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04.06.2019

15:27

Kommentar

Das Ende von iTunes ist für Apple alternativlos

Von: Axel Postinett

Die Einstellung des Musikprogramms ist eine Zäsur. Für Apple-Chef Tim Cook markiert es die größte Herausforderung seiner Laufbahn.

Der Apple-Chef muss Microsoft- und Android-Kunden gewinnen, seine Dienste auf Roku-TV-Geräten oder Samsung Flat-TVs anbieten. AP

Tim Cook

Der Apple-Chef muss Microsoft- und Android-Kunden gewinnen, seine Dienste auf Roku-TV-Geräten oder Samsung Flat-TVs anbieten.

Apple hat seine älteste Software jetzt offiziell beerdigt. Aus dem aufgeblähten iTunes werden drei schlanke Apps für Mac-Computer für Musik, TV und Podcasts. Der wohl größte Einschnitt für den amerikanischen Technologiekonzern seit der Einführung des iPhones.

iTunes hat eine Generation von Musikkäufern geprägt und ganze Industrien dazu. Die Musikplattform verdankt ihr Entstehen einer Katastrophe namens Napster, die Anfang der 2000er-Jahre wie ein Tornado über die Plattenindustrie hinweggefegt war. Erst 2002 war Napster gerichtlich niedergerungen worden, aber noch schwerer zu fassende Kopien wie Limewire oder Torrent traten das Erbe an.

Apple-Chef Steve Jobs klapperte die Musikfirmen ab und machte ihnen seine Idee eines Musikspielers mit abgesichertem Onlineshop schmackhaft. Die Musikgewaltigen hatten am Ende keine Wahl. Mit iTunes wurde Apple der König der Onlinemusik, dann zum König der Smartphones.

Heute kämpft Apple gegen eine neue Generation von Apps. iTunes, Inbegriff des geschlossenen Apple-Ökosystems, konkurriert mit wendigen Apps, die wie Schnellboote Kreise um das alte Schlachtschiff ziehen. Netflix beherrscht das Videostreaming, Verfolger sind Hulu oder Roku. Spotify oder Pandora dominieren das Musikstreaming, Fotoapps gibt es wie Sand am Meer, auch Podcast-Apps. Sie alle sind hochspezialisiert. Allzweckwaffe iTunes hält da nicht mehr mit.

Aber Tim Cook muss hier wieder an die Spitze. Dazu muss er aber Microsoft- und Android-Kunden gewinnen, seine Dienste auf Roku-TV-Geräten oder Samsung Flat-TVs anbieten. Selektiv, nicht mehr mit dem alten Apple-Credo „alles oder nichts“. Auf den Smartphones hat er bereits damit begonnen.

Cook hat dafür ein Vorbild: Auch Microsoft musste und hat seine Windows-Welt geöffnet. Für Microsoft hat es sich ausgezahlt. Tim Cook hat sich jetzt darangemacht, auch bei Apple zu beweisen, dass diese Strategie aufgeht.

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