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15.07.2019

08:44

Kommentar

Das Comeback der Gaskraftwerke zeigt, dass der Kohleausstieg zu verkraften ist

Von: Jürgen Flauger

Gaskraftwerke können wieder eine wichtige Rolle spielen. Wenn der CO2-Preis weiter steigt, ist es möglich, dass sie dauerhaft mit Kohlekraftwerken konkurrieren.

Erstmals seit vielen Jahren lassen sich die Kraftwerke wieder rentabel betreiben. dpa

Gaskraftwerk in Lubmin

Erstmals seit vielen Jahren lassen sich die Kraftwerke wieder rentabel betreiben.

Kaum ein anderes Thema hat die Deutschen in den vergangenen Monaten so sehr bewegt wie die Debatte um den Klimaschutz. Und im Zentrum der Diskussion steht der Streit um den Kohleausstieg. Klimaaktivisten, engagierte Schüler, Politiker und Betreiber streiten über den angemessenen Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohleförderung und -verstromung in Deutschland.

Dabei hat sich in der selben Zeit am Strommarkt erstaunliches abgespielt. Die Kohlekraftwerke wurden überraschend stark zurück gedrängt. Im ersten Halbjahr sank die Stromproduktion in Braunkohlekraftwerken um 19 Prozent und die in Steinkohleanlagen sogar um 30 Prozent. Insgesamt steuerten die Kohlekraftwerke nur noch 27 Prozent zur Stromproduktion bei, die erneuerbaren Energien dagegen 42 Prozent.

Das zeigt zweierlei. Erstens: Der schrittweise Kohleausstieg ist gut zu verkraften. Zweitens: Der Emissionshandel ist inzwischen ein funktionierendes Instrument, um den CO2-Ausstoß zu senken.

Natürlich darf beim Kohleausstieg nichts überstürzt werden. Noch stammt mehr als ein Viertel der Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken. Das lässt sich nicht so leicht mit erneuerbaren Energien, die eben nicht immer verlässlich zur Verfügung stehen, ersetzen.

Die vergangenen Wochen haben aber gezeigt, dass Gaskraftwerke wieder eine wichtige Rolle im Energiemix spielen können. Erstmals seit vielen Jahren lassen sie sich wieder rentabel betreiben. Natürlich liegt das auch am aktuell sehr niedrigen Gaspreis. Aber wenn der CO2-Preis weiter steigt, können Gaskraftwerke auch dauerhaft mit Kohlekraftwerken konkurrieren.

Der CO2-Preis hat mit knapp unter 30 Euro inzwischen schließlich ein relevantes Niveau erreicht, bei dem sogar Braunkohlekraftwerke Probleme bekommen. Das zeigt: Der Emissionshandel ist wie gewünscht geeignet, um den Kohleausstieg voranzutreiben. Die Zertifikate müssen eben nur ausreichend verknappt werden.

Mehr: Die Politik debattiert über den Kohleausstieg, der Markt schafft Fakten: Die Produktion von Kohlestrom ist im ersten Halbjahr eingebrochen. Gaskraftwerke feiern ein überraschendes Comeback.

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