Luxus und Alltägliches bietet, der verwirrt die Konsumenten. Das Angebot im Handel, online wie stationär, ist ohnehin schon unübersichtlich genug. Da braucht es keinen weiteren Gemischtwarenladen.

    So spannend und sinnvoll viele Elemente des Konzepts Galeria 2.0 auch sind, die Gefahr ist groß, dass die Umsetzung viele Kunden enttäuscht. Das Problem: Für das Unternehmen ist es der wahrscheinlich letzte Versuch, die in die Jahre gekommene Idee des Warenhauses neu zu beleben.

    Diese Idee von einem breiten Angebot unter einem Dach hat in Deutschland eine lange Geschichte, auch mit glorreichen Zeiten. Doch in den vergangenen Jahren haben Karstadt und Kaufhof viel Kredit bei den Konsumenten verspielt. Ein weiterer Fehlschlag könnte das endgültige Aus für das Warenhaus in Deutschland sein.

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