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05.11.2022

09:58

Kommentar

Das „Prinzip Hoffnung“ hat den Niedergang von Galeria beschleunigt

Von: Florian Kolf

Das Warenhausunternehmen hat beim letzten Insolvenzverfahren nicht radikal genug umgebaut und verkleinert. Den Fehler darf es jetzt nicht wiederholen.

Das Unternehmen hat die Restrukturierung beim letzten Mal nicht konsequent und radikal genug durchgezogen. Reuters

Galeria-Filiale in Berlin-Tegel

Das Unternehmen hat die Restrukturierung beim letzten Mal nicht konsequent und radikal genug durchgezogen.

Wie beim letzten Insolvenzverfahren von Galeria Karstadt Kaufhof vor nicht mal zwei Jahren wird auch diesmal wieder das große Feilschen losgehen. Das Ritual ist bekannt: Der Sanierer Arndt Geiwitz macht zusammen mit dem Sachwalter Frank Kebekus und dem Management eine Streichliste mit ganz vielen Standorten, die zur Disposition stehen.

Und dann dürfen die Vermieter der Immobilien, die Verantwortlichen in den Kommunen und Arbeitnehmervertreter versuchen, mit möglichst großen Zugeständnissen einzelne Häuser wieder von der Liste herunter zu verhandeln. Und jede Filiale, die dann doch nicht geschlossen wird, feiern sie als Erfolg.

Doch diese Strategie darf sich nicht wiederholen. Denn sie war mitverantwortlich dafür, dass Galeria nun schon wieder ins Schutzschirmverfahren flüchtet.

Galeria hat Restrukturierung nicht konsequent durchgezogen

Auch externe Faktoren wie die Preissteigerungen, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher und die explodierenden Energiekosten haben dazu beigetragen, dass der Warenhausbetreiber in einer existenzbedrohenden Lage ist. Aber das betrifft alle anderen Händler auch – und es gibt im Einzelhandel keine flächendeckende Insolvenzwelle. Die meisten Unternehmen haben Substanz genug, auch diese schweren Zeiten durchzustehen.

Entscheidend war, dass Galeria die Restrukturierung beim letzten Mal nicht konsequent und radikal genug durchgezogen hat. Man hat sich die Entwicklung schöngerechnet und zu lange auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. Doch es war von Anfang an klar, dass für die Modernisierung von 131 Filialen das Geld nicht reichen wird. Auch das Budget für die Neuaufstellung des E-Commerce war viel zu knapp angesetzt.

Eine Chance hätte das Unternehmen nur gehabt, wenn das Filialnetz noch stärker verkleinert und auf die besten Standorte fokussiert worden wäre. Dann hätte man die Investitionen auf weniger Häuser konzentrieren können. Und man hätte weniger Ballast mitgeschleppt an Warenhäusern, die zu wenig Ertrag bringen, um das ganze Netz zu stützen. Das rächt sich jetzt.

Das Unternehmen hat so wertvolle Zeit verloren. Es ist unklar, ob die Rettung auf dieser Basis überhaupt noch gelingen kann. Zu lange haben Management und Mitarbeiter in der überheblichen Hoffnung gelebt, dass es immer irgendwie weitergeht und im Zweifel irgendwer hilft – meist mit viel Geld.

Die Zeit ist jetzt vorbei. Jetzt helfen nur noch radikale Schritte ohne falsche Rücksichten. Und ein klares Bekenntnis des Eigentümers Signa: Die Gesellschaft des Investors René Benko muss bereit sein, noch mal Geld zu investieren, und auch zustimmen, dass Filialen geschlossen werden, wo sie selber Eigentümer ist. Sonst hat Galeria seine Zukunft schon hinter sich.

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