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05.09.2018

18:06

Kommentar

Das Bestellerprinzip allein löst nicht die Probleme des Immobilienmarkts

Von: Matthias Streit

Die Einführung des Bestellerprinzips kann nur ein Anfang sein, um Immobilienkäufer zu entlasten. Bei der Grunderwerbssteuer gibt es mehr Potenzial.

Kaufnebenkosten wie die Maklercourtage werden von Banken nicht mitfinanziert – sie müssen aus dem eigenen Geld bezahlt werden. Fällt für den Erwerber die Provision weg, hat er mehr Eigenkapital übrig. dpa

Provisionen für Makler

Kaufnebenkosten wie die Maklercourtage werden von Banken nicht mitfinanziert – sie müssen aus dem eigenen Geld bezahlt werden. Fällt für den Erwerber die Provision weg, hat er mehr Eigenkapital übrig.

Machen wir uns nichts vor: Das sogenannte Bestellerprinzip bei Immobilienkäufen wird die Not am Wohnungsmarkt nicht lösen. Immobilien werden nicht plötzlich billiger, nur weil künftig vornehmlich die Verkäufer zur Maklerkasse gebeten würden. Die Maklerprovision könnte, ganz im Gegenteil, auf den Kaufpreis aufgeschlagen werden – und der Käufer zahlt dann trotzdem.

Ein häufiges Argument lautet: Käufer würden insofern entlastet, als dass sie künftig mehr Eigenkapital für die Finanzierung bei der Bank einbringen könnten. Kaufnebenkosten wie die Maklercourtage werden von Banken nicht mitfinanziert – sie müssen aus dem eigenen Geld bezahlt werden. Fällt für den Erwerber die Provision weg, hat er mehr Eigenkapital übrig.

Doch alle Rechnerei, wie viel günstiger die Finanzierung wird, weil Käufer den Kaufpreis mit mehr Eigenkapital begleichen können, ist müßige Zahlenschieberei. Schließlich ist es auch fraglich, ob die Bank den teureren Kaufpreis – wegen der aufgeschlagenen Maklercourtage – überhaupt als werthaltig ansieht. Wenn nicht, dann wird die Finanzierung nicht billiger. Im Zweifelsfall rückt die Wunschimmobilie sogar außer Reichweite, weil die Finanzinstitute bei der Höhe der Darlehenssumme abwinken.

Makler sind nicht gerade die beliebteste Zunft am Immobilienmarkt. In Zeiten des Immobilienbooms verdienen sie dank ihrer am Kaufpreis anteilig festgelegten Provision gut mit. Wir müssen kein Mitleid mit ihnen haben. Wir dürfen sie aber auch nicht zum Sündenbock des Marktes machen.

Die Politik versucht mit dem Vorstoß zum Bestellerprinzip nämlich reichlich unelegant, die Aufmerksamkeit von sich zu lenken. Die öffentlichen Kassenwarte, das heißt: die der Bundesländer, profitieren selbst stark vom Immobilienboom. Seitdem die Länder nach der Föderalismusreform 2006 selbst über die Höhe ihrer Grunderwerbsteuern bestimmen dürfen, wurde diese Abgabe 26-mal erhöht.

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Die Kaufnebenkosten gelten als eine der größten Hürden für den Immobilienerwerb. Nun sind die Maklerkosten in den Mittelpunkt gerückt.

Statt den bis dato üblichen 3,5 Prozent sind in manchen Ländern heute 6,0 oder 6,5 Prozent des Kaufpreises fällig. Hier ist reichlich Raum für echte Entlastung. Einen Vorschlag für einen Freibetrag für den Immobilienersterwerb hat der Finanzausschuss im Sommer aber schon abgelehnt.

Mehr neuen Wohnraum in den Metropolen wird die Einführung des Bestellerprinzips auch nicht schaffen. Einmal mehr wird an den Symptomen der steigenden Immobilienpreise herumgedoktert, nicht an der Lösung des Problems. Stattdessen dürfte es künftig noch dicker kommen: Die Grundsteuer soll bis Ende 2019 reformiert werden.

Wie sie aussehen wird, ist noch unklar. Nur eines steht schon mehr oder weniger fest: Eigentümer werden künftig mehr zahlen müssen. Auch das macht Wohneigentum nicht gerade attraktiver.

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