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06.12.2018

16:30

Kommentar

Bevor die Bankenbranche an Fusionen denkt, muss sie an Digitalisierung denken

Von: Michael Maisch

Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis sich Europas große Institute zusammenschließen. Der Fokus der Banken sollte aber woanders liegen.

Sind mögliche Großfusionen wirklich eine sinnvolle Strategie für eine Branche, die durch die Digitalisierung in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett umgekrempelt wird? dpa

Bankenviertel in Frankfurt

Sind mögliche Großfusionen wirklich eine sinnvolle Strategie für eine Branche, die durch die Digitalisierung in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett umgekrempelt wird?

Bis vor Kurzem war es noch ein Tabu: Nach den Schrecken der Finanzkrise schienen große Übernahmen und Fusionen in der Bankenbranche ein Ding der Unmöglichkeit. Wer wollte schon noch größere Geldhäuser, die im Notfall noch schwieriger abzuwickeln wären? Aber das Tabu ist gebrochen, zumindest in der Theorie.

Wer die Diskussionen der vergangenen Monate verfolgt hat, muss zu dem Schluss kommen, dass es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir in Europa die ersten Elefantenhochzeiten in der Geldbranche erleben werden. Selbst die Aufseher der Europäischen Zentralbank argumentieren inzwischen, dass ein paneuropäischer Bankenmarkt auch paneuropäische Banken braucht.

Aber sind Großfusionen wirklich eine sinnvolle Strategie für eine Branche, die durch die Digitalisierung in den nächsten fünf bis zehn Jahren komplett umgekrempelt wird? Durch diesen Megatrend und durch neue Angreifer aus der Technologieszene wie Apple, Google oder Amazon werden die Marktanteile im Geldgeschäft ohnehin neu verteilt.

Lohnt es sich in dieser Situation wirklich, knappes Kapital und Managementkapazität in ein unkalkulierbares Abenteuer wie eine teure Übernahme zu investieren?

Mit der Digitalisierung stehen die Banken ohnehin vor einem extrem herausfordernden Transformationsprozess. Solche Umbrüche bringen eine Organisation schnell an ihre Belastungsgrenze. Trauen sich die Vorstandschefs der Geldkonzerne wirklich zu, gleichzeitig eine komplexe Übernahme durchzuziehen, die schon in normalen Zeiten ein veritabler Kraftakt wäre?

Für viele große Institute wird es sinnvoller sein, ihre eigenen Kräfte zu bündeln und sich ganz auf die digitale Zukunft zu konzentrieren. Mit einer konsequenten Digitalisierungsstrategie lassen sich neue Kundengruppen und Märkte am Ende wahrscheinlich deutlich schneller und effizienter erobern als mit groß angelegten Übernahmen und Fusionen.

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