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14.07.2022

14:37

Kommentar

Boschs Transformation ist richtig, doch der Umbau müsste kräftiger ausfallen

Von: Martin-W. Buchenau

Der Autozulieferer geht mit seiner Großinvestition in die Halbleiterproduktion in die richtige Richtung. Nur: Das Stiftungskorsett verhindert große Schritte.

Der weltgrößte Autozulieferer wagt die kontrollierte Offensive. dpa

Bosch-Halbleiterfabrik

Der weltgrößte Autozulieferer wagt die kontrollierte Offensive.

Mechanik, Elektrik, Elektronik. Dieser Dreiklang ist für Bosch über Jahrzehnte Erfolgsgarant gewesen. Der Automobilzulieferer stieg mit Systemen wie Dieseleinspritztechnik oder Fahrstabilisierung zum Weltkonzern auf. In der digitalen Zukunft reicht dieser Dreiklang nicht mehr. Chips mit intelligenter Software sind die Schlüssel zur Transformation.

Bosch ist der einzige traditionelle Automobilzulieferer, der diesen Schlüssel selbst in der Hand hält. Mit einer Milliardeninvestition in das Halbleitergeschäft schließt der Konzern die Tür zur Transformation auch auf.

Doch schnell genug? Bosch ist ein vorsichtiges Unternehmen, tastet sich voran und sucht Schutz in der Diversifizierung. Chips und Software werden nicht nur für immer autonomer fahrende Elektroautos gebraucht, auch bei Hausgeräten, Elektrowerkzeugen und Gebäude- und Industrietechnik.

Der Investitionsplan ist für Bosch bereits in seinem jetzigen Umfang ein dickes Brett. Bei Chips wie Software gibt es aber konkurrierende Spezialisten mit deutlich größerer Finanzkraft als der schwäbische Mischkonzern – trotz 80 Milliarden Euro Umsatz und 45 Prozent Eigenkapitalquote.

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    Auch wenn Bosch mit seinem Domänenwissen von den physischen Systemen im Mobilitätsbereich sicher mehr versteht als die Tech-Konzerne, müsste Bosch noch viel mehr in die Vollen gehen, um die Konkurrenz zu übertrumpfen.

    Stiftung hält die Investition zurück

    Aber das würde einen brutaleren Konzernumbau erfordern, als für den Stiftungskonzern sozialverträglich ist. Mit einem solch hohen Einsatz würde auch das Risiko im Falle eines Scheiterns existenziell. Das verbietet Bosch-Chef Stefan Hartung das Stiftungskorsett. Ihm bleibt die kontrollierte Offensive:

    • Drei Milliarden Euro Investitionen für Chips.
    • Zehn Milliarden für Digitalisierung.
    • Dazu noch eine Milliarde für Brennstoffzellentechnik.
    • Eine halbe Milliarde für grünen Wasserstoff
    • ...und dann noch 250 Millionen für Start-ups.

    Bosch versucht es auch beim Aufbruch in die Zukunft wieder mit einem diversifizierten Ansatz, einem Mehrklang. In der Hoffnung, das nächste große Ding möge dabei sein.

    Das Aussehen des Bosch-Konzerns verändert sich. Bosch in der Transformation, Hartung der Transformer. Wer da an formwandelnde Roboter denkt, es gibt durchaus Parallelen: In den Filmen gehen jede Menge Blechteile zu Bruch, Hauptsache das intelligente Innenleben bleibt unversehrt. Dieser Part wird zu Hartungs Herausforderung.

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