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25.07.2022

16:19

Kommentar

Christian Lindner verspielt den neuen Ruf der FDP

Von: Teresa Stiens

Der Parteichef gefährdet den erfolgreichen Imagewandel der Liberalen. Lindners mögliche Porsche-Connection dürfte auch an der FDP haften bleiben.

Christian Lindner dpa

Christian Lindner

Der versprochene Mut, mit neuen Technologien der Klimakrise zu begegnen, ist verschwunden.

Kaum etwas ist schwieriger loszuwerden als ein schlechter Ruf – das gilt besonders in der Politik. Da ist es wirklich bemerkenswert, was FDP-Parteichef Christian Lindner in den vergangenen Jahren gelungen ist. Nach dem parteipolitischen Armageddon der Abwesenheit im Bundestag zwischen 2013 und 2017 hat er das Image der Liberalen gewandelt und die Partei zurück in die Regierung geführt.

Vorbei schienen die Zeiten, in denen die FDP als eine reine Klientelpartei für Apotheker, Hoteliers und Spitzenverdienerinnen galt. Stattdessen standen die Liberalen in den Köpfen vieler für technologischen Fortschritt und innovativen Aufbruch.

Doch jetzt, wo Lindner sich und seine Partei zurück an die bundespolitische Spitze geführt hat, beginnt die Fassade der neuen FDP zu bröckeln. Verantwortlich dafür ist mit Christian Lindner ausgerechnet der Mann, der das Image der Partei einst erneuerte.

Das Versprechen, sich für unbedingten Fortschritt durch Technologie einzusetzen, verpufft, wenn seine Entscheidungen wieder mal nur einem kleinen Teil der Bevölkerung zugutekommen: den Fahrern schneller Autos und den Herstellern ebenjener.

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    Christian Lindner: Nähe zu Porsche-Chef Blume symptomatisch für Klientelpolitik

    Dabei ist der jüngste Vorwurf, Porsche-Fahrer Lindner habe während der Koalitionsverhandlungen ständig mit Porsche-Chef Oliver Blume in Kontakt gestanden, Symptom für eine politische Einstellung, die offenbar immer noch in der FDP beheimatet ist.

    Denn das Bild, das hier gesendet wird, passt zu den politischen Schritten der letzten Monate: Das Tempolimit konsequent abzulehnen, den Sprit an der Zapfsäule steuerlich zu begünstigen und die Sonderbehandlung von Autos mit E-Fuels auf EU-Ebene durchzusetzen – all diese Entscheidungen lassen die FDP vor allem als „Anwalt der Autofahrer“ erscheinen.

    Dabei sind allerdings nur jene Autofahrer gemeint, die nicht auf Elektromobilität oder gemütlich zuckelnde Kleinwagen setzen, sondern auf schnelle Gefährte mit Verbrennermotoren.

    FDP in Umfragen bei acht Prozent

    Natürlich stehen alle Parteien in ständigem Kontakt mit Interessenvertretern. Doch dass der Chef des Unternehmens, das Christian Lindners Privatwagen produziert hat, mit einer Standleitung zum FDP-Chef prahlt, dürfte an der Partei haften bleiben.

    Der versprochene Mut, mit neuen Technologien der Klimakrise zu begegnen, ist verschwunden. Stattdessen scheint bei den Liberalen die Angst zu regieren, die gutverdienende Stammwählerklientel vor den Kopf zu stoßen. Doch das politische Kalkül geht nicht auf: Momentan steht die FDP in Umfragen bei gerade einmal acht Prozent.

    Christian Lindner und seine Frau Franca Lehfeldt nach der kirchlichen Trauung. dpa

    Im Porsche Targa

    Christian Lindner und seine Frau Franca Lehfeldt nach der kirchlichen Trauung.

    Dabei scheint Lindner die wichtigste Lektion vergessen zu haben: Beim Imagewandel zählt vor allem die Macht der Bilder. So mag es politisch irrelevant sein, dass der Bundesfinanzminister auf Sylt eine große und medienwirksam inszenierte Hochzeit feierte, bei der die Braut im Porsche vorfuhr. Für das Image der Partei hingegen sind solche Bilder in Zeiten von Krieg und Knappheit von hoher Bedeutung.

    Lindner muss sich schnell die Frage stellen, welche Partei er in die nächste Bundestagswahl führen will: eine FDP des mutigen Fortschritts oder eine FDP der Klientelpolitik für Rennwagenfahrer.

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