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02.06.2019

16:00

Kommentar

Das Großmachtgehabe von China und den USA schadet Europas Unternehmen

Von: Stephan Scheuer

Die Supermächte liefern sich auf dem Feld der Technologie einen Schlagabtausch. Zwischen den Fronten drohen Firmen aus Europa aufgerieben zu werden.

Im anhaltenden Handelsstreit zwischen China und den USA erleiden auch europäische Unternehmen Nachteile. dpa

Ein Hamburger Güterzug wird in China entladen

Im anhaltenden Handelsstreit zwischen China und den USA erleiden auch europäische Unternehmen Nachteile.

Die Vereinigten Staaten waren über Jahrzehnte die treibende Kraft einer globalisierten Wirtschaft. Besonders die US-Technologieindustrie forcierte internationale Wertschöpfungsketten. Die iPhone-Firma Apple fasst den Ansatz mit einem Schriftzug auf der Rückseite ihrer Geräte zusammen: Sie sind zwar „Designed in California“, aber „Assembled in China“. Mit ihrem beispiellosen Vorgehen gegen das chinesische Technologieunternehmen Huawei stellen die USA diese Weltordnung infrage. Chinas Reaktionen verstärken das Problem. Europäische Firmen könnten die Verlierer werden.

US-Präsident Donald Trump hat den „Telekommunikationsnotstand“ ausgerufen. Die US-Administration hat weitreichende Befugnisse an sich gerissen. Vieles ist darauf ausgelegt, die Geschäfte von Huawei zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen.

Peking antwortet ähnlich drakonisch. Die chinesische Führung hat eine eigene schwarze Liste angekündigt, auf die sie Firmen, Organisationen und sogar Individuen setzen will, die sich gegen die Interessen der Volksrepublik stellen. Peking hat bereits Ermittlungen gegen den US-Logistikkonzern Fedex eingeleitet.

Das Vorgehen könnte eine Vergeltungsaktion für den amerikanischen Umgang mit Huawei sein. Der chinesische Technologiekonzern ist der global führende Netzwerkausrüster. Über Jahre hat Huawei sein Geschäft global ausgedehnt. Bei dem künftigen Echtzeitmobilfunk 5G gilt die Firma als führend. Huawei stellt auch Endgeräte her. Smartphones und Tablets der Chinesen sind beliebt. Bei den mobilen Endgeräten steht Huawei global an zweiter Stelle – hinter Samsung, aber vor Apple.

Doch das könnte sich künftig ändern. Das US-Handelsministerium hat Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. US-Firmen dürfen nicht mehr mit Huawei kooperieren, außer sie haben eine ausdrückliche Ausnahmegenehmigung. Etliche Chiphersteller wenden sich bereits ab.

Dadurch könnte Huawei Probleme bekommen, seine Geräte überhaupt funktionsfähig zusammenzubauen. Auch Softwarefirmen gehen auf Distanz. Google hat angekündigt, die Kooperation mit Huawei einzuschränken. Andere US-Firmen wie Microsoft oder Facebook könnten folgen.

Ein Smartphone, Tablet oder Laptop ohne vollen Softwareumfang ist kaum verkäuflich. Setzen die USA ihre Marktmacht zur Gänze ein, könnte Huawei als internationale Firma zerstört werden.

Washington nimmt Nachteile für US-Firmen in Kauf

Dabei nimmt Washington auch große Kosten für die heimische Wirtschaft in Kauf. Vergangenes Jahr investierte Huawei rund 70 Milliarden Dollar in Komponenten von Zulieferern und davon rund elf Milliarden Dollar für Zulieferer aus den USA.

Auch Firmen aus Deutschland könnten betroffen sein. Im vergangenen Jahr will der Konzern Dienstleistungen und Komponenten aus Deutschland im Wert von mehr als 1,35 Milliarden Euro bezogen haben. Dazu gehören etwa Produkte des Chipherstellers Infineon. In den Kameras einiger Geräte verwendet Huawei zudem Komponenten des Optikkonzerns Zeiss. Infineon räumte bereits ein, dass vom US-Boykott Chipmodule betroffen seien, die auf in den USA gefertigte Bauteile zurückgreifen.

Dabei sind die Auswirkungen auf Mobilfunkunternehmen in Deutschland gar nicht mitgerechnet. Sie haben langfristige Lieferverträge für Smartphones mit Huawei geschlossen. Kappt Google die Unterstützung für die Geräte, könnten die Produkte unverkäuflich werden. Die Deutsche Telekom hat bereits ihre Mitarbeiter aufgefordert, keine Huawei-Smartphones mehr als Diensttelefone anzuschaffen.

Die USA und China stellen die globalisierte Welt mit ihren internationalen Wertschöpfungsketten infrage. Dabei haben sie selbst besonders davon profitiert.

Die Äußerungen des US-Präsidenten erinnern an den Kalten Krieg. Bei ihm lässt sich eine Einstellung erkennen, die die Welt in zwei Lager teilt. Die Reaktionen aus Peking fallen ähnlich drastisch aus. Heute könnte es Fedex treffen, morgen ein anderes Unternehmen. Dahinter könnten Drohungen an Washington stehen.

In China gibt es dafür ein Sprichwort: Das Huhn töten, um den Affen zu erschrecken. An einem Unternehmen wie Fedex könnte ein Exempel statuiert werden. Nachdem Kanada die Huawei-Finanzchefin festgenommen hatte, wurden in China drei Kanadier festgenommen, darunter der Ex-Diplomat Michael Kovrig, der nun seit mehr als 170 Tagen festgehalten wird – ohne formelle Anklage und mit 24-stündiger Dauerbeleuchtung in seiner Zelle, sagten kanadische Diplomaten.

Europas Firmen können in dem Konflikt nur verlieren. Leidet die Weltwirtschaft, leiden die Exportunternehmen. Sie selbst haben auf den Schlagabtausch der Supermächte kaum Einfluss, tragen aber die Konsequenzen. Es bleibt nur zu hoffen, dass Trump und Chinas Präsident Xi Jinping beim G20-Treffen Ende des Monats einen Weg finden, den Konflikt zu entschärfen.

Mehr: Durch die Sanktionen der USA leidet das Image von Huawei. Die Folge: Die Preise für die neuen Smartphones des chinesischen Herstellers sinken.

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