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15.04.2021

20:47

Kommentar

Coinbase könnte zum Opfer des eigenen Erfolgs werden – die Aktie bleibt daher ein riskantes Investment

Von: Michael Maisch

Der Börsengang von Coinbase ist ein Erfolg. Doch es ist unklar, ob die Wachstumsstory so weitergehen kann. Auch abseits der Regulierung drohen Kursrisiken.

Angestellte von Coinbase warten am Mittwoch nach dem Börsengang auf den ersten Kurs der Aktie. Der Börsengang der Kryptobörse heizt den Hype um digitale Währungen wie Bitcoin weiter an. Reuters

Coinbase-Angestellte in New York

Angestellte von Coinbase warten am Mittwoch nach dem Börsengang auf den ersten Kurs der Aktie. Der Börsengang der Kryptobörse heizt den Hype um digitale Währungen wie Bitcoin weiter an.

Es ist vollbracht, und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen: Am Mittwoch feierte Coinbase, die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen, ihr Börsendebüt an der US-Technologiebörse Nasdaq. Die Nachfrage der Anleger ist weiter groß; lag der Referenzpreis für die Platzierung noch bei 250 Dollar, so notierte die Aktie am Donnerstagnachmittag bereits bei rund 337 Dollar.

Auf Coinbase kaufen und verkaufen 56 Millionen Anleger rund 50 verschiedene digitale Währungen. Fans sehen im gelungenen Börsengang eine Art Reifeprüfung für den gesamten Markt. Nach diesem Narrativ wird Coinbase für die Zukunft der Kryptowährungen eine ähnliche Rolle spielen wie Apple für Smartphones oder Amazon für den Internethandel.

Selbst wenn diese These stimmen sollte, ist es fraglich, ob sich das am Ende auch für die Aktionäre auszahlt. Coinbase ist und bleibt ein riskantes Investment, denn in die Wachstumsstory ist eine Art Catch 22 eingebaut.

Um die versprochenen Wachstumsraten zu erreichen, müssen Kunstwährungen wie Bitcoin tatsächlich in den Mainstream vordringen. Doch genau diese Verbreitung könnte zum Margenkiller werden. Anders ausgedrückt: Coinbase droht zum Opfer des eigenen Erfolgs zu werden.

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    Größtes Risiko für den Aktienkurs dürfte eine deutlich strengere Regulierung sein. Je länger der Kryptoboom dauert und je stärker die Euphorie in breite Anlegerschichten ausstrahlt, desto größer wird der Impetus von Politik und Aufsehern sein, dem rasanten Wachstum Zügel anzulegen. Experten wie Sheila Warren vom World Economic Forum rechnen bereits mit einer „dramatischen Regulierungsrunde“.

    Aber selbst wenn man dieses Risiko ausklammert – was leichtfertig wäre –, droht den Margen von Coinbase Gefahr. Je stärker Kryptowährungen in den Mainstream vordringen, desto härter wird der Wettbewerb. Konkurrenten wie Kraken oder Bitstamp sowie etablierte Spieler wie Paypal werden versuchen, sich ein größeres Stück vom Kryptokuchen abzuschneiden. Wie funktioniert das am schnellsten? Indem man die Gebühren der Konkurrenz unterbietet.

    Wie ein solches „race to the bottom“ aussehen kann, hat sich in den vergangenen Jahren im Aktienhandel gezeigt. Im vergangenen Jahr hat Coinbase an jeder Transaktion noch 0,57 Prozent an Gebühren verdient, rund eine Milliarde Dollar oder über 90 Prozent des Gesamtumsatzes. Im Aktienhandel haben sich die Gebühren in den vergangenen Jahren asymptotisch der Nulllinie angenähert.

    So dramatisch muss die Entwicklung im Kryptomarkt nicht ausfallen. Doch die simple marktwirtschaftliche Gleichung wird auch hier gelten: Je stärker das Geschäft wächst, desto stärker werden die Margen der einzelnen Anbieter unter Druck geraten. Angesichts dieser Aussichten wirkt die aktuelle Bewertung von 88 Milliarden US-Dollar für Coinbase doch ziemlich sportlich.

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